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Twaice/ TÜV Rheinland Spezialsoftware analysiert Batteriezustand gebrauchter E-Autos

| Autor: Edgar Schmidt

Eine fundierte Analyse von Akkus in gebrauchten E-Autos ist schwierig, wird aber immer wichtiger. Das Münchner Start-up Twaice und der TÜV Rheinland erproben nun ein Verfahren, mit dem sich dieses Problem lösen lässt.

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Twaice entwickelt digitale Batteriezwilinge für die Batteriediagnose von E-Autos.
Twaice entwickelt digitale Batteriezwilinge für die Batteriediagnose von E-Autos.
(Bild: KPAOU KONDODJI)

Der TÜV Rheinland und das Münchner Start-up Twaice wollen für mehr Klarheit sorgen, wie es um den Akku-Zustand eines Elektroautos steht. Die Partner reagieren damit auf ein zentrales Problem der Vermarktung gebrauchter E-Fahrzeuge: Ausgerechnet für das teuerste und wichtigste Teil des Wagens, die Batterie, gibt es bisher keine zuverlässige und unabhängige Bewertung und Diagnose. Es ist also schwierig abzuschätzen oder gar zu bewerten, wie stark der Energiespeicher bereits abgenutzt wurde – oder gar, wie lange er noch halten wird. Die Batterien haben derzeit einen Anteil von rund 30 bis 50 Prozent am Wert des Gesamtfahrzeugs.

Mit immer mehr Elektroautos auf dem Markt führt das zu einer hohen Unsicherheit im Gebrauchtfahrzeuggeschäft. Mit der Kooperation wollen die Partner zugleich einen Standard zur Zustandsbewertung der Akkus setzen und somit eines der größten Fragezeichen in Bezug auf gebrauchte Elektrofahrzeuge auflösen.

Individueller Batterieverschleiß

Das Problem bei der Bewertung eines Antriebsakkus ist, dass es bisher lediglich unzureichende und keine herstellerunabhängigen Informationen über Akkus gibt, die in einem Auto stecken. Denn die Batterien sind komplexe elektrochemische Systeme, deren Verschleiß von einer Vielzahl von Faktoren abhängt. So kann zum Beispiel häufiges Schnellladen einen Akku schädigen. Allein die Zahl der Schnellladevorgänge zu erfassen, reicht allerdings nicht aus, um den Zustand des Energiespeichers zu beurteilen. Vielmehr müssen dabei zum Beispiel auch die Temperaturen in den Zellen, die Fahrweise sowie die äußeren Bedingungen berücksichtigt werden. Jede Batterie wird auf ihre eigene, charakteristische Weise benutzt und verschleißt deshalb auch individuell. Generelle Aussagen auf Basis der Kilometer- und/oder der Zyklenzahl sind allein nicht ausreichend und auch nicht sinnvoll.

Der TÜV Rheinland und Twaice wollen die Batterien deshalb in einem Pilotprojekt mithilfe einer Software bewerten. Die nach Unternehmensangaben bereits in anderen Bereichen erprobte Software von Twaice erstellt einen digitalen Zwilling des Akkus und soll dadurch präzise Aussagen zum aktuellen Zustand und der Restlebensdauer zulassen.

Tests in Deutschland geplant

Die beiden Unternehmen wollen die patentierte Software noch in diesem Jahr in diversen Elektrofahrzeugen nutzen. Sie analysiert die Nutzung der Elektrofahrzeuge laufend mithilfe von analytischen Algorithmen und künstlicher Intelligenz. Der daraus entstehende digitale Zwilling ermöglicht dann die Prognosen zur Lebenserwartung jedes Akkus.

Laut Lennart Hinrichs, Commercial Direktor von Twaice, ist es auch möglich, gebrauchte Fahrzeuge mit dem System auszustatten und die Batterie im Rahmen von Probefahrten über die OBD-Schnittstelle zu analysieren. Einfacher ist es jedoch, wenn ein Hersteller Batteriezwillinge von Anfang an in seinen Fahrzeugen vorsieht.

Aufbauend auf der Diagnose ist nicht nur eine fundierte Aussage zur Batteriegesundheit möglich, sie kann auch dazu dienen, Gewährleistungsansprüche zu prüfen oder ein Batterielabel anzubieten, das die unabhängig geprüfte Qualität des Akkus garantiert. Zudem können Kfz-Betriebe mit dieser Technik künftig auch Fahrzeuggutachten erstellen und die Akkus nach einem Unfall auf Funktionsfähigkeit überprüfen.

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Über den Autor

 Edgar Schmidt

Edgar Schmidt

stellv. Chefredakteur »autoFACHMANN/autoKAUFMANN«