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Von der Biedermeier-Kutsche zum Geldtransporter

| Redakteur: Redaktion Fahrzeug + Karosserie

Seit 175 Jahren fertigt die Carl Friederichs GmbH Karosserien und Spezialfahrzeuge.

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Die Carl Friederichs GmbH feiert 175-jähriges Jubiläum.
Die Carl Friederichs GmbH feiert 175-jähriges Jubiläum.
(Archiv: Vogel Business Media )

Bundeskanzlerin Merkel saß schon in ihnen, ebenso wie Kreml-Chef Putin oder Mitglieder der OSZE. Die Rede ist von den maßangefertigten Limousinen, Bussen und Spezialfahrzeugen der Carl Friederichs GmbH, die dieses Jahr im Juli ihr 175-jähriges Jubiläum feiert. Das Frankfurter Traditionsunternehmen, dessen Anfang als herrschaftlicher Kutschenbauer bis in die Biedermeierzeit zurück reicht, zählt heute nach eigenen Angaben zu den führenden Fahrzeug- und Karosseriebau-Betrieben in Deutschland.

Egal ob Polizeifahrzeug, Geldtransporter, Ambulanzwagen oder VIP-Bus – Friederichs exportiert seine Modelle in die ganze Welt. Als zweiten Geschäftsbereich hat sich das Unternehmen auf die Reparatur und Lackierung von Unfallfahrzeugen spezialisiert und betreibt in Frankfurt eines der größten Lackierzentren des Rhein-Main-Gebietes. Neben Pkw werden dort in einer 20 Meter langen Lackierkabine auch Lastkraftwagen sowie Omni- und Gelenkbusse auf Hochglanz gebracht.

In seiner langjährigen Geschichte hat das Unternehmen, das am 1. Juli 1840 von Heinrich Ludwig Friederichs in Frankfurt gegründet und 1876 an seinen Sohn und Namensgeber Carl Friederichs übergeben wurde, mehrere große Betriebsumstellungen meistern müssen. Denn mit der Erfindung des Automobils beginnt auch für den Kutschenbauer Friederichs eine neue Epoche.
Wurden die Pferdewagen anfangs noch in mühevoller Kleinarbeit in Motorfahrzeuge umgebaut, hat sich das Unternehmen später auf die Anfertigung von Sonderkarosserien für namhafte Hersteller wie Maybach, Benz und Packard spezialisiert. Ein Zeugnis dieser Zeit ist der älteste fahrbereite Maybach W5 SG aus dem Jahr 1926, der heute im Auto & Technik Museum in Sinsheim steht und dessen Karosserie von Friederichs stammt. Außerdem erhielt Carls Sohn Heinrich als Erster ein Patent für eine Cabriolet-Karosserie.

Doch mit Beginn der Massenfabrikation des Autos in den 1920er Jahren endete die Ära des individuellen Karosseriebaus. Statt hochherrschaftliche Limousinen zu entwerfen, konzentrierte sich die Carl Friederichs GmbH fortan auf die Reparatur und den Bau von Nutz- und Sonderfahrzeugen – und das mit wachsendem Erfolg.
Das ISO zertifizierte Unternehmen mit 123 Mitarbeitern und zwei Standorten in Frankfurt setzt Maßstäbe sowohl bei der individuellen Gestaltung der Karosserie und des Innenraums der Sonderfahrzeuge als auch bei der Reparatur und Lackierung der Fahrzeuge. Denn die gleichen Qualitätsmaßstäbe, die Friederichs Anfang des 20. Jahrhunderts zum Hofwagenbauer und Hoflieferanten Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Luxemburg gemacht haben, gelten auch heute noch.

Entsprechend des hohen Qualitätsstandards wird das Thema Aus- und Fortbildung im Unternehmen groß geschrieben. Lehrlinge sowie Mitarbeiter profitieren von der langjährigen Erfahrung und sind auf dem neuesten Wissenstand, was den Umgang mit modernster Automobiltechnik sowie die Verarbeitung neuer Verbundmaterialen oder Aluminium beim Karosseriebau anbelangt. Mit Maid Karasalihovic nimmt jetzt im August 2015 sogar ein frisch gebackener Fahrzeuglackierer-Geselle der Carl-Friederichs GmbH für das deutsche Team an den World Skills, der Weltmeisterschaft der Berufe, in Brasilien teil.

Nachdem das Unternehmen über vier Generationen von der Familie Friederichs geführt wurde, leiten es heute die Geschäftsführer Stephan Berger und Henrik Schepler. Gesellschafter der Carl Friederichs GmbH ist die Heinz und Gisela Friederichs Stiftung, die 1991 von Heinz und Gisela Friederichs gegründet wurde. Die gemeinnützige Stiftung engagiert sich für soziale Projekte, die berufliche Aus- und Fortbildung junger Menschen im Karosserie- und Fahrzeugbau sowie die Förderung zeitgenössischer Kunst.

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