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Autorecht aktuell Schädiger trägt das Werkstattrisiko

| Redakteur: Marion Fuchs

Im Streit um die Erstattung von Reparaturkosten nach einem Verkehrsunfall entschied das Amtsgericht Coburg, dass das Werkstattrisiko zu Lasten des Schädigers geht.

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Das Werkstattrisiko trägt in der Regel der Schädiger.
Das Werkstattrisiko trägt in der Regel der Schädiger.
(Bild: Wenz)

In seinem Urteil AZ: 11 C 776/17 vom August letzten Jahres kommt das Amtsgericht (AG) Coburg zur der Endscheidung, dass das Werkstattrisiko der Schädiger zu tragen hat.

Hintergrund

Die Parteien streiten um die Erstattung restlicher Reparaturkosten nach einem Verkehrsunfall. Die Reparaturkosten beliefen sich ausweislich der vorgelegten Rechnung auf 3.644,76 €, worauf die beklagte Haftpflichtversicherung einen Betrag von 3.490,06 € regulierte.

Sie ist der Ansicht, dass die Kosten für die eingesetzte Hebebühne nicht zu erstatten seien, ebenso seien die Kosten für die Verbringung des Fahrzeugs leidlich mit pauschal 80,00 € zu erstatten. Zudem ist die Beklagte der Auffassung, dass eine Verbringung tatsächlich nicht erfolgt ist.

Aussage

Die geltend gemachten Verbringungskosten stellen nach Ansicht des AG Coburg den erforderlichen Aufwand zur Wiederherstellung des ursprünglichen Fahrzeugzustandes dar, sowohl dem Grunde als auch der Höhe nach. Weshalb die Beklagte der Auffassung ist, dass diese mit einem Pauschalbetrag von 80,00 € angemessen reguliert sind, erschließt sich dem Gericht hingegen nicht. Aus zahlreichen anderen Verfahren ist dem Gericht bekannt, dass die Beklagte offenbar immer 80,00 € ohne jegliche Einzelfallprüfung reguliert, ohne dass sie aber darlegt, warum dies der erforderliche Betrag sein soll.

Soweit die Beklagte anführt, dass eine Verbringung tatsächlich nicht erfolgt ist oder die Benutzung der Hebebühne nicht erforderlich war, greift dies nicht durch.

Das AG Coburg führt aus:

„Den Kenntnis- und Einflussmöglichkeiten des Geschädigten bei der Schadenregulierung sind insofern regelmäßig Grenzen gesetzt, dies vor allem, sobald er den Reparaturauftrag erteilt und das Fahrzeug in die Hände von Fachleuten gibt. Es würde dem Sinn und Zweck des §249 Abs.2 S.1 BGB widersprechen, wenn der Geschädigte bei Ausübung der Ersetzungsbefugnis im Verhältnis zum ersatzpflichtigen Schädiger mit Mehraufwendungen der Schadenbeseitigung belastet bliebe, deren Entstehung seinem Einfluss entzogen und die ihren Grund darin haben, dass die Schadenbeseitigung in einer fremden, vom Geschädigten nicht mehr kontrollierbaren Einflusssphäre stattfinden muss. Das Werkstattrisiko geht insofern zulasten des Schädigers.“

Der Geschädigte darf sich dabei grundsätzlich auch auf die Richtigkeit des zuvor eingeholten Schadengutachtens verlassen. Hinsichtlich des Werkstattrisikos macht es keinen Unterschied, ob die Werkstatt dem Geschädigten unnötige Arbeiten in Rechnung stellt, überhöhte Preise oder Arbeitszeiten in Ansatz bringt oder Arbeiten berechnet, die in dieser Weise nicht ausgeführt worden sind. Etwas anderes gilt nur dann, wenn den Geschädigten ein offensichtliches Auswahlverschulden trifft, wovon vorliegend jedoch nicht ausgegangen werden kann.

(ID:45857033)