Schadenabrechnung Kleinvieh macht auch Mist

Autor / Redakteur: Joachim Otting / Stefan Dietz

Die Summe der Kleinpositionen rund um die Schadenreparatur ist nicht zu unterschätzen. Versicherungen haben längst verstanden, dass auch eine winzige Position auf das Ergebnis durchschlägt, wenn man sie 300.000-mal im Jahr zahlt oder aber nicht. Deshalb wird auch darum gestritten.

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Bei der Unfallschadeninstandsetzung fällt immer auch die position Kleinteile an. Versicherungen streiten sich darum.
Bei der Unfallschadeninstandsetzung fällt immer auch die position Kleinteile an. Versicherungen streiten sich darum.
(Foto: Wenz)

Kleinteile rund um die Reparatur werden oftmals mit zwei Prozent der sonstigen Ersatzteilsumme pauschaliert. Und genauso regelmäßig wird diese Position gestrichen. Die Rechtsprechung dazu ist aber eindeutig:

Eine Kleinteilepauschale in Höhe von zwei Prozent der Summe aus den sonstigen Ersatzteilen ist werkstattüblich und daher schadenrechtlich zu erstatten (LG München I, Urteil vom 7.4.2016 – 19 S 1991/16).

Die Abrechnung einer Kleinteilepauschale in Höhe von zwei Prozent der sonstigen Ersatzteilsumme ist nicht zu beanstanden (AG Solingen, Urteil vom 29.1.2016 – 11 C 372/15).

Der Aufwand, Klein- und Kleinstteile, milliliterweise verbrauchte Flüssigkeiten oder Fette bzw. Gase einzeln zu erfassen und zu bepreisen, stünde in keinem vernünftigen Verhältnis zum pauschalierten Preis. Das allein reicht aus, den Versicherer zur Zahlung des Pauschalbetrages zu verurteilen (AG Erlangen, Urteil vom 15.2.2012 – 3 C 1956/11).

Das ist unter Aufwandsgesichtspunkten eine sehr sinnvolle Sichtweise. Im Haftpflichtschadenrecht kommt aber noch ein anderer Blickwinkel hinzu: Der Geschädigte muss sich ganz sicher nicht im Vorfeld einer Beauftragung darüber informieren, ob die Werkstatt gedenkt, Kleinteile zu pauschalieren. Und erst recht muss er sich keine Gedanken machen, wenn schon das Schadengutachten die Kleinteilpauschalierung vorsieht.

Ein Dauerbrenner sind auch die Reinigungsarbeiten rund um die Lackierung. Ein aktuelles Urteil kommt vom AG Rastatt. Der Versicherer hatte vorgetragen, viele Werkstätten würden diese Position nicht gesondert abrechnen, sondern als im Preis enthalten ansehen. Völlig logisch kam das Gericht zu dem Ergebnis: Wenn viele Werkstätten so handeln, dann handeln zwangsläufig die anderen Werkstätten anders. Und damit sei es üblich, dass die Reinigungskosten gesondert abgerechnet werden, zumal die Position im Schadengutachten vorgesehen war (Urteil vom 1.3.2016, – 16 C 279/15).

Das AG Bochum spricht dem Geschädigten den Anspruch auf Erstattung der Reinigungskosten ebenfalls zu, wenn die Werkstatt unfallbedingte Reinigungsarbeiten berechnet. Denn der Geschädigte muss nicht im Vorfeld klären, ob die Werkstatt die Reinigungskosten berechnen werde oder nicht (Urteil vom 9.12.2014 – 68 C 305/14).

Im Urteil vom LG Lüneburg (Urteil vom 7.4.2015 – 9 S 104/14) heißt es wörtlich: „Die Reinigungskosten in Höhe von 25 € sind zu erstatten. Diese wurden von der Firma W. in Rechnung gestellt. Es ist nachvollziehbar, dass die Reparatur zu nicht zu vermeidenden Verschmutzungen führt, die am Schluss zu beseitigen sind.“

Probefahrtkosten

Wenn bei der Reparatur Karosserieteile erneuert oder Arbeiten am Fahrwerk vorgenommen wurden, ist es unabdingbar, eine Probefahrt vorzunehmen, um Windgeräusche und fahrdynamische Gegebenheiten zu kontrollieren.

Das AG Tettnang hat die Probefahrtkosten beim Haftpflichtschaden zugesprochen (Urteil vom 10.2.2016 – 8 C 388/15). Das Urteil ist ein Beispiel für die korrekte Anwendung des Schadenersatzrechtes: Der Geschädigte kann darauf vertrauen, dass die Fachleute wissen, was zu tun ist.

Bei diesen Themen prallen die Sichtweisen diametral aufeinander: Der Versicherer will die Jahressumme der Kleinpositionen vermeiden, die Werkstatt hätte sie gern. Die Rechtsprechung ist auf Seite der Geschädigten.

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