Suchen

Allianz Elektroautos haben noch Aufholbedarf

| Redakteur: Dr. Holger Schweitzer

Elektroautos sind zwar seltener in Unfälle verwickelt, dafür ist die Reparatur aber teurer als bei Autos mit Verbrennungsmotor. Dennoch sind künftig keine deutlichen Unterschiede bei den Versicherungsprämien zu erwarten, erklärten die Versicherungsexperten auf dem 5. Allianz Autotag.

Firmen zum Thema

Elektroautos müssen für Reparaturen beim Schadensfall noch verbessert werden erklärt Dr. Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer des Allianz Zentrums für Technik.
Elektroautos müssen für Reparaturen beim Schadensfall noch verbessert werden erklärt Dr. Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer des Allianz Zentrums für Technik.
(Bild: Schweitzer)

Nach Untersuchungen der Allianz sind Elektroautos im Moment ungefähr 25 Prozent seltener in Unfälle verwickelt als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Allerdings stehen dieser Beobachtung höhere Reparaturkosten von ebenso etwa 25 Prozent gegenüber. Dieses Ergebnis präsentierte die Allianz am 19. September auf Ihrem 5. Autotag in Ismaning bei München.

Während die Gründe für die niedrigen Unfallzahlen bei Elektroautos noch unklar sind, sehen die Experten der Allianz die Gründe für die höheren Reparaturkosten vor allem in der Konstruktion der Fahrzeuge. Dr. Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer des Allianz Zentrums für Technik (AZT), erklärt: „Hier gibt es noch viel Potenzial. Gerade die Batterie sollte so verbaut sein, dass sie nicht schon bei kleinen Unfällen aufwendig ausgetauscht werden muss. Bei den Kosten schlagen zurzeit auch noch zusätzliche Transportkosten zu Buche, da nicht jede Werkstatt für die Reparatur eines E-Fahrzeugs optimal ausgerüstet ist.“ Die Ergebnisse der im AZT durchgeführten Tests zur Verbesserung an Karosserie und Technik würden an die Hersteller übermittelt und sollen möglichst in künftigen Entwicklungen berücksichtigt werden. So könne man in Zukunft von sich in etwa gleichenden Reparaturkosten bei Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor ausgehen. Ebenso werde der Faktor Transportkosten mit der steigenden Anzahl von qualifizierten Werkstätten zunehmend sinken.

Weiteres Potential zur Verbesserung der Schadenkosten sieht die Allianz bei der Beurteilung des Restwertes von Batterien im Schadensfall. Joachim Müller, Allianz Vorstandvorsitzender, erklärt: „Hier sind wir als Versicherer, aber auch die Sachverständigen und Autobesitzer auf transparente Informationen von den Autoherstellern angewiesen.“

Die Allianz fordert deshalb, dass es in Zukunft möglich sein muss, anhand von Fahrzeug- und Nutzungsdaten den Zustand der Batterie zu bestimmen. Nur so könne das gesamte Fahrzeug beurteilt und der Wert ermittelt werden, so Joachim Müller. Dies sei nicht nur im Hinblick auf Wiederherstellungskosten im Schadensfall erforderlich, sondern auch für Käufer von gebrauchten Elektroautos von großer Bedeutung. Umso deutlicher wird der Stellenwert der Batterie wenn man die momentanen Neupreise betrachtet, die bei circa 10.000 Euro pro Batterie liegen und damit einen nicht unerheblichen Teil des Gesamtwertes der Fahrzeuge ausmachen.

Im Hinblick auf die Kosten für Elektroauto Kfz-Versicherungspolicen sieht Joachim Müller keine wesentlichen Unterschiede zu den herkömmlichen Policen für Autos mit Verbrennungsmotoren. Auch wenn die Allianz zusätzliche Risiken der Elektromobilität identifiziert hat, wie zum Beispiel Ladekabel, Software, Elektronik und Batterien, so würde sich dies durch den Wegfall risikobehafteter Elemente des Verbrennungsmotoren ausgleichen. Untersuchungen hätten zudem gezeigt, dass die Batterien keine Auffälligkeiten im Hinblick auf erhöhtes Brandrisiko zeigten. Zu den genauen Kosten einer Elektroauto-Versicherung wollte Joachim Müller zwar keine Aussage treffen, diese sei wie bei allen Versicherungen stark individuell abhängig, aber die Allianz werde ab dem 6. Oktober mit einem Preisnachlass von 20 Prozent auf Policen für Elektro- und Hybridfahrzeuge die Einführung der Elektromobilität unterstützen.

Doch nochmals zurück zu den Unfallzahlen. Auch hier erwartet die Allianz in etwa gleiche Zahlen für die Zukunft. „Mit mehr Elektrofahrzeugen im Straßenverkehr wird auch die Zahl der Unfälle steigen“, sagt Christoph Lauterwasser. Dass die zunehmende Automatisierung des Fahrens sich zwar positiv auf die Unfallzahlen auswirken wird sieht die Allianz als wahrscheinlich, einen Rückgang der Unfallzahlen durch bisherige Fahrassistenzsysteme könne sie bisher aber nicht feststellen. Die Münchner führen dies darauf zurück, dass sich Fahrer mit Assistenzsystemen oft zu sehr auf die neuen Technologien verlassen und dadurch nachlässig würden. Grundsätzlich sieht die Allianz im Moment durch die kontinuierliche Verbesserung der Technologien in der Elektromobilität auf die Versicherungsnehmer keine höheren Kosten zukommen.

(ID:44899954)