Durchstarten Probleme bieten Chancen zur Verbesserung

Autor: Dr. Holger Schweitzer

Die Pandemie hat die Digitalisierung im herstellenden und instandsetzenden Gewerbe beschleunigt. Ines Hensel ist überzeugt, dass das die Betriebe flexibler macht und sie künftig davon profitieren werden.

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Ines Hensel ist Geschäftsführerin der Hensel Fahrzeugbau GmbH & Co. KG. Sie ist zudem Vorstandsmitglied des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF).
Ines Hensel ist Geschäftsführerin der Hensel Fahrzeugbau GmbH & Co. KG. Sie ist zudem Vorstandsmitglied des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF).
(Bild: Hensel)

Redaktion: Wie steht es um die aktuelle Stimmungslage in Ihrem Unternehmen?

Ines Hensel: Unsere Auslastung ist glücklicherweise nach wie vor sehr hoch. Das liegt aber am grundsätzlich längerfristigen Geschäftsmodell bei behördlichen Beschaffungen. Wir spüren Auswirkungen vom Markt immer erst zeitversetzt. Was wir aber merken: Die Menschen sind allgemein dünnhäutiger geworden. Die Nerven liegen bei vielen blank, und man muss sehr vorsichtig agieren. Außerdem besteht hoher Kommunikationsbedarf.

Wie hat sich Ihr Betrieb auf das Jahr 2021 vorbereitet – was waren beziehungsweise sind die wichtigsten Schritte?

Ines Hensel: Um die Infektionsgefahr zu reduzieren, haben wir zusätzlich zum üblichen Hygienekonzept einen Luftfilter, einen CO2-Warner und ein kontaktloses Fiebermessgerät beschafft. Außerdem können wir jetzt selbst Corona-Schnelltests bei uns im Betrieb durchführen. Wir haben drei Mitarbeiter diesbezüglich schulen lassen und Test-Kits sowie notwendige Schutzausrüstung beschafft.

Welche besonderen Herausforderungen gab es für das Unternehmen durch die Corona-Pandemie?

Ines Hensel: Die sich ständig – teilweise sehr kurzfristig – ändernden Rahmenbedingungen, mit denen uns die Politik konfrontiert hat. Mal waren es maximale Personenzahlen pro Quadratmeter, dann geschlossene Zulassungsstellen, im Juli die Mehrwertsteuer-Umstellung, und jetzt die FFP2-Maskenpflicht in Bayern. Obwohl der ZKF uns hierbei vorbildlich informiert, kostet es sehr viel Energie, auf dem Laufenden zu bleiben, immer wieder Prozesse und Strukturen anzupassen und für Verständnis zu werben.

Gab es auch positive Aspekte im Pandemie-Jahr 2020?

Ines Hensel: Ja, denn wir sind mit der Digitalisierung ein großes Stück weitergekommen. Viele unserer Büro-Mitarbeiter können nun fast ohne Einschränkungen von zu Hause aus arbeiten. Die Kommunikation zwischen Werkstatt und Büro über unsere interne Messenger-App hat sich gut eingespielt. Außerdem haben wir ein 3-D-CAD-System eingeführt, Urlaubsanträge digitalisiert und die auftragsbezogene Zeiterfassung übers Handy eingeführt.

Wird sich das auch auf das Jahr 2021 auswirken?

Ines Hensel: Selbstverständlich. Die Digitalisierung lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Das Verständnis hierfür ist gestiegen. Auch die Flexibilität der Menschen hat zugenommen, wovon auch künftige Projekte profitieren werden.

Glauben Sie, dass wir zu einem „Normalzustand“ wie vor der Pandemie zurückkehren werden – wo sehen Sie Veränderungen?

Ines Hensel: Wir haben uns alle daran gewöhnt, dass unsere persönliche Freiheit eingeschränkt wird. Ich persönlich befürchte, dass die Politik dies künftig für weitere Einschränkungen ausnutzen wird, z. B. für den Klimaschutz. Positiv daran ist: Wir haben gelernt, Besprechungen digital durchzuführen. Das wird vermutlich auch in der Zukunft teilweise beibehalten werden.

Was haben Sie, Ihr Unternehmen, aus der Krise gelernt – fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Ines Hensel: Wir alle haben vieles geschafft, was wir vorher nicht für möglich gehalten hätten. Bisher sind wir also gestärkt aus der Krise hervorgegangen. Wir hoffen, dass das auch so bleibt.

Wie sehen Sie die personelle Entwicklung in der Branche – bezogen auf Ihr Unternehmen? Wird der Fachkräftemangel ein großes Thema bleiben?

Ines Hensel: Durch den Umsatzeinbruch in der Automobilindustrie sind einige gute Fachkräfte freigeworden. Die Lage ist besser, aber dennoch weiter angespannt. Wir erhalten immer noch regelmäßig unaufgefordert Bewerbungen von Akademikern, während Handwerker Mangelware sind.

Welche Tipps/Ratschläge können Sie an ihre Kollegen weitergeben?

Ines Hensel: Unsere Mitgliedsbetriebe sind zu unterschiedlich. Was für den einen richtig ist, kann für den anderen komplett falsch sein. Daher fühle ich mich nicht in der Position, schlaue Ratschläge zu geben –höchstens diesen hier: Hinter jedem Problem versteckt sich eine Chance auf Verbesserung. Diese zu finden, ist die Kunst des Unternehmertums.

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Über den Autor

Dr. Holger Schweitzer

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Redakteur, Ressort Technik, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG