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Daimler Trucks Alternative Antriebstechnik bald serienreif

Redakteur: Andreas Grimm

Im Pkw-Geschäft von Mercedes führt die Brennstoffzelle als Antriebstechnik ein Schattendasein. Die Nutzfahrzeugsparte ist deutlich aufgeschlossener – reiner Wasserdampf aus dicken Actros-Rohren ist ein sehr wahrscheinliches Szenario. Noch schneller geht es mit der Batterietechnik.

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Die Zukunft ist bei Daimler Trucks inzwischen blau, sprich ein Wasserstoff-Thema. Künftig meistern die Baureihen Actros und Arocs die Langstrecke per Brennstoffzelle.
Die Zukunft ist bei Daimler Trucks inzwischen blau, sprich ein Wasserstoff-Thema. Künftig meistern die Baureihen Actros und Arocs die Langstrecke per Brennstoffzelle.
(Bild: Daimler)

Daimler Trucks investiert in die emissionsfreie Zukunft des Frachtverkehrs. Der Marktführer im Lkw-Geschäft hat einen Transformationsprozess in der Antriebstechnik angestoßen. In den Forschungszentren stehen bereits Lkw-Exponate mit Brennstoffzellen-Antrieb und batterieelektrische Trucks. Ergänzt wird die Weiterentwicklung durch eine verbesserte Sicherheitstechnik – Stichwort Abbiege-Assistent – und effizienzsteigernde Dienstleistungen.

Der richtige Ort, sich über die Neuerungen zu informieren, wäre ein Besuch am Daimler-Stand während der IAA Nutzfahrzeuge gewesen. Weil die aber abgesagt wurde, informiert der Konzern auf anderen Wegen über den Transformationsprozess, den sich Daimler Trucks für seine Produkte verordnet hat.

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Unter anderem ist zu erfahren, dass schon 2021 der erste batterieelektrische Mercedes-Lkw im Hauptwerk Wörth vom Band laufen soll – erst der schwere E-Actros für den Verteilerverkehr, ein Jahr später der E-Econic speziell für den Kommunaleinsatz. Etwas länger wird es dauern, bis elektrische Mercedes-Lkw im Fernverkehr fahren. Doch auch zu diesem Ziel gibt es relativ konkrete Informationen: Die Daimler-Techniker haben ihren Wasserstoff-Lkw schon mal ein Stück weit vorgeführt. Dessen elektrischer Antrieb soll von Brennstoffzellen (BZ) gefüttert werden, in diesem Punkt arbeitet Daimler mit dem Wettbewerber Volvo zusammen.

Das BZ-System liefert 2 x 150 Kilowatt, eine relativ kleine Hochvoltbatterie puffert mit 70 Kilowattstunden Kapazität. Der elektrische Antrieb, eine eigene Elektroachse mit 2 x 330 Kilowatt Leistung, treibt auch den E-Actros an. Mercedes-Benz verweist hier auf die eigene intensive Erfahrung mit Brennstoffzellen-Antrieben, in den vergangenen beiden Jahrzehnten haben Citaro-Stadtbusse mit BZ-Antrieben in ganz Europa Millionen Kilometer im Praxiseinsatz abgespult. Mit 80 Kilogramm tiefkaltem flüssigem Wasserstoff soll ein 40-Tonner bis zu 1.000 Kilometer weit kommen. Der Hersteller spricht von einer mit Diesel-Fahrzeugen vergleichbaren Effizienz, mit 25 Tonnen Nutzlast, erreichbaren 120.000 Kilometern jährlich und einer Lebensdauer von zehn Jahren und 1,2 Millionen Kilometern.

Geht es um Produkt-Neuheiten, bleibt es nicht nur bei technologischen News. Actros F heißt das neue Flottenmodell, ein Standard-Truck mit 450 PS und eher klassischen Tugenden. Er bietet eine vernünftige Ausstattung zu günstigem Preis und speziell mit dem Complete-Mile-Servicevertrag eine gehörige Portion Planungssicherheit. Gezahlt wird, was gefahren wird, die monatlichen Raten richten sich nach den tatsächlich gefahrenen Kilometern. Complete Mile wird ab März 2021 angeboten, übrigens auch für weitere Actros-, Arocs- und Atego-Modelle.

Sondermodell für verdiente Trucker

Wer gern opulent chauffiert, wird beim Marktführer gerne bedient. Neu ist der Schwerlaster Actros Edition 2, der auf besonders verdientes Fahrpersonal oder Owner-Driver zielt. Er verwöhnt mit einer attraktiven Ausstattung, die bei feinen Ledersitzen beginnt und bei der Ambiente-Innenbeleuchtung noch nicht endet. Von der Seite gesehen fallen die Edelstahl-Einstiegsstufen auf, selbst die Hinterachstöpfe sind in Edelstahl ausgeführt. Die Interessenten müssen sich freilich rasch entscheiden, der Hersteller limitiert die Edition 2 auf nur 400 Exemplare.

Sehr konkret sind inzwischen die Informationen zu den Daimler-Sicherheitssystemen, die ab Juni 2021 zu haben sind. Der deutlich verbesserte Abbiege-Assistent ASGA oder Active Sideguard Assist für die schweren Actros- und Arocs-Fahrzeuge warnt die Fahrer beim Rechtsabbiegen nicht nur, wenn eine Kollisionsgefahr mit Radfahrern oder Passanten droht. Errechnet der Bordrechner dennoch eine Gefährdung, bremst der Lkw automatisch bis zum Stillstand – Daimler Trucks ist weltweit der erste Hersteller, der über ein solches System verfügt.

Auch der Notbremsassistent (ABA = Active Brake Assist) wird weiter verbessert. Er arbeitet in Generation fünf mit einer Kombination aus Radar- und Kamerasystem. Erkennt ABA 5 die Gefahr eines Unfalls mit einem fahrenden oder stehenden Hindernis oder einer querenden oder vor Schreck stehenden Person, warnt das System, bremst teilweise und zuletzt konsequent mit automatisierter Vollbremsung. Mit diesen Systemen hebt Mercedes-Benz das Sicherheitsniveau seiner jüngsten Lkw-Generation (Acros und Arocs) signifikant an.

Aufrüstung der Baufahrzeuge

Auch an die Arocs-Baufahrzeuge haben die Mercedes-Techniker Hand angelegt. Sie profitieren von der erweiterten Tempomat- und Getriebesteuerung der Fernverkehrs-Lkw. Arocs-Lkw können jetzt auch mit Mirror-Cams statt Außenspiegeln konfektioniert werden, auch der neue Abbiegeassistent ASGA und der Notbremsassistent ABA 5 sind ab 2021 verfügbar. Der Uptime-Dienst prüft fortwährend Zustandsmeldungen der Fahrzeugsysteme, die mit Sensoren ausgestattet sind.

Deutet sich ein Reparatur- oder Wartungsbedarf an, meldet sich der Lkw automatisch beim Mercedes-Service. Droht ein Ausfall, kontaktiert dieser den Kunden und organisiert vorsorglich einen Werkstattstopp. Für Kunden bedeutet die verbesserte Planbarkeit der Werkstattaufenthalte eine erhöhte Fahrzeugverfügbarkeit.

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