Durchstarten 2021 Mitarbeiter zu „Multitaskern“ machen

Autor: Dr. Holger Schweitzer

Den K&L-Betrieb Peters GmbH in Hamburg traf es bereits vor der Ausbruch der Pandemie hart: Der größte Kunde meldete Insolvenz an. Geschäftsführer Niclas Brettner reagierte, indem er das Unternehmen neu ausrichtete und seine Mitarbeiter zu flexibel einzusetzenden Fachkräften weiterbildete.

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Niclas Brettner, Geschäftsführer der Fahrzeuglackierung Peters GmbH in Hamburg, ist davon überzeugt, dass das Auto für Menschen weiterhin wichtig bleiben wird.
Niclas Brettner, Geschäftsführer der Fahrzeuglackierung Peters GmbH in Hamburg, ist davon überzeugt, dass das Auto für Menschen weiterhin wichtig bleiben wird.
(Bild: Daniel Siefert)

Wie steht es um die aktuelle Stimmungslage in Ihrem Unternehmen?

Aktuell durchwachsen: Wir befinden uns seit fast einem Jahr in Kurzarbeit. Aber es sind alle gesund, und die Stimmung ist deutlich besser als noch vor sechs Monaten. Wir Führungskräfte und unsere Mitarbeiter können mit der Situation nun besser umgehen. Und wir sind davon überzeugt, dass sich der Markt wieder erholen wird.

Wie hat sich Ihr Betrieb auf das Jahr 2021 vorbereitet – was waren beziehungsweise sind die wichtigsten Schritte?

Ein wichtiger Schritt war die Kurzarbeit. Diese werden wir auch in diesem Jahr weiter brauchen. Wir haben zudem unseren Schwerpunkt etwas verlagert: weg vom Geschäft mit Autohäusern hin zur Schadensteuerung. Diese Entscheidung haben wir auch deshalb getroffen, da eine große Autohausgruppe, mit der wir zusammenarbeiteten, in die Insolvenz ging. Außerdem schulen wir seit dem letzten Jahr unsere Mitarbeiter in verschiedenen Arbeitsbereichen – sei es Karosserie, Lack oder die Fahrzeugannahme. Sind Mitarbeiter „Multitasker“, können wir sie je nach Auftragsvolumen flexibel einsetzen. Das hilft uns ferner beim Thema Fachkräftemangel. Und letztlich haben wir alle Kostenfaktoren intensiv auf Einsparpotenziale geprüft. Beispielsweise kaufen wir jetzt eher Equipment, als es zu mieten.

Welche besonderen Herausforderungen ergaben sich für Ihr Unternehmen durch den Ausbruch der Corona-Pandemie?

Bei uns trat noch vor Corona eine besondere Situation ein, als im Februar unser größter Auftraggeber, eine Autohausgruppe, insolvent ging. Zusammen mit der Coronakrise verunsicherte das unsere Belegschaft sehr. Hier mussten wir kontinuierlich beruhigen, motivieren und Aufklärungsarbeit leisten. Zudem ging unser Unternehmen zum ersten Mal in seiner 108-jährigen Geschichte in Kurzarbeit. Das heißt: Auch wir mussten dazulernen.

Gab es auch positive Aspekte im Pandemiejahr 2020?

Wir sind davon überzeugt, dass der Stellenwert des Autos durch die Pandemie gestiegen ist. Außerdem behalten wohl mehr Menschen ihre Fahrzeuge länger als bisher. Damit einhergehend steigt das Reparaturvolumen, und Halter investieren wieder in ihre Gebrauchtwagen. Es war auch schön zu erleben, dass wir als systemrelevant eingestuft wurden und weiterarbeiten durften. Damit dürfte auch das Handwerk als verlässlicher Arbeitgeber an Bedeutung gewonnen haben. Das konnten wir zumindest bei unseren eigenen Mitarbeitern feststellen.

Werden sich diese erfreulichen Begleiterscheinungen auch auf 2021 auswirken?

Ja, denn das Vertrauen unserer Belegschaft in unser Unternehmen wuchs. Unter den Mitarbeitern ist die Atmosphäre solidarisch; so stimmen sie sich beispielsweise untereinander bei der Kurzarbeit ab.

Glauben Sie, dass wir zu einem „Normalzustand“ wie vor der Pandemie zurückkehren werden – wo sehen Sie Veränderungen?

Ich glaube, dass wir weitestgehend zu einem Normalzustand zurückkommen, aber es wird auch einiges ändern. Beispielsweise gehe ich davon aus, dass sich das Konzept Homeoffice verstärkt durchsetzen wird und dass Unternehmen an Bürofläche sparen können. Auch im Vertrieb werden die Verkäufer weniger unterwegs sein. Gleichzeitig ist das Homeoffice nicht für alle Bereiche geeignet. Der Mensch bleibt ein soziales Wesen, das persönliche Kontakte braucht. Möglicherweise ziehen auch mehr Menschen von der Stadt aufs Land. Insgesamt dürfte damit der Privatverkehr zu- und der Berufsverkehr abnehmen.

Wie sehen Sie die personelle Entwicklung in der Branche und für Ihr Unternehmen? Wird der Fachkräftemangel auch künftig ein großes Thema sein?

Der Fachkräftemangel wird bleiben. Corona wird daran nicht viel ändern. Kurzfristig dürfte das Handwerk für junge Menschen als Arbeitgeber interessanter sein als die Industrie. Aber sobald die Industrie wieder Fahrt aufnimmt, kann man davon ausgehen, dass sich das Blatt wieder wendet.

Welche Tipps/Ratschläge können Sie an Ihre Kollegen weitergeben?

Man braucht einen langen Atem. Und man sollte die Zuversicht und den Glauben an die Zukunft nicht verlieren. Das Auto wird wieder mehr in den Fokus der Menschen rücken. Außerdem sollte man als Unternehmer die Kosten- und Kundenstruktur kontinuierlich prüfen. Letztlich hat Corona bestehende Umstände nur verschärft. Vieles, worauf man achten sollte, beschäftigte die Betriebsinhaber vorher schon.

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Über den Autor

Dr. Holger Schweitzer

Dr. Holger Schweitzer

Redakteur, Ressort Technik, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG