Schadenrecht Aktueller Stand bei der Totalschadenabrechnung

Von Fachanwalt für Verkehrsrecht, Matthias Nickel, Mayen

Seit Kurzem gibt es beim Totalschaden auch Diskussionen über die Höhe des Wiederbeschaffungswerts. Zudem macht es der angespannte Gebrauchtwagenmarkt für die Geschädigten schwierig, ein gleichwertiges Ersatzfahrzeug zu beschaffen – Sachverständige müssen sorgfältig recherchieren.

(Bild: Wenz )

Die Abrechnung von Totalschäden ist oft unproblematisch: Der Sachverständige ermittelt den Wiederbeschaffungswert und den Restwert. Der Versicherer versucht, nach Erhalt des Gutachtens einen Restwerteaufkäufer nachzuweisen, der mehr für das geschädigte Fahrzeug bietet, damit der vom ihm zu regulierende Wiederbeschaffungsaufwand möglichst gering ist. Der Geschädigte verstößt nicht gegen die ihm obliegende Schadenminderungspflicht, wenn er im Vertrauen auf die Richtigkeit des Gutachtens das Fahrzeug zu dem im Gutachten angegebenen Restwert veräußert. Dies wissen alle. Die Tücken stecken im Detail.

Entscheidend ist, dass der Geschädigte sich auch beim Totalschaden auf das Prognoserisiko berufen kann, wenn sich die Feststellungen des Sachverständigen im Nachhinein als unzutreffend erweisen. Darauf kann jedoch nicht vorbehaltslos vertraut werden. Beim Restwert ist seit Langem anerkannt, dass der Geschädigte sich nur dann auf das Gutachten verlassen darf, wenn aus diesem hervorgeht, dass der Sachverständige eine konkrete Wertermittlung durchgeführt hat. Dies ist spätestens seit der Entscheidung des BGH vom 13.10.2009 (Aktenzeichen VI ZR 318/08) ständige Rechtsprechung.