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Kfz-Sachverständigen Forum Sachverstand ist unverzichtbar

| Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Rund 400 Kfz-Sachverständige diskutierten in Würzburg über den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) für das erstellen eines Gutachtens.

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(Bild: Stefan Bausewein)

Das Kfz-Sachverständigen Forum 2020 Anfang Februar stand unter dem Leitthema „Gutachten vs. Prüfberichte – Telegutachten und Prüfberichte statt höchstpersönlicher Inaugenscheinnahme eines Unfallfahrzeugs“. Die Brisanz des Themas macht die Entwicklung der Teilnehmerzahl deutlich: Im Vergleich zum Vorjahr zählte die Veranstaltung in diesem Jahr mit knapp 400 fast doppelt so viele Teilnehmer.

Das Kfz-Sachverständigen Forum führte die Medienmarke »Kfz-Schadenmanager« in Kooperation mit Autorechtaktuell bereits zum vierten Mal durch. Unterstützt wurde der Event von den Partnern DAT und GTÜ.

Die DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann und Helmut Eifert machten in Ihrem Vortrag deutlich, dass KI in die Gutachten Einzug halten werde. Allerdings würde der Sachverständige dadurch nicht arbeitslos bzw. überflüssig. Sein Sachverstand sei auch weiterhin bei der Erstellung von komplexen Gutachten notwendig. KI würde hier noch für lange Zeit an ihre Grenzen stoßen. Allerdings täte der Sachverständige gut daran, sich mit dieser Technologie auseinanderzusetzen, denn aufzuhalten sei sie nicht mehr.

Kfz-Sachverständigenforum 2020
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Doch zunächst erläuterte Natascha Rosocha, stellv. Leiterin der IFS Zertifizierungsstelle, welche Anforderungen heute an ein Schadengutachten gestellt werden. Ihr klares Statement: „Wo Gutachten drauf steht, muss auch Gutachten drin sein.“ Es gebe zwar keine gesetzlichen Regelungen in Bezug auf Schadengutachten, aber es gebe in Literatur und Rechtsprechung festgelegte Grundsätze, nach denen ein Schadengutachten erstellt werden sollte. Einer dieser Grundsätze sei die persönliche Besichtigung des Schadens durch den Sachverständigen.

Rechtlich schwierig

Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf, Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtstheorie, Rechtsinformatik und Informationsrecht der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, erläuterte, weshalb eine solide und umfangreiche Dokumentation von Unfallhergang und –schäden für Gerichtsverfahren wichtig sind. Kryptische Gutachten seien im Prozess nutzlos – der Richter müsse das Gutachten prüfen und dafür die Darlegungen des Sachverständigen verstehen. Der Rechtswissenschaftler hält in diesem Zusammenhang KI für fehleranfällig und deshalb im Prozess für hochproblematisch. „KI wird im Kfz-Bereich nicht ohne Weiteres einsetzbar sein“, führte Hilgendorf aus.

Thomas Offenloch, Richter des VI Senats des BGH, beschäftigte sich in seinem Vortrag mit den Honoraren für Sachverständige. Anhand eines verständlichen Schaubilds und einiger Beispiele aus BGH-Entscheidungen, machte er deutlich wie der Bundesgerichtshof zu einer Entscheidung kommt, ob es sich um erforderliche Kosten handelt oder nicht. In diesem Zusammenhang sprach der Richter auch über erforderliche Kosten bei der fiktiven Abrechnung. Hier würden Versicherungen in der Regel anführen, dass bei fiktiver Abrechnung Kosten für das Beilackieren oder UPE-Aufschläge nicht anfallen und deshalb nicht zu ersetzen wären. Offenloch bemerkte, dass die gesamte fiktive Abrechnung darauf abziele, dass keine Kosten durch eine konkrete Reparatur verursacht würden. Für einen Lacher diesbezüglich sorgte Moderator Jochen Pamer, Geschäftsführer Autorechtaktuell. Der Rechtsanwalt hatte einen Prüfbericht von Control Expert dabei. Hier war ein 39prozentiger UPE-Aufschlag im Gutachten als überzogen bezeichnet worden. Üblich seien maximal 20 Prozent. Kulanterweise billige man dem Geschädigten 30 Prozent UPE-Aufschlag zu.

Erwarten Sie unsere umfangreiche Berichterstattung in den kommenden Ausgaben des »Kfz-Schadenmanager« und der »Fahrzeug+Karosserie«

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