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Autorecht aktuell Voller Kostenersatz ohne Nachbesichtigung

| Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Marion Fuchs

Obwohl die Reparaturkosten die kalkulierten Kosten um nahezu 20 Prozent überstiegen sei der Geschädigte nicht nicht verpflichtet, dem Haftpflichtversicherer eine Nachbesichtigung des Fahrzeugs zu ermöglichen, urteilte das LG Lüneburg.

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Reparaturkosten sind auch ohne Nachbesichtigung zu übernehmen urteilte das LG Lüneburg.
Reparaturkosten sind auch ohne Nachbesichtigung zu übernehmen urteilte das LG Lüneburg.
(Bild: Wenz)

Laut dem Urteil AZ: 5 O 279/17 vom 25.10.2019 des Landgerichts (LG) Lüneburg muss einer regulierungspflichtigen Versicherung grundsätzlich keine Nachbesichtigung ermöglicht werden. In der Praxis wird sich jedoch regelmäßig die Frage stellen, ob eine solche Nachbesichtigung durch den Geschädigten zugelassen werden sollte, um eine schnellere Regulierung der berechtigten Reparaturkosten zu erreichen.

Hintergrund

Die Parteien streiten um restliche Schadenersatzansprüche nach einem Verkehrsunfall. Die Haftung ist dem Grunde nach unstreitig. Auf die Reparaturrechnung zahlte der beklagte Haftpflichtversicherer lediglich 19.434,66 €, obwohl sich der Rechnungsbetrag auf 22.561,79 € belief.

Für das Abschleppen des Fahrzeugs wurden dem Kläger 987,70 € in Rechnung gestellt, die Beklagte verweigert hier gänzlich die Regulierung. Hinsichtlich der Mietwagenkosten wurden 5.568,19 € in Rechnung gestellt, die Beklagte regulierte davon nur 2.742,19 €.

Die Haftpflichtversicherung ist der Ansicht, dass die Mietwagenkosten anhand des arithmetischen Mittels zwischen Schwacke-Liste und Fraunhofer-Ermittlung zu ermitteln seien. Die in Rechnung gestellten Reparaturkosten übersteigen nach Ansicht der Beklagten die kalkulierten Kosten um nahezu 20 Prozent, zudem sei ihr keine Nachbesichtigung ermöglicht worden.

Ebenso seien einzelne Positionen in der Reparaturrechnung nicht nachvollziehbar, sodass die Kosten nicht zu übernehmen seien.

Aussage

Nach Ansicht des LG Lüneburg ist die Klage vollumfänglich begründet. Durch das vom Gericht eingeholte Sachverständigengutachten steht zur Überzeugung des Gerichts fest, dass die abgerechneten Kosten sämtlich angemessen und erforderlich waren.

Insbesondere die vorgenommenen Lackier- und Beilackierungsarbeiten waren erforderlich, ebenso die Prüfung, ob die rechten Rad-/Reifenkombinationen bei dem Unfall beschädigt wurden.

Der Geschädigte war auch nicht verpflichtet, dem Haftpflichtversicherer eine Nachbesichtigung des Fahrzeugs zu ermöglichen.

Aus der Mietwagenkostenrechnung ergebe sich, dass eine Abrechnung nach Schwacke-Liste vereinbart worden ist. Die Schwacke-Liste konnte nach Ansicht des Gerichts auch zur Abrechnung herangezogen werden. Es wurden durch den Beklagten keine konkreten tatsächlichen Mängel an der Schätzungsgrundlage aufgezeigt.

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