Haftpflichtschaden Begleichung bei Abtretung durch Kunden

Autor / Redakteur: Matthias Nickel / Birgit Rüdel

Abtretung durch den Kunden und Abrechnung bei der Versicherung durch den Betrieb – lange Zeit verlief so die Regulierung des Haftpflichtfalls. Alle waren zufrieden. Doch seit Versicherer massiv Rechnungen kürzen, ist es an der Zeit, neue Wege zu gehen.

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Matthias Nickel ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht (www.rae-mayen.de).
Matthias Nickel ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht (www.rae-mayen.de).
(Bild: Privat)

Kommt ein Kunde mit einem Haftpflichtschaden in die Werkstatt, so übernimmt der Betrieb in der Regel die Abwicklung. Er lässt sich eine RKÜ unterschreiben und rechnet dann unmittelbar mit dem Versicherer ab. Diese Vorgehensweise ist Service am Kunden, der sich um nichts zu kümmern braucht, und liegt auch im Interesse der Werkstatt, weil so sichergestellt ist, dass die Reparaturkosten unmittelbar an den Betrieb fließen und nicht an den Geschädigten, der sich dann sowohl eines reparierten Fahrzeugs als auch eines unerwarteten Geldsegens erfreut.

Es gibt also gute Gründe, dass die Werkstatt bei Haftpflichtfällen aus abgetretenem Recht unmittelbar gegenüber der Versicherung abrechnet. Gleichwohl sollte darüber nachgedacht werden, ob diese Vorgehensweise ratsam ist. Es kommt immer öfter vor, dass in Haftpflichtfällen bei konkreter Abrechnung die Rechnungen gekürzt werden. Die Praxis zeigt, dass Versicherer vor allen Dingen dann kürzen, wenn nicht der Geschädigte seine Ansprüche selbst einfordert, sondern der Reparaturbetrieb aus abgetretenem Recht. Dieses Phänomen findet dann seine Fortsetzung, wenn der streitige Restbetrag durch einen Rechtsanwalt weiterverfolgt wird.

Nach einem Aufruf im vergangenen Jahr haben zahlreiche Mitgliedsbetriebe den Autor beauftragt, bei gekürzten Rechnungen die Ansprüche weiterzuverfolgen.

Aus dieser Tätigkeit ergibt sich ein eindeutiges Bild: Werden die Ansprüche aus abgetretenem Recht für den Reparaturbetrieb geltend gemacht, so erfolgt in den wenigsten Fällen eine Zahlung. Die Erfolgsquote liegt hier deutlich unter 10 Prozent. Gelingt es jedoch der Werkstatt, den Kunden mit „ins Boot“ zu holen und beauftragt der Kunde den Rechtsanwalt mit der Beitreibung des Restbetrages, so erfolgt in 95 Prozent aller Fälle die vollständige Regulierung.

Das Bild ist eindeutig: Die Praxis, wonach der Kunde außen vor bleibt und die Abwicklung durch den Reparaturbetrieb erfolgt, hat oft Nachteile. Daher sollten alle Betriebe darüber nachdenken, ob sie in Zukunft nicht anders verfahren wollen.

Keine Diskussionen über die Rechnungshöhe

Rechtlich betrachtet gibt es keinen Grund, den Geschädigten außen vor zu lassen. Ganz im Gegenteil: Das gesamte Schadenersatzrecht ist auf die Person des Geschädigten zugeschnitten. Für die Frage, in welcher Höhe Reparaturkosten zu ersetzen sind, wird nur auf den Wissenshorizont des Geschädigten abgestellt. Der BGH betont daher immer wieder, dass der zu ersetzende Geldbetrag die Aufwendungen repräsentiert, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten für zweckmäßig und notwendig halten durfte. Dieses Statement macht deutlich, dass sich Diskussionen über die Rechnungshöhe in den allermeisten Fällen von vornherein verbieten.

Der gute Rat kommt vom Rechtsanwalt

Inzwischen empfehlen schon viele Betriebe dem Geschädigten, einen Rechtsanwalt zu konsultieren. Dieser erhält von dem Geschädigten eine Zahlungsanweisung, sodass die Reparaturkosten unmittelbar an die Werkstatt weitergeleitet werden. Damit wird einerseits das Forderungsausfallrisiko minimiert, andererseits kann ein Rechtsanwalt auch frühzeitig auf möglicherweise auftretende Probleme hinweisen.

Die Anwaltskosten müssen stets von dem Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers getragen werden. Der Geschädigte ist nach Auffassung des BGH der „Herr des Restitutionsgeschehens“ – und den sollte man nicht außen vor lassen.

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