Übernahme Automobilzulieferer: Faurecia übernimmt Hella

| Aktualisiert am 20.08.2021Autor Sven Prawitz

Der französische Automobilzulieferer erhält die Mehrheit an Hella. Gemeinsam bilden die Unternehmen einen der größten Zulieferer der Welt. Die Folgen für den Aftermarket sind noch nicht klar.

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Der Automobil-Zulieferer und Aftermarket-Partner Hella wird französisch. Der Zuliefererkonzern Faurecia hat die Aktienmehrheit gekauft.
Der Automobil-Zulieferer und Aftermarket-Partner Hella wird französisch. Der Zuliefererkonzern Faurecia hat die Aktienmehrheit gekauft.
(Bild: Hella)

Faurecia übernimmt den Zulieferer Hella. Das französische Unternehmen erhält ein Aktienpaket der bisherigen Eigentümerfamilie mit 60 Prozent der Firmenanteile. Faurecia zahlt 60 Euro pro Aktie – insgesamt knapp vier Milliarden Euro – und will darüber hinaus weitere Anteile zu diesem Preis erwerben.

Sollte es den Franzosen gelingen, 95 Prozent der Hella-Aktien zu erwerben, werde man den Zulieferer von der Börse nehmen, erklärte Faurecia-Geschäftsführer Patrick Koller. Bedenken, Hella könnte im neuen Konzern verschwinden schloss Koller aus. Hella sei eine sehr wertvolle Marke, erklärte er bei einer gemeinsamen Telefon-Pressekonferenz am Montag. Der Vollzug der Transaktion steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Freigaben und wird für Anfang 2022 erwartet.

War auch Mahle interessiert?

Eine ausdrückliche Arbeitsplatz- oder Standortgarantie für die Beschäftigten gaben die Chefs von Faurecia und Hella zunächst nicht. Es gebe aber keine konkreten Planungen für einen Stellenabbau im administrativen Bereich etwa am Hella-Firmensitz in Lippstadt. Die Standorte von Hella würden durch den Zusammenschluss eher sicherer als unsicherer, lautete ihr Tenor. „Wir brauchen mehr Hände“, sagte Hella-Chef Rolf Breidenbach. An den bestehenden Betriebsrats- und Tarifverträgen soll festgehalten werden.

Ende Juni war Knorr-Bremse in die Verhandlungen um das 60-Prozent-Aktienpaket eingestiegen, musste aber auf Druck der eigenen Anleger hin wieder aus dem Prüfungsprozess aussteigen. Zuletzt gab es Gerüchte, Mahle hätte sich ebenfalls für eine Übernahme interessiert. Der Stuttgarter Zulieferer benötigt dringend neue Geschäftsfelder, um die rapide sinkenden Umsätze mit Komponenten für Verbrennungsmotoren aufzufangen.

Zusammen über 20 Milliarden Euro Umsatz

Durch den Zusammenschluss von Faurecia und Hella entsteht ein Top-10-Zulieferer. Beide Unternehmen streben für 2021 einen Umsatz von 23 Milliarden Euro an und lägen damit zusammen in der Top-100-Liste des Fachmagazins »Automobil Industrie« auf Platz 8 der größten Unternehmen in der Branche – noch vor Michelin. Faurecia holt damit auf zu Magna – dieser Zulieferkonzern wiederum buhlt derzeit um die schwedische Veoneer-Gruppe – und ZF. In Europa liegt das Konglomerat laut dpa auf Platz 5.

Patrick Koller zeigte zudem, welche Rolle Hella in der künftigen Organisation haben werde: In Lippstadt werden der Hauptsitz sowie die zentralen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen für Lichttechnik, Elektronik und den neu zu schaffenden Bereich „Lifecycle Value Management“ sein.

Bei Faurecia in Paris sind die drei Bereiche Sitze, Interieur und saubere Mobilität verankert. Zusammen komme man auf über 150.000 Mitarbeiter. Hella beschäftigte zuletzt knapp 36.000 Menschen. Als Gesamtkonzern will Koller eine bessere Marge erzielen, als es sich Faurecia und Hella bislang einzeln vorgenommen hatten. Der französische CEO begründet das Ziel mit Synergieeffekten, die die Kosten jährlich um bis zu 200 Millionen Euro senken sollen.

Familie Hueck fast 100 Jahre mit Hella verbunden

Der Verkauf des 60-prozentigen Pakets der weit verzweigten Gründerfamilie war notwendig, da der beim Börsengang im Jahr 2014 abgeschlossene Vertrag über ein gemeinsames Handeln bald ausgelaufen wäre. Danach wäre es schwieriger geworden, die Interessen der Eigentümer zu bündeln. Die Eigentümerfamilie Hueck, die seit 1923 die Mehrheit an dem 1899 gegründeten Unternehmens hält, wird nach der Transaktion noch neun Prozent der Faurecia-Anteile halten. „Diese Beteiligung unterliegt einer Sperrfrist von 18 Monaten“, hieß es. Ein Vertreter der Familie werde Mitglied des Verwaltungsrats von Faurecia.

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