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BGH Urteil zu Wiederbeschaffungswert und Umrüstkosten

| Autor / Redakteur: Rechtsanwalt Joachim Otting / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Der Bundesgerichtshof äußerte sich zum Zusammenhang von Wiederbeschaffungswert und Umrüstkosten. Für K&L-Betriebe ergeben sich dadurch bessere Reparaturmöglichkeiten, weil der Wiederbeschaffungswert sich aus Standartfahrzeug plus Umrüstkosten zusammensetzt.

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Notwendige Umbauten beeinflussen den Wiederbeschaffungswert eines Autos.
Notwendige Umbauten beeinflussen den Wiederbeschaffungswert eines Autos.
(Bild: Paravan GmbH)

Der Bundesgerichtshof hat jüngst etwas entschieden, was bisher schon als Selbstverständlichkeit erschien, von Versicherern aber nicht so gesehen werden wollte. Auf den ersten Blick handelt es sich um einen für den Karosseriebauer nicht so interessanten Aspekt eines Totalschadens, der beim zweiten Hinsehen aber für erfreuliche Reparaturmöglichkeiten sorgt.

Wenn ein verunfalltes Fahrzeug kein Standardfahrzeug ist, sondern spezielle Umbauten oder Einbauten hat, und in seiner spezifischen Ausstattung am Markt als Ersatz nicht zu bekommen ist, sind Umrüstkosten, um ein Basisfahrzeug entsprechend auszurüsten, Teil des Wiederbeschaffungswertes (BGH, Urteil vom 23.05.2017, Az. VI ZR 9/17).

Das Urteil entstammt dem Haftpflichtschadenrecht, doch bei Kaskoschäden kann es nach unserer Einschätzung nicht anders sein. Denn die Definition des Wiederbeschaffungswertes (WBW) in den Musterbedingungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft lautet unter Ziffer A.2.5.1.6:

„Wiederbeschaffungswert ist der Preis, den Sie für den Kauf eines gleichwertigen gebrauchten Fahrzeugs am Tag des Schadenereignisses bezahlen müssen.“

Das gleichwertige Fahrzeug ist eben das mit der besonderen Ausstattung.

Im vom BGH entschiedenen Fall war ein älteres Taxi verunfallt. Der Schadengutachter hat den WBW ermittelt, indem er ein Basisfahrzeug ohne Taxiausstattung suchte und dem so gefundenen Wert die Umrüstkosten hinzuaddierte. Das hat der BGH für richtig gehalten.

Wenn es um die Abrechnung eines Totalschadens, ist die WBW-Frage also geklärt.

Der Wiederbeschaffungswert und die Grenzen des Reparaturschadens

Für den Karosseriebauer ist ein flankierender Aspekt jedoch viel interessanter. Auf der Suche nach den Grenzen des vom Versicherer kostenseitig zu tragenden Reparaturschadens ist der WBW die maßgebliche Stellgröße.

Beim Haftpflichtschaden darf der Geschädigte die Reparaturvariante wählen, wenn die Reparaturkosten 130 Prozent des WBW nicht übersteigen. Ist nun also der WBW um die Umrüstkosten höher, ist da auch weitaus mehr Luft für eine Reparatur. Das gilt erst recht, wenn nur die Karosserie beschädigt ist und die Sonderausstattung keinen Schaden erlitten hat, aber den Wert erhöht.

Bei Kaskoschäden ist es nicht anders: Da muss der Kaskoversicherer die anfallenden Reparaturkosten bis zum WBW tragen, wenn vollständig und fachgerecht repariert wurde, Klausel A.2.5.1 i.V.m. A.2.5.2.1.a der GDV-Musterbedingungen.

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