ZKF Branchentreff ZKF setzt sich zur Wehr

Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Immer mehr Rechnungskürzungen, neue Apps zur Minimierung der Schadenkosten und Teilebestellung durch Versicherer und Steuerer. Der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) will die gängige Praxis der Versicherungen nicht länger hinnehmen.

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ZKF-Präsident Peter Börner will Rechnungskürzungen der Versicherer nicht mehr hinnehmen.
ZKF-Präsident Peter Börner will Rechnungskürzungen der Versicherer nicht mehr hinnehmen.
(Bild: Wenz)

Der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) prangert die gängige Praxis der Versicherungen an, Rechnungen der Mitgliedsbetriebe scheinbar willkürlich zu kürzen. Der ZKF warnt vor weitreichenden Konsequenzen für Reparaturqualität, Investitionsfähigkeit sowie Serviceleistungen der Karosserie- und Lackierfachwerkstätten.

ZKF-Präsident Peter Börner kritisierte das Vorgehen bei Rechnungsprüfungen in seiner Grundsatzrede während des Branchentreffens in Bad Nauheim am vergangenen Wochenende offen: „Da liegen Prüfberichte mit unberechtigten Kürzungen von bis zu 50 Prozent auf dem Schreibtisch des Hauptgeschäftsführers. Wir müssen handeln und dem Treiben ein Ende setzen!“ Leider würden immer noch zu wenige Fachbetriebe tatsächlich aktiv. Börner forderte die Mitglieder auf, im Zweifel einen Anwalt einzuschalten oder im unberechtigten Fall der Rechnungskürzung bei einem Kaskoschaden im Namen des Kunden das Sachverständigenverfahren aufzurufen.

Kürzungen sind nicht hinnehmbar

„Technische Herstellervorgaben in den Reparaturhandbüchern sind für alle Werkstätten bindend, nicht aber Herstellervorgaben für die Arbeitszeitwerte und damit für die Reparaturzeiten“, erklärte ZKF-Hauptgeschäftsführer Dr. Klaus Weichtmann, der in den vergangenen Monaten gegen die Rechnungskürzungen erfolgreich vorgegangen ist. „Die Herstellervorgabezeiten wurden ursprünglich für das eigene Händler- bzw. Werkstattnetz und für den Garantiefall entwickelt. Diese Herstellervorgabezeiten binden die eigenen Vertragswerkstätten, nicht aber die freien Karosserie-Fachbetriebe. Nach gesicherter BGH-Rechtsprechung schuldet der Schädiger dem Geschädigten stets den für die Instandsetzung des beschädigten Fahrzeuges erforderlichen Herstellungsaufwand, worunter auch Mehrkosten der beauftragten Werkstatt fallen,“ so der Hauptgeschäftsführer.

Hinzu kommt aus Sicht des ZKF, dass in den Kalkulationssystemen Audatex und DAT diverse Reparaturzeiten hinterlegt sind, die nicht vom Hersteller stammen, sondern auf eigenen Erhebungen basieren. Diese Eigenerhebungen können nur eine Richtschnur für die Reparaturzeiten sein, seien aber keineswegs verbindlich.“

Mit einem eigenen Anwaltsmodell unterstützt der Zentralverband die Mitgliedsbetriebe dabei, gegen Rechnungskürzungen vorzugehen. Darüber hinaus wurde den Betrieben ein Musterschreiben zur Verfügung gestellt. „Wir wollen unsere Mitglieder damit motivieren, sich direkt bei der Versicherung und beim Prüfdienstleister zu beschweren“, betonte Peter Börner. „Einige Betriebe nutzen diesen Weg bereits sehr erfolgreich.“ Zudem sei der neue Dienstleistungsservice für Betriebe (DfB) eine Lösung. „Hier treten Sie die Forderungen gegenüber den Versicherern an die Eurogarant Auto Service AG ab und wir treiben die Außenstände ein.“

Warnung vor Easy Claim

Auch in der Neuentwicklung von Apps, die es Autofahrern ermöglichen, ohne Fachbetrieb direkt mit Prüfdienstleistern wie Control Expert einen Schaden zu „kalkulieren“, sieht der Zentralverband eine große Gefahr. Börner warnte: „Der Prüfdienstleister wird in Zukunft im Auftrag der Versicherung nach deren Wünschen und Ansichten kalkulieren.“ Das bedeutet konkret: „Anhand von zwei oder drei Fotos kann man einen Schaden weder seriös kalkulieren noch dem Geschädigten ein zutreffendes Abfindungsangebot machen“, und weiter führte der ZKF-Präsident aus: „Wir befürchten, dass der Geschädigte keine 100-prozentige Schadenregulierung erhält.“

Auch die Teilebestellung durch Versicherer und Steuerer sieht der ZKF kritisch. Zum einen entgeht dem Fachbetrieb dadurch die wichtige Teilemarge, zum anderen befürchtet der ZKF, dass es häufiger zu Fehlbestellungen und zu unvollständigen Lieferungen kommt, sodass Prozessstörungen sich häufen.

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