Technische Daten

Anbieterübersicht Wartungs- und Reparaturinformationen

| Autor: Steffen Dominsky

Wartungs- und Reparaturinformationen sind in der heutigen Werkstatt unverzichtbar.
Wartungs- und Reparaturinformationen sind in der heutigen Werkstatt unverzichtbar. (Bild: ZDK)

Praktisch jeder größere Diagnosetester trägt technischen Daten und Wartungs-/Reparaturinformationen in sich, bzw. die Softwaresysteme der Werkstattausrüster und Ersatzteillieferanten haben sie selbstverständlich ebenso hinterlegt. Insbesondere freie Kfz-Betriebe benötigen den Zugriff auf diese Informationen. Die Namen der eigentlichen Macher der Nachschlagewerke tauchen dabei fast nie auf.

Autodata und Tec-Alliance

Mehr oder weniger einzige Ausnahme ist das Unternehmen Autodata. Die simple Begründung für diese Tatsache: Lange vor Online und Bits und Bytes verkaufte die Marke ihre Bücher und Ordner, dick wie einst Telefonbücher, zum Teil über den eigenen Außendienst direkt an die Werkstätten. Nach mehrfachem Verkauf gehört das Unternehmen seit 2017 der US-Firma Solera, dem Inhaber von Audatex. Das könnte dazu führen, dass es künftig den ersten Anbieter, den sogenannten Publisher (dt. = Herausgeber) von RMIs (repair and maintenance informations, dt. = Reparatur- und Wartungsinformationen) gibt, der beides bietet: sowohl allgemein technische als auch Karosserie- und Unfalldaten. Punkten möchte Autodata bei Nutzer allen voran mithilfe seiner zahlreichen Module, 34 an der Zahl. Sie erlauben einen schnellen Zugriff auf bestimmte (häufig wiederkehrende) Daten. Neu sind z. B. das „Scheinwerfermodul“ (zeigt Erneuern von Leuchtmittel an inklusive Schwierigkeitsgrad) oder „Getriebemodul“ (zeigt Positionen von Einfüll-/Ablassschrauben und Füllmengen) oder das „Reifenmodul“.

Ein weiterer der „Big Three“ unter den klassischen Publishern ist Tec-Alliance. Einst als Anbieter des bekannten Tec-Doc-Katalogs gestartet, bietet das Unternehmen seit der Übernahme der Firma Audacon auch eine Vielzahl an RMIs an. Ihr Angebot bauen die Ismaninger kontinuierlich aus. Auf der vergangenen Automechanika stellten sie zusammen mit Continental den ersten Sprachassistenten für Werkstätten vor. Er erleichtert unter anderem die Suche nach relevanten technischen Daten und Informationen.

Haynes Pro und Alldata

Ebenfalls zu den „Big Playern“ gehört, wenn es um allgemeine RMIs geht, Hanyes Pro. Das Gemeinschaftsunternehmen bietet Werkstätten relevante Daten ebenfalls in aufbereiteter Form, d. h. oftmals gestrafft und auf das Wesentliche reduzierte Texte sowie Bilder/Grafiken. Das erleichtert die Suche/Nutzung über sämtliche Marken hinweg und sorgt für sicheres und möglichst fehlerfreies Arbeiten. Neuester Trend hier: Gezielt fließen Augmented-Reality-Anwendungen (AR) in die Produkte ein. Diese sollen vor allem dazu beitragen, Zeit zu sparen und ebenso Fehler zu vermeiden, denn der Mechatroniker erkennt so, wie er wo ansetzen muss, um z. B. eine Türverkleidung rasch und ohne Beschädigung zu entfernen.

Quasi eine Sonderrolle unter den Publishern nimmt Alldata ein. Denn das Unternehmen darf aufgrund entsprechender Verträge die originalen Herstellerleitfäden und technischen Datenbanken eins zu eins kopieren. Jede (freie) Werkstatt erhält somit dieselben Informationen wie ein Markenbetrieb. Allerdings bedingt das auch, dass bei Alldata jede Marke ein anderes „Aussehen“ und entsprechende Verschlagwortung hat – herstellerspezifisch eben. Und die Informationen gibt es nicht für jede Marke. Alldata eignet sich damit weniger als alleiniges, wohl aber als ergänzendes System in Sachen RMIs. Einen Meilenstein haben die Macher nach Jahren der Arbeit kürzlich vollständig umgesetzt. Sie haben einen einheitlichen Suchbaum eingeführt: Nutzer können nun über alle Hersteller hinweg in einheitlichen Rubriken suchen, z. B. „Motormanagement“, „Fahrwerk“ oder „Bremse“.

DAT und ZKF

Nicht eine Sonder-, aber eine spezifische Rolle nimmt die DAT ein. Sie bietet zwar aktuell keine allgemeinen RMIs an, dafür aber alles, was Anwender in Sachen Unfall- und Karosserieinstandsetzung an Wissenswertem benötigen. „Sliver-DAT 3“ ist nicht ohne Grund für viele das Mittel der Wahl – egal ob Werkstatt, Gutachter oder Versicherung. Diese Tatsache trägt dazu bei, dass Prozesszeiten reduziert werden können, immerhin arbeiten beide Parteien mit demselben Werkzeug. Aktuell ist die DAT dabei, ebenso normale RMIs in ihr System zu integrieren. Das gilt auch für moderne 2D- und 3D-Ansichten von Fahrzeugkomponenten. Sie erleichtern dem Nutzer, allen voran bei Karosserieschäden, Details besser zu erkennen und so den Bedarf von Ersatzteilen frühzeitig und präziser als bisher zu ermitteln.

Einen ganz anderen und ungewöhnlichen Ansatz in Sachen RMIs verfolgt der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) mit seinem „Repair-Pedia“. Er bietet ein Konzept, das Google und Wikipedia für die Unfallreparatur, den Karosserie- und Fahrzeugbau und die Kfz-Servicereparatur sein möchte. Basis der umfassenden Datenbank sind eigene Systeme (ZKF-Tipps, IFL-Meldungen, KTI-Studien etc.), die erstens um die Angebote von Autodata, Haynes Pro und Tec-Alliance (s. o.) ergänzt und zweitens mit einer „intelligenten“ Suchmaschine verknüpft werden. Anbindungen an Kalkulationssystemen von Audatex, DAT und Schwacke bestehen ebenso.

Besonderer Clou des Repair-Pedia-Angebots: Der Nutzer erwirbt ein Guthabenpaket und zahlt pro Nutzung des Angebots. Die Gebühr wiederum, so die Idee der Verantwortlichen, sollen die Betriebe ihren Kunden in Rechnung stellen – eine Einzelrechnung, die einem Auftrag zugeordnet werden kann, macht’s möglich. Kleinere An- bzw. Abfragen von technischen Daten sollen zwischen einem und 15 Euro kosten.

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