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Recht Die kleinen Schadenpositionen

| Autor / Redakteur: Joachim Otting / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Kleinvieh macht auch Mist, und so berechnen viele Werkstätten auch die kleinen Schadenpositionen. Umgekehrt streichen viele Versicherer diese Positionen aus dem Schadenersatzanspruch des Geschädigte – und so gibt es immer wieder neue Urteile dazu.

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Rechtsanwalt Joachim Otting informiert Sie über die aktuelle Rechtsprechung.
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(Bild: VBM Archiv)

Es gibt unfallbedingte Arbeiten, die nach ihrem Abschluss eine Probefahrt erfordern. Die Frage der Windgeräusche nach dem Austausch von Türen oder anderer großflächiger Karosserieteile ist so ein Anlass, aber auch Arbeiten an Fahrwerksteilen. Eine Probefahrt ist ein nennenswerter Aufwand, und so spricht nichts dagegen, den Aufwand dafür zu berechnen.

Probefahrten

Beim AG Tettnang klingt das im Urteil vom 14.2.2017 – 1 C 396/16 so:

„Nachdem der von der Klägerin zugezogene Sachverständige die Durchführung einer Probefahrt mit den hierfür geltend gemachten Kosten zur Schadenbeseitigung für erforderlich hielt, bestanden für die Klägerin als Laien jedenfalls in dem hier zu entscheidenden Einzelfall keinerlei zwingende Anhaltspunkte dafür, dass die mit dem Gutachten korrespondierende Position der Kosten einer Probefahrt nicht zur ordnungsgemäßen Schadenbeseitigung erforderlich gewesen wäre. Der im Gutachten und in der Rechnung abgerechnete Zeitaufwand für die Probefahrt von 0,3 AW = 20 Minuten erscheint auch durchaus angemessen und dem vorgesehenen Reparaturumfang adäquat, § 287 Abs. 2 Satz 1 ZPO.“

Geräuschfahrten

Das AG Frankfurt sagt mit Urteil vom 1.2.2017 – 31 c 277/16 (17):

„Eine Geräuschfahrt dient der Überprüfung der vorgenommenen Reparaturleistung auf deren sach- und fachgerechte Vornahme. Es ist weder dem Geschädigten noch der von ihm beauftragten Werkstatt gedient, wenn die Werkstatt sich an der Reparatur eines Kraftfahrzeugs versucht, ihre Reparaturleistung aber nur unzureichend erbringt und dies nicht feststellt, weil sie ihre Leistung vor Übergabe nicht prüft. Der Geschädigte müsste dann erneut vorstellig werden und Abhilfe verlangen. Da eine Geräuschfahrt aber besonderen Aufwand bedingt, schließlich erfordert eine sorgfältige Prüfung die Erprobung im Straßenverkehr von gewisser Dauer, idealerweise bei verschiedenen Geschwindigkeiten, stellt dies eine eigenständige Arbeitsleistung dar. Es handelt sich nicht um eine beiläufig erbringbare bloße Serviceleistung, sondern um die Erfüllung der Werkunternehmerpflicht zur Herstellung eines mängelfreien Werkes.“

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