Auktion Ein Escort für eine Drittelmillion Euro?

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

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Auktionen entwickeln manchmal eine gewisse Eigendynamik; so wie die kürzlich im englischen Berkshire. Ein eigentlich nicht besonders rarer Ford kam dort für eine Summe unter den Hammer, die staunen lässt.

Ein zugegeben seltenes Exemplar eines Ford Escort der 2. Generation, aber dennoch erzielte dieser ein Auktionsergebnis, das staunen lässt.(Bild:  Historic Auctioneers)
Ein zugegeben seltenes Exemplar eines Ford Escort der 2. Generation, aber dennoch erzielte dieser ein Auktionsergebnis, das staunen lässt.
(Bild: Historic Auctioneers)

„D-d-die spinnen, die Briten“, wusste schon Asterix treuer Freund Obelix 50 v. Chr. Einen aktuellen Beweis dafür liefert eine Versteigerung, die kürzlich das Auktionshaus Historics Auctioneers im Rahmen seiner „The Summer Serenade“ in Windsorview Lakes, Berkshire, durchführte. Unter den Hammer kamen hier insgesamt 187 Fahrzeuge, zum überwiegenden Teil Oldtimer. Das Gros waren Klassiker im unteren und mittleren Preissegment; viele Sportwagen, aber auch so mancher „Durchschnitts-“ bzw. „Alltagswagen“ vergangener Tage. Fahrzeuge wie zum Beispiel ein Ford Escort der 2. Generation, gebaut von 1974 bis 1980, der Nachfolger des legendären Hundeknochen-Escort. Das zugegeben Besondere an Losnummer 170: Es handelte sich bei diesem Escort um einen RS1800.

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Hierzulande gab es mit dem RS2000 ebenfalls eine Sportvariante des technisch biederen Kölners. Der hatte allerdings lediglich den unspektakulären und bekannten 2,0-Liter-OHC-Motor mit 74 kW (100 PS) unter der Haube. Sein englischer Pendant, der RS1800, besaß jedoch einen Motor der bekannten Rennmotorenschmiede Cosworth („BD-Motor“). Mit ihren 1,8 Litern Hubraum und einem Weber-32/46-Fallstromvergaser leistet die Maschine 115 PS bei 6.000 min/-1 – im Serientrimm. Gebaut wurden vom RS1800 lediglich 109 Stück, denn gedacht war er als reines Sportfahrzeug für Rallyes, aber auch Rundstreckenrennen. Und dort leistete das Aggregat bis zu 250 PS und sorgte für reichlich Furore, allen voran bei internationalen Rallyes. Doch auch hierzulande zeigten Antrieb und Wagen ihre Klasse: So gewann der RS1800 in der Gruppe 5 die deutsche Rennsportmeisterschaft der Jahre 1975 und 1976.

Fast das Hundertfache des einstigen Neupreises

Wie auch immer: Für lediglich 2.990 britische Pfund konnte man 1976 einen neuen Ford Escort RS1800 bekommen. Einen wie den, der kürzlich bei besagter Auktion zur Versteigerung stand. Und bei dem entbrannte dann ein heftiges Bietergefecht, das den Verkaufspreis des 49 Jahre alten Autos auf weit über eine Viertelmillion Pfund trieb und erst bei der Summe von 278.848 Pfund stoppte – umgerechnet rund 321.000 Euro. Der neue Besitzer zahlte also fast das Hundertfache des einstigen Neupreises des Wagens.

Dessen Geschichte liest sich wie folgt: Nachdem der Escort 1976 als zweites Presseauto von Ford seine Werbefunktion erfüllt hatte (der erste RS1800, der an Medien ausgeliehen wurde, wurde zu einem Totalschaden), ging er in Familienbesitz über und blieb dort bis zum Auktionstag – noch immer mit seinem ursprünglichen Nummernschild „ONO 804P“. Nachdem er 25.000 Straßenmeilen zurückgelegt hatte, ruhte er jahrzehntelang in einer Scheune. Allerdings wurde er bis dato zweimal sorgfältig und professionell restauriert, wobei viel Wert auf Originalität gelegt wurde.

Auch ein Kennzeichen kann wertsteigernd sein

Bei der erzielten Verkaufssumme erntete man im Auktionssaal erstaunte Blicke. Jeremy Walton, preisgekrönter Autor mehrerer Bücher über die Marke Ford und ehemaliger Ford-Pressesprecher für Motorsport, kommentierte: „Ich dachte, dieser Escort aus dem Ausstellungsraum würde sich gut verkaufen, da er selten ist, schließlich wurden die meisten RS1800 für den Motorsport radikal modifiziert. Zugleich ist das Modell eine Ikone der Ford-Weltmeisterschaftsgeschichte, aber dieses überwältigende Verkaufsergebnis – mit Sicherheit ein Weltrekord für einen Ford Escort von 1976 – ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie wenige unveränderte Exemplare dieser Escorts noch für den öffentlichen Straßenverkehr übrig sind, zudem mit prestigeträchtigeren Kennzeichen.“

Und Stewart Banks von Historics Auctioneers fügte hinzu: „Die Atmosphäre im Auktionssaal, an den Telefonen und online war elektrisierend. Nachdem wir das Auto weithin bekannt gemacht hatten, gab es bereits vor dem Verkauf großes Interesse, und es wurde intensiv geboten – wie nicht anders zu erwarten. Doch niemand hätte ein so beeindruckendes Ergebnis vorhersehen können.“

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