Forum Fahrzeugbau WLTP und RDE im Fokus

Autor / Redakteur: Thomas Nuber / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Seit September gilt für die Typzulassung von Fahrzeugen der Klassen N1, N2 und anderen das neue Testverfahren „Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure“ (WLTP). Zeitgleich werden die gesetzlichen Anforderungen an Fahrzeuge zur Einhaltung der Emissionen im realen Straßenbetrieb (Real Driving Emissions, RDE) verschärft.

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(Bild: Stefan Bausewein)

An der regen Diskussion während des Forum Fahrzeugbau nahmen Thomas B. Wagner von der Daimler AG, Claus Evels als Vizepräsident des ZKF und Geschäftsführer der Evels Karosserie- und Fahrzeugbau GmbH, Karsten Mathies von der TÜV Hessen GmbH, Thomas Görtler von AL-KO Vehicle Technology und Jost Hüttenhain von MAN teil. Im Gegensatz zu den Redebeiträgen bei Fachtreffen in den vergangenen Monaten, in denen eher Rat- und Fassungslosigkeit vorherrschte, hatte die Diskussion im Rahmen des ersten Forums Fahrzeugbau deutlich konstruktiven Charakter. Wagner formulierte das so: „Als vor Jahren die NEFZ neu war, haben wir im Lauf der Zeit gelernt, damit umzugehen. Jetzt haben wir den WLTP, den wir eines Tages auch ganz selbstverständlich anwenden werden.“

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Thema war unter anderem die Verwendung eines Dachspoilers, der sich zwar – positiv – kraftstoffreduzierend auswirkt, aber in der WLTP-Zulassung – negativ – lediglich in Form eines höheren Fahrzeuggewichts bemerkbar macht. Manchem Fahrzeugbauer ist das sogar lieber, weil er befürchtet, andernfalls die exakte Spriterspranis durch umfangreiche Windkanaltests nachweisen zu müssen. „In den Windkanal wollen wir nicht“, kontert Mathies. Und fordert alle Teilnehmer des Kongresses auf, einen gangbaren Zwischenweg zu finden.

Eine weitere Frage betraf den Informationsfluss zwischen OEM und Aufbauhersteller, denn diese beiden Parteien müssen künftig noch sehr viel enger als bisher zusammenarbeiten. Wagner, der sich bei Daimler um die WLTP-Einführung kümmert, berichtete von den regelmäßigen Veranstaltungen für die Aufbauhersteller, die der Konzern in den vergangenen Monaten durchgeführt hat. Er konnte dort erleben, dass die Fragen der Betroffenen von Mal zu Mal fallspezifischer und konkreter wurden.

Leitfäden und Richtlinien werden online zur Verfügung gestellt.

Positiv zu bewerten ist, dass die OEM bei diesem Thema an einem Strang ziehen und es nicht für Wettbewerbsvorteile nutzen. „Woher weiß ich, ob ich ein WLTP-homologiertes Basisfahrzeug habe“, möchte Evels wissen. Ausnahmsweise eine einfach zu beantwortende Frage in diesem Themenkomplex: Wenn „Euro 6D temp“ in den Fahrzeugpapieren steht, hat es eine WLTP-Zulassung. Und nochmal Evels: „Ford gibt eine begrenzte Stirnfläche an, damit das Fahrzeug auch mit Aufbau in einer so genannten Interpolationsfamilie bleibt, also einer Fahrzeugfamilie mit gleicher WLTP-Homologation. Doch diese Fläche ist mit 6,4 m² kleiner als die maximal mögliche. Wie handhabt ihr das bei Daimler und MAN?“

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