Oldtimergeschäft Clubhouse-Talk: Wie das Oldtimergeschäft für Betriebe rentabel wird

Autor Dr. Holger Schweitzer

Oldtimer sind ein Nischenmarkt für Kenner und Könner. Worauf es im Geschäft mit historischen Fahrzeugen ankommt, diskutierte »F+K« mit Experten der Branche in einer Clubhouse-Talkrunde.

In einer Clubhouse-Talkrunde diskutierte »F+K« mit Branchenexperten über aktuelle Trends im Oldtimergeschäft.
In einer Clubhouse-Talkrunde diskutierte »F+K« mit Branchenexperten über aktuelle Trends im Oldtimergeschäft.
(Bild: Schweitzer/»Fahrzeug+Karosserie«)

Etwa eine Million Oldtimer sind auf Deutschlands Straßen unterwegs. Das ist im Vergleich zur Gesamtzahl aller Pkw ein verschwindend kleiner Anteil. Die historischen Fahrzeuge schlagen allerdings mit einem Gesamtwert von etwa 23 Milliarden Euro zu Buche. Diese beeindruckenden Zahlen, die aus einer Studie der Beratungsgesellschaft BBE Automotive hervorgehen, zeigen: Der Oldtimermarkt bietet nach wie vor Potenziale für K&L-Betriebe, die sich auf das Restaurieren und Instandsetzen von historischen Fahrzeugen spezialisieren.

Welche Anforderungen das Geschäft mit den Oldtimern mit sich bringt und welche Chancen es Werkstätten bieten kann, das diskutierte die »F+K«-Redaktion am 25. Februar auf Clubhouse mit ZKF-Geschäftsführer Thomas Aukamm und Jürgen Book, Senior Specialist Classic Cars BASF Coatings. Mit auf der Clubhouse-Bühne waren außerdem zwei Betriebsinhaber, deren Werkstätten ganz unterschiedliche Ansätze verfolgen: Thomas Feierabend, Geschäftsführer der Würzburger Feierabend GmbH, ist mit seinem Unternehmen vor allem auf BMW und Bugatti aus der Vorkriegszeit spezialisiert – und das nun bereits in dritter Generation. Michael Seidel, Geschäftsführer Seidel Karosserie GmbH, hingegen leitet einen klassischen Karosserie- und Lackierfachbetrieb und hat das Oldtimergeschäft als zusätzliches Standbein für sein Unternehmen aufgebaut. Die klassischen Fahrzeuge, die den Weg in seine Werkstatt finden, gehören vor allem der Nachkriegsgeneration an und reichen mittlerweile bis zu Modellen der Achtziger- und Neunzigerjahre, inklusive VW Golf I und Scirocco.

Ganz oder gar nicht

So unterschiedlich die Fahrzeuge und damit die Kunden der beiden Betriebsinhaber sein mögen: Beide Unternehmer sind sich einig, dass das Geschäft mit den Oldtimern nicht nebenbei und halbherzig wirtschaftlich erfolgreich geführt werden kann. Zwar seien die meisten Kunden prinzipiell dazu bereit, sich das Restaurieren ihrer Schätze etwas kosten zu lassen. Damit die Kosten aber überschaubar bleiben, nicht ausufern und damit letztlich nicht zuungunsten der Werkstatt ausfallen, gelte es, die Arbeitsaufwände möglichst genau zu kalkulieren und effiziente Prozesse umzusetzen. Außerdem müssten die Mitarbeiter selbst Begeisterung für das Thema mitbringen und über das erforderliche handwerkliche Können verfügen.

Dass prinzipiell jedes Fahrzeug das Zeug zum Oldtimer hat, bestätigten sowohl Aukamm als auch Book. Wie der ZKF-Geschäftsführer erklärte, spielt beim Kauf eines historischen Fahrzeugs meist ein persönlicher Bezug eine Rolle. Das könne beispielsweise der Familienurlaub mit den Eltern im VW Golf sein. Nicht umsonst sei eine ganze Generation nach dem Wolfsburger Auto benannt. Das demonstriere, dass selbst vermeintliche Massenmodelle das Zeug zum begehrten Oldtimer haben.

Familienmitglied Oldtimer

Den persönlichen und individuellen Bezug von Oldtimerbesitzern zu ihren Fahrzeugen hob auch Jürgen Book hervor. Häufig hätten die Autos den Status von Familienmitgliedern. Damit ginge eine emotionale Bindung zu den Fahrzeugen einher, die die Werkstätten beim Umgang mit den Kunden und deren Lieblingen berücksichtigen müssten. Daher lasse sich laut dem BASF-Classic-Experten auch kaum pauschal sagen, wie Betriebe restaurieren sollten. Manche Kunden wünschen die Vollrestauration inklusive Komplettlackierung. Andere wiederum hätten zu jedem Kratzer oder jeder Delle eine persönliche Beziehung und wollten diese so gut wie möglich konservieren.

Hinzu kommt, wie die Eigentümer ihre Fahrzeuge nutzen wollen: Sollen sie als Ausstellungsstück in der Garage stehen, oder dienen sie als Alltagsfahrzeug? Michael Seidel beobachtet aktuell einen Trend gerade bei jüngeren Fahrzeugen hin zum Alltagsgebrauch. Viele Besitzer von Modellen wie VW Golf I oder auch einer älteren Mercedes C-Klasse seien sogenannte „Daily Driver“ und schätzten das puristische und entschleunigte Fahrgefühl.

Old- und Youngtimer bilden die Erlebnisse und Gefühle unserer Gesellschaft ab. Sie versetzen uns an Orte und Zeiten, an die wir uns gerne erinnern. Neue Fahrergenerationen halten damit die Oldtimerszene lebendig und tragen sie in die Zukunft. Für Betriebe mit Leidenschaft für altes Blech kann die Oldie-Nische also durchaus auch künftig lukrativ sein.

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