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Automatisiertes Fahren Aachener Start-up „DroidDrive“ entwickelt Lieferzug

| Autor: Svenja Gelowicz

Nach Streetscooter und E.Go Mobile kündigt sich der nächste Fahrzeugbauer aus Aachen an: „DroidDrive“ will mit seinem selbstfahrenden Ducktrain den innerstädtischen Transport besser machen.

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Der Zusteller selbst steuert die Helfer mit einem mobilen Device.
Der Zusteller selbst steuert die Helfer mit einem mobilen Device.
(Bild: DroidDrive GmbH)

Das Fahrzeugkonzept heißt „Ducktrain“, also „Entenzug“, stammt aus Aachen und hat seine Wurzeln in der Universität RWTH. Grund genug, um aufmerksam zu werden: Aus der Stadt unweit der belgischen Grenze stammen die Unternehmen Streetscooter und E.Go Mobile, beide angetreten, um ein Ausrufezeichen für Elektromobilität made in Germany zu setzen – wenn auch mehr oder minder erfolgreich.

Wir haben von Streetscooter und E.Go Mobile viel gelernt

Nun reiht sich das Unternehmen Droid Drive mit seinem Ducktrain in die Liste der Neugründungen ein. Das Team, das auch der Streetscooter-Mitgründer Achim Kampker unterstützt, will von den Erfahrungen profitieren. „Wir haben von beiden Unternehmen viel gelernt“, sagt Kai Kreisköther. Er ist Chef von Droid Drive und hat bei E.Go Mobile und Streetscooter mitgearbeitet.

Kai Kreisköther ist Chef von DroidDrive.
Kai Kreisköther ist Chef von DroidDrive.
(Bild: DroidDrive)

Und auch diesmal geht es um Warentransport: Der Ducktrain ist ein Gespann von bis zu fünf automatisierten Wägelchen, die einem Führungsfahrzeug folgen. Diese Elektrofahrzeuge, Ducks genannt und einen Meter breit, fahren 25 bis 30 km/h und fassen eine Europalette. Damit könnten sie auf Straßen, Radwegen und sogar, wenn genug Platz ist, auf Gehwegen unterwegs sein. Sie passen zwischen Poller hindurch und schleppen mehr als 300 Kilogramm Last. Die „Enten“ sollen die Zusteller unterstützen, indem sie ihnen automatisiert folgen – ob im Gehtempo oder einem Zustellfahrrad folgend.

Ducktrain: Cargobikes ergänzen

Gedanken um umweltfreundlichere Zustellmöglichkeiten machen sich längst auch die Paketdienstleister ebenso wie einige andere Unternehmen. Dafür nutzen sie unter anderem Cargobikes. Die Lastenfahrräder sind bereits vielerorts unterwegs und pendeln um sogenannte Mikrohubs, also kleine zentrale Zwischenlager für die Waren. „Wir sehen uns ergänzend zu Cargobikes in einer Familie“, sagt Kreisköther.

Allerdings will sein Unternehmen die Ducks nicht zwingend in zentralen Mikrodepots beladen, sondern auch die klassischen Verteilzentren in den Speckgürteln nutzen. „Die Erfahrung der letzten zwei Jahre hat gezeigt, dass solche Innenstadtlager häufig schwer umzusetzen sind“, so Kreisköther. Platz in Großstädten ist rar und teuer.

Die Ducks schleppen für die Zusteller

Ein fünfgliedriger Ducktrain fahre hingegen mit zehn Kubikmetern Ladevolumen in ein Stadtgebiet, was einem konventionellen Zustelllaster entspreche. Die Ducks verteilen sich dann auf die Zusteller. Sie arbeiten die Ladungen in ein- bis zweieinhalb Stunden ab und erhalten direkt die nächste „Ente“ mit Paketen. Blockiert so ein Entenzug nicht zumindest die Zubringerstraßen, wenn er mit knapp 30 km/h in die Städte zuckelt? Nein, sagt Kreisköther, das sei schon mehr als die Durchschnittsgeschwindigkeit auf solchen Strecken. Und man könne die schmalen Fahrzeuge einfach überholen. Die Ducks können nicht nur dem Zusteller Lasten abnehmen. Sie könnten auch als mobile oder stationäre Paketstation dienen. Mobil heißt: Ein Fahrzeug wartet vor der Haustür des Empfängers. Der hat dann ein kurzes Zeitfenster, um sein Paket aus einer Box zu holen, bevor der Duck weiter rollt.

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Automatisierte Ducks: Noch fehlt die Genehmigung

Droid Drive peilt die Mitte des Jahrzehnts an, um den Ducktrain im Serieneinsatz auf die Straße zu bringen. Aktuell fährt das zehnköpfige Team rund um Kai Kreisköther erste Tests auf einem Aachener Industriegelände mit selbstgebauten Prototypen. Im Mai sollen dann die typischen Elchtests stattfinden. Eine Sonderzulassung soll danach ermöglichen, in Aachen gemeinsam mit einem städtischen Logistikunternehmen und einem Zeitungsverlag erste Versuchsfahrten auf öffentlichen Straßen zu unternehmen.

„Wir arbeiten aktuell mit dem Bundesverkehrsministerium, mehreren Landesverkehrsministerien sowie dem TÜV an der Genehmigung für unser Fahrzeug“, erzählt der Geschäftsführer. Das Unternehmen will die Ducktrains nicht verkaufen, sondern vermieten. „Wir kümmern uns darum, dass sie stets verfügbar und auf dem neuesten technologischen Stand sind“, so Kreisköther.

Follow me: Virtuelle Deichsel koppelt die Ducks

Damit die Ducks im Entenmarsch unterwegs sein können, hat Droid Drive eine „Follow-me“-Funktion entwickelt. Eine virtuelle Deichsel koppelt die Fahrzeuge untereinander und mit dem Führungsfahrzeug. Dabei ermöglicht eine Sensorkombination aus Lidar, Radar und Kamera plus einer Funkverbindung das automatisierte Fahren sowie die Kommunikation zwischen den Ducks – und zwischen Ducks und Führungsobjekt,also Zusteller oder Fahrzeug. Der Zusteller selbst steuert die Helfer mit einem mobilen Device.

Unterstützung aus Aachen

Künftig will sich das Unternehmen vor allem auf die Software und das Technologie-Stack konzentrieren, also auf die Kombination der Sensorik. Im Bereich Fahrzeughardware arbeitet es mit Industriepartnern zusammen. Die kommen aus dem Bereich Automotive und Zweiräder. Kernstück der hauseigenen Entwicklung ist nach eigenen Angaben die Intelligenz für urbane Robotik, für die Verhaltenssteuerung im Anwendungsfall. Damit differenziere man sich auch zu den Zulieferern, die Adas-Technik entwickeln.

Dabei hilft die Nähe zur RWTH. Kreisköther hat dort selbst lange gearbeitet und geforscht, seine Doktorväter sind niemand geringere als E-Auto-Pionier Günther Schuh und der eingangs erwähnte Achim Kampker. Das Team kooperiert mit der Universität beispielsweise bei der technischen Entwicklung. Kampkers Netzwerk hilft dabei wohl wesentlich. Geld gibt es unter anderem vom Bundesverkehrsministerium und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Bleibt also zu hoffen, dass dieses Projekt aus Aachen das Straßenbild langfristig verändern kann.

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Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin