Unfallschadenmanagement als europaweiter Qualifizierungsansatz

Redakteur: Redaktion Fahrzeug + Karosserie

Die Universität Bremen startet nach einer Pilotphase das EU-Projekt „USM“ (F+K berichtete in der Januar-Ausgabe des Jahres 2011).

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(Archiv: Vogel Business Media)
Schadenkalkulation per EDV, digitale Kommunikation mit Versicherern, Schadennetz-Anwendungen und Fahrzeughersteller-konforme Reparaturmethoden sind nur die übergeordneten Begriffe, die es zu beherrschen gilt. Ein profitables Betriebsergebnis setzt die Beherrschung des kompletten Umfeldes voraus.

Die Unfallschadenmanager (USM) sind die „personifizierten Schaltstellen“ im Betrieb, die sich im gesamten Spektrum der Unfallschaden-Abwicklung und -Instandsetzung als Generalisten auskennen. Sie wissen die betroffenen Autofahrer nach einem Unfallschaden richtig anzusprechen, sind die „Kümmerer“ für alle jetzt erforderlichen Belange. Sie geben dem Kunden die Sicherheit, dass er alles bekommt, was ihm zusteht. Sie haben den Überblick, wann ein Rechtsanwalt oder Sachverständiger hinzugezogen werden muss. Der Kunde bleibt mobil und die Werkstatt erhält über die EDV-Schadenkalkulation mit schneller Antwort vom Versicherer einen minutiös geplanten Prozessablauf. Zum Arbeitsbeginn sind die Ersatzteile vorhanden, so dass die Reparatur-Vorgabezeiten wie geplant eingehalten werden können. Das ist die Basis für ein profitables Arbeiten - insbesondere dann, wenn der Druck auf den Stundenverrechnungssatz ständig steigt. Die Qualitätssicherungskontrollen greifen nach jedem abgeschlossenen Reparaturschritt: Karosserie-Instandsetzung – Lackiervorbereitung – Lackierung – Endmontage. Das gilt auch für den Fall, dass eine Fremdlackiererei fester Prozessbestandteil ist. Und zu guter Letzt sorgt der USM durch ein gezieltes „Pre-Crash-Marketing“ dafür, dass die Auftragslage für den Betrieb auf hohem Niveau bleibt.

Die Ausbildung für das Beherrschen dieser Anforderungen steht bislang in keinem Lehrplan von beruflichen Bildungsstätten. Das hat zur Folge, dass weder Lehrkräfte noch Ausbilder ausreichend in der Thematik ausgebildet werden. In einem „Life Long Learning“-Projekt, gefördert von der Europäischen Kommission im Förderprogramm Leonardo da Vinci, soll dieses Defizit behoben werden.

Im Institut Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Georg Spöttl der Bedarf an qualifizierten USM-Lehrkräften und -Ausbildern erkannt. In enger Kooperation mit dem Ingenieurbüro Damschen und dem Kalkulations-Software-Spezialisten „Audatex“ wurden zwei Pilot-Seminare mit Studenten für das Lehramt an beruflichen Schulen, Schwerpunkt Kfz-Technik (Master of Education), durchgeführt. Die Seminaristen mussten vier Ausbildungsphasen und die Abschlussprüfung absolvieren:

1. Theoretische Vorbereitung auf alle USM-Kompetenzfelder

2. Wochenend-Seminar „Schaden-Kalkulation“ und „Unfallschaden-Instandsetzung“ (mit Eingangsprüfung „Vorbereitung“)

3. Betriebspraktikum „Unfallschaden-Abwicklung“

4. Wochenend-Seminar „Betriebsprozesse, Betriebswirtschaft, Grundlagen des Kfz-Versicherungsrechts“

5. Abschlussprüfung (praktische Unfallschadenkalkulation und Theorietest)

Die Erkenntnisse aus den beiden Pilot-Seminaren und die europaweiten Sektorkenntnisse des Ing.-Büros Damschen, von Audatex sowie dem ITB führten schließlich zur Antragstellung für ein europäisches Innovationstransferprojekt. Das „Kick-off Meeting“ für das auf zwei Jahre angelegte Projekt konnte am 8./9. November 2012 in Bremen stattfinden.

 

 

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