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ZKF WLTP für Nutzfahrzeuge: Grenzen bei Aufbauten

| Redakteur: Dr. Holger Schweitzer

Für Aufbauhersteller kann es ab September problematisch werden, bestimmte Sonderfahrzeuge zuzulassen – denn noch fehlt eine bundeseinheitliche Regelung. Der Zentralverband für Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) fordert deshalb klare Verhältnisse.

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Ein konstantes Raumklima soll für gleiche Bedingungen bei allen Tests sorgen.
Ein konstantes Raumklima soll für gleiche Bedingungen bei allen Tests sorgen.
(Bild: VW Nutzfahrzeuge)

Noch vier Wochen – dann müssen Hersteller leichter Nutzfahrzeuge der Kategorie N1 Klasse II und III sowie der Kategorie N2 die Verbrauchs- und Abgaswerte nach WLTP nachweisen. Doch für Hersteller von Aufbauten, die die vom OEM vorgegebenen Grenzen der maximalen Masse oder Stirnfläche überschreiten, ist der 1. September ein problematischer Stichtag. Denn wie der Zentralverband für Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) informiert, sind die Berechnungstools der Hersteller derzeit nicht ausreichend, um einen CO2-Nachweis für solche Fahrzeuge zu erstellen. Eine mögliche Folge: Behörden könnten eine Zulassung verweigern.

Hinzu kommt: Behörde ist nicht gleich Behörde. So ist laut ZKF nach der sogenannten Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) das Zulassen von Fahrzeugen nach Landesrecht geregelt – ausgeführt von den zuständigen Verwaltungsbehörden. Gibt es, wie aktuell in der Frage des WLTP-Nachweises für Einzelgenehmigungen bei Nutzfahrzeugen, keine bundeseinheitliche Regelung, könnten die obersten Landesbehörden selbst über die Vorgehensweisen entscheiden, so der Verband.

Erfahrungsaustausch und Lösungsfindung: Der Zentralverband für Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) diskutierte gemeinsam mit Experten des Bundesverbands Metall (BVM), zahlreicher Fahrzeughersteller sowie Prüforganisationen, wie Aufbauherstellern beim WLTP-Zulassungsverfahren geholfen werden kann.
Erfahrungsaustausch und Lösungsfindung: Der Zentralverband für Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) diskutierte gemeinsam mit Experten des Bundesverbands Metall (BVM), zahlreicher Fahrzeughersteller sowie Prüforganisationen, wie Aufbauherstellern beim WLTP-Zulassungsverfahren geholfen werden kann.
(Bild: Zentralverband für Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF))

Zulassungstourismus verhindern

Der ZKF hält jedoch eine bundesweit einheitliche Regelung im WLTP-Zulassungsverfahren für unbedingt erforderlich. Nur so lasse sich verhindern, dass der Wettbewerb verzerrt werde und es zu einem „Zulassungstourismus“ in bestimmten Bundesländern komme, so der Verband.

Wie eine einheitliche Vorgehensweise im Einzelgenehmigungsverfahren für WLTP-geprüfte Fahrzeuge aussehen könnte, diskutierte der ZKF im Juni mit Vertretern von Prüfgesellschaften und Länderbehörden sowie dem Bundesverband für Metall (BVM). Dabei zeigte sich laut dem Zentralverband, wie unterschiedlich sich die Richtlinien und Verordnungen interpretieren lassen. Ziel sei es nun, die unklaren Punkte kurzfristig mit dem Verordnungsgeber und den Ländern zu klären, um das Einzelgenehmigungsverfahren nach § 13 EG-FGV auch für Aufbauhersteller rechtssicher zu gestalten.

CO2-Nachweis per Online-Tool

In einer weiteren Expertenrunde mit Vertretern von Transporterherstellern, Prüfgesellschaften und Verbänden diskutierten die Branchenfachleute über die mit dem WLTP-Stichtag verbundenen Herausforderungen für Aufbauhersteller. Wie der ZKF informiert, hätten dabei die OEMs den Aufbauherstellern rechtzeitig Online-Berechnungstools zugesichert, mit denen sich die CO2-Werte vervollständigter Fahrzeuge bestimmen lassen.

Außerdem müssten die Aufbauhersteller davon ausgehen, dass künftig nicht mehr jeder Aufbau die vorgegebenen Grenzwerte für Masse und Stirnfläche erfüllen kann, so der Verband. Da diese Grenzwerte je nach Hersteller unterschiedlich ausfallen, seien die Betriebe gefordert, sich über die jeweiligen Anforderungen rechtzeitig zu informieren.

Wie der ZKF informiert, müssten die Grenzwerte strikt eingehalten werden, da keine Ausnahmen möglich seien. Weichen beispielsweise bei einer Kontrolle die Emissionen von ihrem Sollwert ab, drohen dem Fahrzeughersteller Strafzahlungen. Lediglich Fahrzeuge, die nach ihrer Erstzulassung verändert würden, seien von dieser Regelung befreit, so der Verband.

Vor welchen Herausforderungen die Themen WLTP und RDE die Branche stellt, wird auch auf dem diesjährigen Kongress Forum Fahrzeugbau diskutiert. Der Branchentreff für Nutz- und Sonderfahrzeugprofis, der von der Fachmedienmarke »Fahrzeug+Karosserie« gemeinsam mit dem Zentralverband für Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF)veranstaltet wird, findet am 29. Oktober 2019 in Würzburg statt.

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