Durchstarten 2021 Gute Kunden sind zu bevorzugen

Einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter der HoB Repair Group mit über 100 Mitarbeitern an sechs Standorten in Hessen, Reinhard Beyer, empfiehlt, die Kunden zu analysieren. Gute Kunden könnten beispielsweise schneller einen Termin bekommen, als solche, die immer nur die Rechnungen drücken. Der BVdP-Vorsitzende zeigt Wege, wie das funktioniert.

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Reinhard Beyer ist K&L-Unternehmer und Vorstandsvorsitzender des BVdP.
Reinhard Beyer ist K&L-Unternehmer und Vorstandsvorsitzender des BVdP.
(Foto: Wenz)

Redaktion: Wie steht es um die aktuelle Stimmungslage in Ihrem Unternehmen?

Reinhard Beyer: Nun, die Stimmung ist gespalten. Auf der einen Seite sind unsere Mitarbeiter froh, dass wir bis jetzt alle Arbeitsplätze erhalten konnten und darüber hinaus die Perspektive so ist, dass wir dies auch in Zukunft schaffen werden. Aber die Corona-Pandemie ist allgegenwärtig. Immer mehr Menschen kommen in direkte Berührung damit. Deshalb geht bei ziemlich jedem die Sorge um: Wie kann ich mich schützen? Was tut mein Arbeitgeber, um mich zu schützen? Und wie verhalte ich mich in meinem Privatleben, um den Arbeitsplatz nicht zu gefährden?

Gibt es Antworten auf diese Fragen – wie hat sich Ihr Betrieb auf das Jahr 2021 vorbereitet?

Die eigentliche Vorbereitung auf 2021 wurde komplett durch den zweiten Lockdown über den Haufen geworfen. Also musste ein neuer Plan her, beispielsweise bezüglich der Urlaubsregelung der Mitarbeiter, die in Risikoregionen beheimatet sind und auch mal wieder nach Hause wollen. Hier war die Frage zu beantworten, wie viel Urlaub muss auch für eventuelle Quarantänefälle vorgehalten werden? Zudem klären wir unsere Kunden noch mehr über die Maßnahmen auf, die wir aufgrund der Pandemie an ihrem Fahrzeug treffen.

Und wir setzen bei unserer Arbeit mehr und mehr auf „kontaktlos“. Unsere Planungen gehen bis hin zu einem Selfserviceterminal.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie für Ihr Unternehmen durch die Corona-Pandemie?

Die Hauptaufgabe sahen wir in der Beantwortung der Fragen: Wie kommen wir da durch? Und wie schaffen wir es, so viele Aufträge vorzuhalten, dass wir unsere über 100 Mitarbeiter beschäftigen können? Das waren die primären Herausforderungen im März 2020. Im Laufe des Jahres variierten die Herausforderungen, denn zu Beginn der Pandemie waren wir nicht auf so eine lange Zeit eingestellt. Die nächste Herausforderung war dann, unser beratungsintensives Geschäft weitestgehend kontaktlos zu gestalten. Entsprechende Konzepte mussten entwickelt und umgesetzt werden.

Gibt es auch positive Aspekte der Pandemie?

Unser Geschäft hat eine grundlegende Änderung erfahren, und das Ganze hat uns neu geerdet. Darüber hinaus hat uns die Pandemie auch gezeigt, welche Kunden im Bereich der Versicherungen und Schadensteuerer pro Werkstatt eingestellt sind und welche eben nicht. Das hat uns sehr deutlich vor Augen geführt, wer tatsächlich ein guter Kunde ist.

Glauben Sie, dass wir zu einem „Normalzustand“ wie vor der Pandemie zurückkehren werden – wo sehen Sie die Veränderungen?

Nein, das glaube ich nicht. Ich will nicht schwarz malen, aber es wird nicht mehr so sein wie davor. Es wird sich jetzt deutlich schneller herausstellen als vormals gedacht, wer mit der Zeit geht und wer eben mit der Zeit gehen muss!

Was haben Sie, Ihr Unternehmen, aus der Krise gelernt – fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Wir haben gelernt, dass es gut war, immer vorausschauend zu arbeiten, immer auf dem Stand der Technik zu sein. Darüber hinaus war es richtig, viele Pferde vor unserem großen Wagen zu haben und nicht nur auf ein Pferd zu setzen, beispielsweise die Schadensteuerrung. Zudem haben wir stark auf unsere Digitalisierung geschaut – das bedeutet für uns einen Wettbewerbsvorteil. Denn bis unsere Wettbewerber soweit sind, hat sich die Welt schon wieder weitergedreht. Ja, wir haben uns für die Zukunft gut aufgestellt. Aber das ist kein Selbstläufer und auch keine Selbstverständlichkeit, dafür muss man jeden Tag hart arbeiten – viel Zeit, Energie und Geld investieren.

Wie sehen Sie die personelle Entwicklung in der Branche und für Ihr Unternehmen? Wird der Fachkräftemangel auch künftig ein großes Thema sein?

Der wird immer ein Thema bleiben, denn die Ausbildungsqualität ist sehr gering in unserer Branche, und es fehlt die Masse an nötigem Nachwuchs. Wir haben es noch immer nicht geschafft, dass unsere Ausbildungsberufe als interessant und vielfältig bei jungen Menschen ankommen. Deshalb wird uns der qualifizierte Nachwuchs auch künftig fehlen. Die Bereitschaft, wenn jemand den Beruf gelernt hat, ihn auch über 10, 20 oder gar 30 Jahre auszuüben, tendiert gegen null. Dadurch wird uns auf Dauer auch die Berufserfahrung fehlen. Die wenigen, die uns dauerhaft erhalten bleiben, sind sehr begehrt und verlieren dadurch hin und wieder die Bodenhaftung. Das wird weiterhin ein aktuelles Thema bleiben. Vor allem wenn dann auch noch Lackhersteller, Versicherer und Dienstleister diese Leute aus den Betrieben weglocken, um sie für ihre Zwecke einzusetzen. Wir müssen die Mitarbeiter in unseren Betrieben in Zukunft noch bezahlen können.

Welche Tipps beziehungsweise Ratschläge können Sie an ihre Kollegen weitergeben?

Da antworte ich mit einigen Appellen: Bleibt weiter stark und gesund! Lasst euch auch in Krisenzeiten nicht vor jeden Karren spannen! Unterschreibt nicht alles, ohne es richtig zu lesen! Haltet mehr zusammen und denkt nicht nur an euch, denkt auch an die Zukunft der ganzen Branche! Manches, was ein paar einzelne anstoßen, gefährdet oft die ganze Branche. Darüber hinaus: Bildet aus und zeigt den jungen Leuten, wie geil die Berufe unseres Handwerks sind! Bietet den Autofahrern stets die richtige Alternative und stärkt so das Vertrauen in unsere Karosserie- und Lackierfachbetriebe! Zeigt den Autofahrern, wer ihr Serviceweltmeister ist, nämlich wir und kein anderer! Und zu guter Letzt: Erkennt jetzt in Krisenzeiten eure guten Kunden! Wenn die Digitalisierung in den Betrieben Einzug hält, dann haben wir es in der Hand, wer einen Termin bekommt und wer eben nicht oder vielleicht erst später. Freie Slots sollten immer zuerst die guten Kunden bekommen. Dazu muss ich meine Tools, beispielsweise den Volumenkundenrechner des BVdP, kennen – der ermittelt mir, wer ein guter Kunde ist.

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Über den Autor

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Chefredakteur, Redaktion »Fahrzeug+Karosserie«