Unfallschadenreparatur Versicherer verlangen beschädigte Teile

Autor / Redakteur: Joachim Otting / Stefan Dietz

Seit einigen Monaten verlangen verschiedene Versicherer beschädigte Teile heraus. Hier stellt sich die Frage: Sind die Versicherer überhaupt berechtigt, die Teile einzufordern?.

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Muss für die Unfallschadenreparatur der Scheinwerfer ersetzt werden, so wollen Versicherer dieses Teil oft haben.
Muss für die Unfallschadenreparatur der Scheinwerfer ersetzt werden, so wollen Versicherer dieses Teil oft haben.
(Bild: Wenz)

Wenn bei einer Unfallschadenreparatur ein Scheinwerfer erneuert werden muss, weil die Aufhängungen an der Sollbruchstelle abgerissen sind, oder wenn nach einem Auffahrunfall eine teure Auspuffanlage zu erneuern ist, verlangen einige Versicherer seit einigen Monaten die beschädigten Teile heraus.

Mancher Werkstatt gefällt das nicht, weil sie bisher gern selbst das ihr „zugefallene“ Teil auf welchem Wege auch immer verwertet hat. Möglicherweise hat auch der Geschädigte ein Auge darauf geworfen, weil er es gern selbst zu Geld gemacht hätte. Und so rumort es ein wenig.

Zur Beantwortung der Frage, ob der Versicherer das Teil verlangen kann, ist zu unterscheiden zwischen Kasko- und Haftpflichtfällen.

Kaskoschäden

In den allermeisten Kaskoversicherungsverträgen ist folgende Regelung enthalten:

Rest- und Altteile

A.2.5.7.2 Rest- und Altteile sowie das unreparierte Fahrzeug verbleiben bei Ihnen und werden zum Veräußerungswert auf die Entschädigung angerechnet.

Herausverlangen kann der Versicherer das Teil also nicht. Jedoch kann er den Wert des Teils zur Anrechnung bringen. Mag das auch ungewohnt sein, weil sich das möglicherweise bislang kaum gelohnt hat, so ist die vertragliche Regelung eindeutig.

Es genügt aber sicher nicht, dass der Kaskoversicherer irgendeine Zahl in den Raum stellt. Er wird einen Käufer, der das beschädigte Teil kauft und abholt, benennen müssen. Das ist wie beim Restwert für das gesamte Fahrzeug zu sehen.

Haftpflichtschäden

Beim Haftpflichtschaden hat der Versicherer auch keinen Anspruch auf Herausgabe des Teils, denn es gibt keine gesetzliche Vorschrift, die einen solchen Anspruch tragen würde.

Doch auch beim Haftpflichtschaden spricht einiges dafür, dass der Versicherer den Restwert des Teils anrechnen kann. Das folgt aus den Regeln des Vorteilsausgleichs.

Der Vorteilsausgleich kommt in unterschiedlichen Varianten im Haftpflichtschadenrecht zur Anwendung. Als Wertverbesserung, als Neu-für-alt-Abzug, als Eigenersparnisabzug bei der Mietwagennutzung, als Nettoschadenregulierung beim Vorsteuerabzugsberechtigten und letztlich auch bei der Anrechnung des Restwertes des gesamten verunfallten Fahrzeugs. Voraussetzung ist stets, dass der Vorteil wirtschaftlich spürbar und in zumutbarer Weise realisierbar ist.

Das wird man beim leicht zu vermarktenden beschädigten Teil ohne Weiteres annehmen können. Im Einzelfall kann der Restwert eines beschädigten jungen Scheinwerfers höher sein als der eines ganzen älteren Unfallfahrzeugs.

Für den Restwert des gesamten Fahrzeugs gibt es im Haftpflichtschadenrecht klare Regelungen durch den BGH: Es kommt dabei auf den lokal erzielbaren Wert an. Nicht anders ist es beim Wert des Restteils. Allerdings kann der Versicherer einen Käufer bringen, der mehr bietet, solange der Geschädigte noch nicht verkauft hat.

Voraussetzung ist aber sowohl bei der Variante des lokal ermittelten Wertes als auch bei der Variante des versicherungsgesteuerten Überangebots, dass der Geschädigte keine Mühe hat. Es wird ihm nicht zuzumuten sein, einen geeigneten Karton zu suchen und das Teil zu verschicken. Bei einer Auspuffanlage versteht sich das beispielsweise ganz von selbst.

Dass der Versicherer kein Recht hat, die Herausgabe zu verlangen, ist eine Sache. Eine andere ist es, ob der Versicherungsnehmer oder der Geschädigte die Teile im Einzelfall nicht doch einfach hergibt, um Anrechnungsprobleme zu vermeiden.

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