Führungswechsel im Kfz-Gewerbe VDA-Mann Scheel wird neuer ZDK-Hauptgeschäftsführer

| Aktualisiert am 09.05.2022Von Doris Pfaff

Dr. Kurt-Christian Scheel soll ab 2023 Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrfahrzeuggewerbe (ZDK) werden – als Nachfolger von Dr. Axel Koblitz. Scheel vertritt derzeit noch als Geschäftsführer die Interessen des Herstellerverbands VDA in Brüssel.

Dr. Kurt-Christian Scheel, derzeit noch beim VDA beschäftigt, soll neuer Hauptgeschäftsführer des ZDK und Nachfolger von Axel Koblitz werden.
Dr. Kurt-Christian Scheel, derzeit noch beim VDA beschäftigt, soll neuer Hauptgeschäftsführer des ZDK und Nachfolger von Axel Koblitz werden.
(Bild: (C) X21de)

Die Nachfolge des langjährigen ZDK-Hauptgeschäftsführers Axel Koblitz steht fest: Die zentrale Verbandsfunktion soll in einigen Monaten Kurt-Christian Scheel übernehmen. Er ist wie Koblitz promovierter Jurist, stammt aus dem Rheinland und lebt mit seiner Familie in Berlin. Koblitz selbst geht Ende des Jahres in den Ruhestand und hatte seit 2002 die Geschäftsstellen des Zentralverbands in Berlin und Bonn geführt.

Noch ist Scheel für den Verband der Automobilindustrie (VDA) tätig, seit 2018 als Geschäftsführer und seit Januar dieses Jahres als Leiter der neu eingerichteten VDA-Stabsstelle Europapolitik & Recht, die die europapolitischen und rechtlichen Themen im VDA von Brüssel aus koordinieren und dafür sorgen soll, dass der Industrieverband in Brüssel sichtbarer ist.

Davor hatte der designierte ZDK-Hauptgeschäftsführer (HGF) seit 1996 verschiedene Positionen beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) inne und gestaltete unter anderem die Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitspolitik sowie die Rechtspolitik mit. Dabei befasste er sich auch mit den politischen Rahmenbedingungen zur Mobilität.

Die Entscheidung des ZDK-Vorstands für den 54-Jährigen fiel nach Angaben des ZDK einstimmig. Ab 1. November soll Scheel seinen Dienst in Bonn und Berlin antreten und dann bis zum Jahresende von Koblitz in sein neues Amt eingearbeitet werden. Ab Januar 2023 übernimmt er dann offiziell die Hauptgeschäftsführung.

Am Mittwoch hat sich Scheel bei der Vorstandssitzung den Geschäftsführern des ZDK vorgestellt und ihre einstimmige Zustimmung zur Wahl erhalten. Der Entscheidung war ein monatelanges Bewerbungs- und Auswahlverfahren vorausgegangen, an der Teile des ZDK-Vorstands und das Präsidium beteiligten waren.

Bei dieser Sitzung hat auch Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk seinen Rücktritt angekündigt.

Wahl durch die Mitgliederversammlung in Hamburg

Das letzte Wort haben aber die ZDK-Mitglieder, die den neuen HGF auf ihrer Versammlung am 10. Juni in Hamburg wählen müssen. Allerdings gilt nach der Entscheidung und Empfehlung des ZDK-Präsidiums die Wahl Scheels als sehr wahrscheinlich.

ZDK-Präsident Jürgen Karpinski zeigte sich angesichts dieser Personalentscheidung erfreut und zuversichtlich: „Herr Dr. Scheel verbindet Verbandserfahrung und fundierte Kenntnisse der Automobilwirtschaft mit analytischem Denken. Er kennt die Herausforderungen für unsere Branche aus unterschiedlichen Perspektiven. Darüber hinaus beweist er großes Gespür für die Belange des mittelständisch geprägten Kfz-Gewerbes. Er ist der richtige neue Mann für den ZDK.“

Auf Scheel ruhen große Hoffnungen, denn die Herausforderungen an die Geschäftsführung im Zentralverband sind enorm. Dazu zählt neben den Anforderungen an die Branche durch neue Antriebstechnologien, geänderte Vertriebsstrukturen und neue Mobilitätsangebote auch die fortschreitende Digitalisierung. Hinzu kommt, dass viele für die Branche relevanten Entscheidungen und Rechtsgrundlagen in Brüssel getroffen werden und der Zentralverband dort stark gefordert ist, die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten.

Herausfordernd sind zudem die Aufgaben, die der neue Hauptgeschäftsführer mit Blick auf die Entscheidung des Vorstands zu meistern hat, zukünftig als Verband in Berlin präsenter zu sein. Der Vorstand hatte vor wenigen Wochen beschlossen, mit dem Kauf einer Immobilie im Zentrum von Berlin dafür die Basis zu schaffen.

Sitz des 1909 gegründeten ZDK ist weiterhin in Bonn, mittelfristig soll der aber nach Berlin verlegt werden. Das zumindest ist der vielfach öffentlich geäußerte Wunsch einiger Vorstandsmitglieder. Das Verbandsgebäude in Bonn gilt als sanierungsbedürftig und sollte eigentlich in diesem Jahr umgebaut werden. Vor dem Hintergrund des Vorstandsbeschlusses steht dieses Vorhaben nun auf dem Prüfstand. Die Pro-Berlin-Haltung einiger Vorstandsmitglieder ist innerhalb des Verbands nicht unumstritten; einige halten den Umzug für nicht erforderlich.

Neue Aufgaben zwischen Bonn und Berlin

Aber auch über den künftigen Verbandssitz hat nicht der Vorstand zu entscheiden, sondern grundsätzlich die Mitglieder, ebenso über die dazu nötige Satzungsänderung. Dass diese Themen bereits auf der kommenden Versammlung zur Entscheidung stehen, ist eher unwahrscheinlich.

Mit dem Umzug des Verbands, der laut ZDK-Präsident Jürgen Karpinski in einem Zeitraum von etwa zehn Jahren erfolgen soll, werden auch Hoffnungen des Ehrenamts auf eine Erneuerung der Verbandsarbeit geknüpft. Derzeit beschäftigt der Verband in sechs Abteilungen mit jeweils einem Geschäftsführer und der Geschäftsstelle in Berlin rund 60 Mitarbeiter.

Zukünftig soll nach Wunsch einiger Vorstandsmitglieder die Arbeit des Zentralverbands weniger abteilungs-, sondern mehr projektorientiert sein, um schneller auf Herausforderungen reagieren zu können.

Erste Schritte zur Neuaufstellung

Erste Schritte, sich neu aufzustellen, hat der Verband bereits selbst eingeleitet. Ab 1. Juni wechselt Stefan Meyer, Referent der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, von Bonn nach Berlin. Ihm zur Seite wird dort ein neuer Mitarbeiter für Veranstaltungsmanagement stehen. Geschäftsführer Ulrich Köster soll als Bindeglied zwischen Bonn und Berlin fungieren.

Dass der neue HGF selbst in Berlin wohnt, dürfte vor diesem Hintergrund kein Zufall sein. Scheel soll sein Büro sowohl in Bonn und Berlin haben, aber vorerst vorwiegend in Bonn tätig sein. Die Bundesstadt ist für Scheel nicht fremd, an der Friedrich-Wilhelms-Universität hat er unter anderem Jura studiert.

Räumlich dürfte es durch die regelmäßige Anwesenheit des HGF in der jetzigen ZDK-Geschäftsstelle in Berlin, im Haus des Deutschen Handwerks, eng werden. Die Suche nach einer neuen Immobilie läuft bereits auf Hochtouren.

Dem Zentralverband gehören 14 Landesverbände und 34 Markenverbände an. Er vertritt bundesweit die Interessen von rund 36.500 Kfz-Betrieben mit rund 435.000 Beschäftigten.

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