ZKF-Branchentreff 2019

Die Zukunft gestalten

| Redakteur: Konrad Wenz

Peter Börner, ZKF-Präsident: „Wir leben heute mit unterirdisch schlechten und nachweislich falschen Zeitvorgaben bei Micro-Stundensätzen über die sich die andere Handwerke nur belustigen können“
Peter Börner, ZKF-Präsident: „Wir leben heute mit unterirdisch schlechten und nachweislich falschen Zeitvorgaben bei Micro-Stundensätzen über die sich die andere Handwerke nur belustigen können“ (Bild: Wenz)

Der ZKF habe in den vergangenen Jahren bereits vieles modernisiert und auf die Zukunft ausgerichtet, erklärte der ZKF-Präsident Peter Börner heute in seiner Grundsatzrede anlässlich des ZKF-Branchentreffs 2019. Dennoch dürfe man sich nicht ausruhen, denn der Abstand zwischen dem, was der Kunde oder das Mitglied will und dem, was die Werkstatt oder der Verband liefern kann, würde sonst zu groß.

„Tatsache ist, dass sich künftig einiges verändern wird: Technik, Antriebsart, Eigentum, Gesellschaft, Versicherung, Personal“, zählte Börner auf. Weitere Anforderungen würden Telemetrie, Diagnose, Big-Data-Auto, Justage, notwendige Investitionen, Fachkräfte, Löhne, administrative Aufgaben und die Tatsache, dass nur noch am Handel von Waren in den durchschnittlichen Betrieben verdient wird, an die Betriebe stellen. „Nicht mehr an der handwerklichen Leistung, sondern am Einkauf und Verkauf von Ersatzteilen und dem Lack verdienen die Betriebe Geld – das lässt sich in sämtlichen Branchenberichten nachlesen“, erklärte Börner. Aus diesen Entwicklungen leitet der ZKF-Präsident folgende Fragen ab:

  • Wie lange dauert es noch, bis der Hersteller den Betrieben die Margen kürzt und ihnen die Luft zum Atmen nimmt?
  • Wie lange dauert es noch, bis der Versicherer die Teile bestellt und bezahlt?

Ersatzteile für die Unfallreparatur seien Monopolware und die Betriebe hätten keinen Einfluss auf die Preisgestaltung, genauso wenig wie die Versicherer. In diesem Zusammenhang zeigte der ZKF-Präsident kein Verständnis für Werkstätten, die jüngst eine Pilotphase einer Versicherung unterstützt hatten und die Aussage trafen: „wo ich die Teile herbekomme ist doch egal, Hauptsache die Marge stimmt“. (Anm. der Redaktion: AXA und das Teileportal Alphascale) „Das ist viel zu kurz gedacht, denn warum sollte die Versicherung das mit den Teilen machen? Um der Werkstatt was Gutes zu tun? Nein, sie will an die Margen ran und Schadenkosten einsparen“, warnte Börner die Betriebe. In Dänemark sei es bereits so weit, dass die Versicherung die Teile aussucht, bestellt und der Werkstatt zuliefere.

„Wir leben heute mit unterirdisch schlechten und nachweislich falschen Zeitvorgaben bei Micro-Stundensätzen über die sich die andere Handwerke nur belustigen können“, führte der ZKF-Präsident weiter aus. Es sei aber bei Weitem nicht so, dass es keine Antworten auf diese brennenden Fragen der Branche gebe. Vielmehr würden Informationsquellen wie ZKF, IFL, Eurogarant Auto-Service AG, KTI, Repair-Pedia, Hotline, Verband, Innung usw. die jeweiligen Antworten liefern. „Es ist alles vorhanden, man muss es nur nehmen, wie bei einem Kochbuch“, erklärte Börner.

Allerdings falle dies einigen Betrieben schwer, was der ZKF-Präsident an einem Beispiel verdeutlichtete: „Jüngst standen Thomas Aukamm und ich in Würzburg auf den Karosserie- und Schadenstagen mit einem Unternehmer zusammen, der uns doch tatsächlich fragte, „wann macht der ZKF denn endlich mal was gegen diese Rechnungskürzungen“. Nicht nur, dass es einem hierbei schier aus den Socken haut, nein, das ist auch noch eine glatte 6 im Zeugnis des Betriebes an seinen Verband. Auf die Frage, ob er denn keine ZKF-Online-News lesen würde, denn darin wurde schon mehrfach über die Lösungen des ZKF und der Eurogarant Auto-Service AG gegen Rechnungskürzungen berichtet, hieß es nur: „Was ist das denn, nee, dazu habe ich keine Zeit bei der Flut von E-Mails“.

Zahlreiche Musterschreiben, neue AGB-Empfehlung, neue Reparaturkostenübernahme, Datenschutzgrundverordnung, Weiterbildungsangebote, Seminare, EuroDFT, Wiederspruch zur Stundenverrechnungssatzerhebung durch die Rechnungskürzer und Verweiser an günstigere Werkstätten, Branchenbericht, Stundenverrechnungssatzkalkulation, hunderte IFL Meldungen und so weiter und so fort – das alles habe dieser Betrieb nicht bekommen, ebenso wenig wie die Einladung für den ZKF-Branchentreff.

„Wenn ein Betrieb Beiträge an die Innung zahlt, dann erwartet er doch eine Gegenleistung außer dem Weiß-Blauen-Schild an der Tür, oder?“, fragte sich Börner. Scheinbar tue der genannte Betrieb das nicht, denn er habe keine Erwartungshaltung oder „keine mehr“ an seine Innung, den Landes- bzw. Zentralverband. „Wir müssen diese Erwartungshaltung bei den Mitgliedsbetrieben wieder erwecken. Die sorgt dafür, dass sich die Betriebe mit unseren Leistungen beschäftigen – der ZKF hat für fast jedes Problem eine Lösung", führte Börner aus.

Um dies zu erreichen hat sich der Verband einiges vorgenommen:

Im kommenden Jahr will er über die sozialen Medien beim Mitglied wesentlich präsenter sein. Hierfür rief Börner die Betriebe auf, den ZKF auf Facebook zu liken, dem Vorstand auf Twitter zu folgen und vor allem dem Verband die aktuelle und personalisierte E-Mail-Addresse zu nennen. Auf dem Branchentreff soll es künftig praktische Beispiele geben.

Zu den Veranstaltungen plant man Crash-Tests durchzuführen.

Die Funktion von Fahrerassistenzsystemen demonstrieren.

Mehr parallele Work-Shops anbieten,

Dem Nutzfahrzeug eine völlig neue und wesentlich größere Bedeutung zukommen lassen.

Den Betrieben die Bedenken der bezüglich der kommenden Herausforderungen nehmen, auf der Obermeistertagung, dem Eurogarant-Erfahrungsaustausch, dem Branchentreff und der Deutschland Tour.

„Das ist somit heute und hier der letzte „Branchentreff. Auf gemeinsamen Beschluss des ZKF-Vorstands hin veranstalten wir ab dem nächsten Jahr das: „Automobile-Zukunfts-Forum“ und versprechen schon jetzt, dass der Name Programm ist. Notieren Sie sich hierfür schon jetzt den 18. bis 20.06.2020", ergänzte Börner.

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