Kraftstoffe Wiedergewählter ADAC-Präsident fordert mehr E10-Engagement

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Die Verbreitung der Benzinsorte E10 kommt nur langsam voran. Nun fordert ADAC-Präsident Christian Reinicke klare Weichenstellungen von der Politik. Der Club vertritt inzwischen 22,2 Millionen Autofahrer.

Mehr E10 statt E5 und mehr Platz für neue Sorten wie HVO – der ADAC und der Tankstellenverband BFT wollen mehr Anstrengungen im E10-Absatz.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
Mehr E10 statt E5 und mehr Platz für neue Sorten wie HVO – der ADAC und der Tankstellenverband BFT wollen mehr Anstrengungen im E10-Absatz.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Wenn deutsche Autofahrer Benzin tanken, greifen sie in der Regel zu Super E5. Doch das soll sich ändern, wenn es nach dem am Wochenende im Amt bestätigten ADAC-Präsident Christian Reinicke geht: „Die Politik sollte die Nutzung von Super E10 vorantreiben“, fordert er. Autos ab dem Baujahr 2011 vertragen die Sorte – die bis zu zehn Prozent Biosprit enthalten darf – ihm zufolge problemlos. „Trotzdem tanken viele Menschen im Zweifelsfall unnötigerweise das teurere und klimaschädlichere Super E5.“

Derzeit seien die Tankstellen verpflichtet, E5 anzubieten, das maximal fünf Prozent Biosprit enthält. „Das ist nicht mehr sinnvoll“, kritisiert Reinicke. „In einem ersten Schritt sollte diese Verpflichtung daher auf Super E10 übergehen. Und wenn das nicht reicht, wird man über weitere im Zweifel härtere Schritte nachdenken müssen.“ Ob das auch ein Verbot einschließen würde, sagt Reinicke nicht – schließt es aber auch nicht explizit aus. „Es geht auch um weitere klimafreundlichere Alternativen, die an den Tankstellen Platz finden und von Verbrauchern akzeptiert werden müssen.“

Reinicke geht frisch im Amt bestätigt in die Diskussion. Am Samstag wurde er auf der Hauptversammlung des Automobilclubs in Berlin mit 96 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Reinicke ist seit 2021 ADAC-Präsident. Seither hat sich die Mitgliederzahl umd rund eine Million auf jetzt 22,2 Millionen erhöht. Auch alle anderen Funktionäre wurden in ihren Ämtern bestätigt: Sportpräsident Gerd Ennser, Technikpräsident Karsten Schulze und Tourismuspräsident Karlheinz Jungbeck.

E5 ist „motortechnisch nicht mehr relevant“

Vergangenes Jahr machte E5 nach Zahlen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle 67,5 Prozent der Inlandsablieferungen von Benzin aus, die ziemlich genau den Spritverkauf in Deutschland abbilden. E10 lag bei 27,4 Prozent, Super Plus bei gut 5,1. Damit wächst der E10-Anteil nur noch minimal: 2023 hatte er bei 26,4 Prozent gelegen.

Dabei hatte es in den Jahren davor ausgesehen, als könnte sich E10 langsam durchsetzen. Unter anderem die extrem hohen Spritpreise des Jahres 2022 hatten den Anteil des oft sechs Cent billigeren Sprits nach oben steigen lassen. 2020 hatte er noch bei 13,9 Prozent gelegen.

Als Vorbild sieht Reinicke Länder wie Österreich. Auch dort gebe es keine Verpflichtung mehr, E5 anzubieten – „und da gibt es auch keine Probleme“. In seinem Plädoyer gegen die Verpflichtung ist sich Reinicke mit den Tankstellenbetreibern einig. „Da die Kraftstoffsorte Benzin E5 motortechnisch nicht mehr relevant ist, wäre es Zeit für Marktwirtschaft beim Kraftstoffverkauf“, heißt es beispielsweise vom Bundesverband Freier Tankstellen (BFT). „Die Tankstellen und die Kunden müssen entscheiden, welches Produkt sie wollen. Durch die CO2-Einsparungen müsste zudem die Politik ein echtes Interesse an E10 haben“, sagt Geschäftsführer Daniel Kaddik und versichert: „Die Tankstellen, bei denen E5 weiter gut nachgefragt wird, werden E5 sicherlich weiterführen. Da muss niemand in Sorge sein.“

Tankstelle wollen mehr Flexibilität

Dem BFT geht es auch darum, Platz für Kraftstoffe wie HVO – einen erneuerbaren Diesel – zu schaffen. „Die Schutzsorte E5 bindet Tankkapazitäten und macht massive Investitionen erforderlich, wenn HVO eingeführt werden soll.“

Auch der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, der unter anderem die großen Akteure der Mineralölwirtschaft mit den großen Markentankstellen-Ketten vertritt, ist für den Wegfall der Verpflichtung, E5 anzubieten. Dieser „gäbe den Tankstellenbetreibern eine größere Flexibilität, auf verändernde Kundenbedürfnisse zu reagieren sowie zukünftig innovative und klimaschonende Kraftstoffe anzubieten“, hieß es dort zuletzt. Die allermeisten Fahrzeuge könnten Super E10 problemlos tanken.

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