Gastkommentar

Erfahrungen in der Wüste

| Redakteur: Konrad Wenz

Werner Degen, Chefredakteur »autoFachmann«
Werner Degen, Chefredakteur »autoFachmann« (Bild: VBM)

Wer als Teilnehmer oder Beobachter der World Skills 2017 im deutschen Block der Du-Arena in Abu Dhabi saß, dem war nicht ganz wohl in seiner Haut. Medaillen für deutsche Teilnehmer waren dünn gesät. Die Dominanz der Asiaten war erdrückend! Trösten könnte man sich als Europäer mit den Erfolgen der Südtiroler, der Österreicher oder – allen voran – der Schweizer Nationalmannschaft. Aber wie erklärt sich Wettbewerbserfolg beziehungsweise -misserfolg zwischen vergleichbaren europäischen Berufsausbildungssystemen, die in ihrer Güte weltweit von niemandem ernsthaft bezweifelt werden? Deutsche Erfolge bei den Wettbewerben liegen weit zurück. Der letzte Weltmeister war Jan Feustel Mitte der Neunzigerjahre. Dann gab’s noch Stefan Paschke, heute deutscher Chefdelegierter bei den World Skills in Sachen Technik, der einen ehrenwerten vierten Platz belegte. Seither bewegte sich alles im zweistelligen Bereich! Dazu muss man wissen: Eine Berufsweltmeisterschaft verhält sich zur normalen Berufsausbildung wie der Breitensport zur Olympiade. In Normalform ist da nichts zu holen. Und mit ein paar Wochen Trainingsvorlauf kommt man nicht in Topform! Wenn man sich anschaut, was die Schweizer anders machen, fallen zwei Dinge auf. In der Schweiz koordiniert die Stiftung „Swiss Skills“ die Meisterschaft aller Berufe mit hauptamtlichen (!) Kräften. Die Wettbewerbe rund um die einzelnen Gewerke werden als Dauerwerbesendung für den Berufsstand verstanden. Die Teilnehmer treten häufig unter Wettbewerbsbedingungen an, bevor es bei der eigentlichen Berufsweltmeisterschaft um die Wurst geht. Zuständig für die fachliche Vorbereitung ist in jedem Gewerk ein hauptamtlicher Experte, unterstützt vom Schweizer Verband. Die Verantwortlichen bei „Swiss Skills“ organisieren eine ganze Reihe betreuter Teamwochenenden, an denen zur fachlichen Betreuung auch Mentalcoaches kommen, wie wir sie aus dem Leistungsport – etwa bei der Fußballnationalmannschaft – kennen. Alle offiziellen Ausgaben hierfür werden von der Stiftung abgedeckt. Stiftung und Sponsoren finanzieren die individuellen Trainingssequenzen. Die Teamleader bei den Swiss Skills betreuen die Teilnehmer auch bei der Weltmeisterschaft. Summa summarum: mega erfolgreich! In puncto Wettbewerbsdurchführung kann Deutschland ohne Frage eine Menge von der Schweiz lernen. Und das sollten wir auch, wenn aus einer picobello Berufsausbildung wieder vorzeigbare Wettbewerbserfolge werden sollen.

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