Teilehandel Die Hess-Gruppe wird zerschlagen

Von Jakob Schreiner

Die Teilehandelsgruppe mit Hauptsitz in Köln mit rund 1.300 Mitarbeitenden wird nach der Insolvenz im Ganzen nicht erhalten bleiben. Während einige Hess-Standorte eine Zukunft haben, wurden andere bereits dichtgemacht. Auch was mit der Hess-Zentrale passiert, ist noch ungewiss.

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Was mit der Hess-Zentrale passiert, ist noch ungewiss.
Was mit der Hess-Zentrale passiert, ist noch ungewiss.
(Bild: Hess Automotive)

Die insolvente Teilehandelsgruppe Hess Automotive mit Hauptsitz in Köln hat in ihrer bisherigen Form keine Zukunft mehr. Die Suche nach einem Investor für die Gesamtgruppe sei gescheitert, teilte der zuständige Insolvenzverwalter Christoph Niering am Montagnachmittag mit. Teile des Unternehmens werden nun verkauft, andere Standorte werden geschlossen.

Von den insgesamt 25 Standorten werden nach derzeitigem Stand der Verhandlungen voraussichtlich 14 erhalten bleiben können, da Mitbewerber sie übernehmen, heißt es in der Mitteilung. Damit werden rund 300 Arbeitsplätze gerettet. Eine Fortführung der gesamten Hess-Unternehmensgruppe sei nicht möglich, und der Geschäftsbetrieb könne so nicht weitergeführt werden. Darüber seien Mitarbeitende, Kunden sowie Lieferanten am 2. Mai informiert worden.

Die Suche sei bereits sehr frühzeitig von den negativen Auswirkungen des Ukrainekriegs auf den europäischen Autoteilehandel geprägt worden, erläuterte Niering zum Ende der Gruppe. Zahlreiche Interessenten hätten daraufhin ihre Investitions- und Expansionspläne zurückgestellt und die Verhandlungen über die Hess-Gruppe nicht weiterverfolgt. Insgesamt habe man 70 nationale und internationale Investoren angesprochen.

Geschäftsführer Philipp Hess selbst schien noch vor wenigen Wochen zuversichtlich, dass sein Unternehmen am Markt eine Chance hat, nachdem der Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens im Februar beim Kölner Amtsgericht eingereicht wurde. Das Verfahren ist seit dem 1. Mai eröffnet.

200 Schwenker-Mitarbeiter stehen auf die Straße

Als Folge der fehlenden Gesamtperspektive ist der Betrieb des Teilehändlers Schwenker in Minden, der zur Hess-Gruppe gehört, am Montag mit sofortiger Wirkung eingestellt worden. Das berichtet die „Schaumburger Zeitung“, die sich auf einen Schwenker-Mitarbeiter bezieht. Demzufolge hätten die 200 Mitarbeitenden ein entsprechendes Schreiben erhalten und seien noch am Montagmittag vor die Tür gesetzt worden. Die Mitarbeiter wurden außerdem aufgefordert, Firmenwagen, Tankkarten, Laptops, Schlüssel und Zugangskarten für das Betriebsgebäude unverzüglich abzugeben. Ein Investor sei kurzfristig abgesprungen, was den Schritt jetzt nötig gemacht habe.

Eine Zukunft hingegen soll die ebenfalls zur Gruppe zugehörige Autoteile Jakobs GmbH & Co. KG mit Sitz in Idar-Oberstein haben. Die acht Standorte in Rheinland-Pfalz und im Saarland können voraussichtlich weitergeführt werden, da „eine Investorenlösung kurz vor dem vertraglichen Abschluss steht“, so der Insolvenzverwalter Niering. Derzeit sei geplant, dass ein Mitbewerber die acht Standorte mit rund 130 Arbeitsplätzen noch im laufenden Monat übernehme und fortführe, sodass ein nahtloser Übergang möglich sei.

Noch keine Lösung für Kölner Hauptsitz

Nach Auskunft des Insolvenzverwalters werden derzeit noch weitere Gespräche mit Investoren über die Übernahme einzelner Standorte und auch des Hauptsitzes in Köln geführt.

Die Hess-Gruppe geht zurück auf das 1929 von Hans Hess gegründete Einzelunternehmen Hans Hess Autoteile. In der Spitze erreichte die Unternehmensgruppe einen Jahresumsatz von rund 209 Millionen Euro und beschäftigte bis zu 1.500 Arbeitnehmer. Durch Zukäufe in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist die Unternehmensgruppe in den letzten Jahren sehr schnell gewachsen, was zu nicht unerheblichen Konsolidierungsproblemen geführt hat. Seit 2018 befindet sich die Gruppe in einer intensiven Sanierungsphase, welche auch über den am 21.2.2022 beim Amtsgericht Köln gestellten Insolvenzantrag nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

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