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Volkswagen Schneller laden mit Plug-and-play-Ladesäulen

| Autor: Edgar Schmidt

Volkswagen hat gemeinsam mit EON eine Schnellladesäule entwickelt, die sich ohne Tiefbau und nur mit einem einfachen Netzanschluss fast überall aufstellen lässt. Neu ist die Idee zwar nicht, sie könnte aber den Aufbau eines Schnellladenetzes deutlich beschleunigen.

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EON und Volkswagen kombinieren in ihrer neuen Ladesäule Stromanschluss und Akkutechnik.
EON und Volkswagen kombinieren in ihrer neuen Ladesäule Stromanschluss und Akkutechnik.
(Bild: Volkswagen AG)

EON und Volkswagen Group Components haben auf der Fachmesse E-World in Essen den Prototypen einer neuen, flexiblen Ultraschnellladestation vorgestellt. Die Integration eines Batteriesystems ermöglicht es bei dieser Säule, Ultraschnelllader aufstellen zu können, ohne dass vorher umfangreiche Baumaßnahmen erfolgen müssen. Selbst ein spezieller Stromanschluss sei nicht notwendig.

Nach Einschätzung der beiden Unternehmen macht die Technik den Weg frei, eine größere Anzahl von Ultraschnellladesäulen dort aufzustellen, wo sie tatsächlich gebraucht werden. Besonders von Stadtwerken und Kommunen sowie von Tankstellen und Raststätten verzeichnet EON laut einer Presseinformation ein hohes Interesse an dieser Lösung. Darüber hinaus soll das Angebot auf die Elektrifizierung von Parkplätzen des Einzelhandels sowie auf Logistikunternehmen, etwa Paketdienste, zugeschnitten sein.

Plug-and-play

Installiert werden die Säulen nach dem Prinzip Plug-and-play: hinstellen, anschließen, online konfigurieren. Das Schnellladesystem kann laut EON parallel zwei E-Autos mit bis zu 150 Kilowatt Leistung laden und könne somit durchschnittlich in nur rund 15 Minuten für circa 200 Kilometer mehr Reichweite sorgen.

Damit der in der Ladesäule verbaute Akku immer ausreichend Kapazität hat, wird er von einem herkömmlichen Stromanschluss von 16 bis 63 Ampere dauerhaft gespeist. EON will die Ultraschnelllader ausschließlich mit grünem Strom betreiben. Updates, Fernwartung und Abrechnung der Ladesäulen erfolgen über die zentrale Softwareplattform von EON. Die Technik erfülle alle Voraussetzungen, um sowohl gemäß der EU als auch der deutschen Richtlinie finanziell gefördert zu werden und entspreche auch den Anforderungen des Eichrechts.

Volkswagen Group Components will noch in diesem Jahr die Serienproduktion starten. In der zweiten Jahreshälfte wird EON die neuen Ladesäulen an sechs Autobahntankstellen intensiv testen und anschließend unter dem Namen „E.ON Drive Booster“ zuerst im deutschen Markt einführen.

Eine Idee aus Österreich

Neu ist die Idee mit dem in einer Ladesäule integrierten Akku freilich nicht. Bereits Ende 2018 hat beispielsweise das österreichische Unternehmen Kreisel Electric seine Ladesäule „Chimero HPC & EES“ vorgestellt. Diese setzt ebenfalls auf eine Kombination aus normalem Stromanschluss und Akkutechnik, um eine netzdienliche Schnelllade-Infrastruktur zu ermöglichen. Bei der Kreisel-Säule genügt ein Stromanschluss von maximal 55 KW, um den integrierten 75-kWh-Speicher immer wieder aufzuladen. Darüber hinaus kann der Ladestrom auch direkt aus Windkraft- oder Fotovoltaikanlagen eingespeist werden. Schnellladen ist dann über AC mit 22 kW und über DC mit 150 kW möglich.

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Über den Autor

 Edgar Schmidt

Edgar Schmidt

stellv. Chefredakteur »autoFACHMANN/autoKAUFMANN«