Schadenregulierung HIS-torie – den Vorschaden im Visier

Immer wieder lehnen Versicherer eine Schadenregulierung mit dem Hinweis auf einen Vorschaden ab. Die Basis dafür bietet die HIS-Datei, die auch von Geschädigten genutzt werden kann. Rechtsanwalt Christian Heid informierte beim 3. Voigt Automotive Onlineforum.

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Auch der Geschädigte kann und sollte die HIS-Datei unter bestimmten Voraussetzungen nutzen um evtl. Vorschäden aufzudecken, bzw. Falscheintragungen zu löschen.
Auch der Geschädigte kann und sollte die HIS-Datei unter bestimmten Voraussetzungen nutzen um evtl. Vorschäden aufzudecken, bzw. Falscheintragungen zu löschen.
(Bild: Wenz)

Vor- oder Altschäden können einen erheblichen Einfluss auf die Erstattungsfähigkeit von Reparaturkosten haben. Informationen über solche Schäden haben für Versicherer einen erheblichen Wert. Die sogenannte HIS-Datei verschafft der Versicherungswirtschaft einen klaren Vorteil gegenüber allen anderen Unfalldienstleistern wie Reparaturbetrieben, Gutachtern, Autovermietern und natürlich auch gegenüber den Geschädigten.

Bei der HIS-Datei handelt es sich schlicht um ein Schadengedächtnis, erklärte Rechtsanwalt Christian Heid, Leiter der ETL Kanzlei Voigt Niederlassung Frankfurt am Main, zum Auftakt seines Vortrags zum 3. Voigt Automotive Onlineforum. HIS steht für Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft. Erfasst werden hier Daten von Unfallschäden, wenn diese von der Norm abweichen, erläuterte Heid. Dazu gehöre insbesondere, wenn der Schaden fiktiv abgerechnet würde.

Komme es in der Folge zu einem weiteren Unfall, müsse der Geschädigte nachweisen, dass der Vorschaden sach- und fachgerecht repariert wurde. Die Vorlage der Reparaturrechnung reiche hier in der Regel nicht aus. Die Versicherung kann bei einer Unfallmeldung durch den Geschädigten auf die HIS-Datei zugreifen und entsprechend argumentieren. Bei einer Online-Befragung der Teilnehmer des Forums, gaben 43 Prozent der Befragten an, schon einmal Probleme bei der Schadenregulierung aufgrund der HIS-Datei gehabt zu haben. Die Kanzlei Voigt geht davon aus, dass dies künftig weiter ansteigen werde.

Die Risiken für den Geschädigten machte Heid an drei konkreten Beispielen klar:

  • 1.) Eine Kundin kauft einen Gebrauchtwagen und erleidet unverschuldet einen Unfall. Die Versicherung stellt über die HIS-Datei fest, dass es einen Vorschaden gab, und verlangt von der Kundin den Nachweis der Reparatur. Diesen kann die Kundin nicht beschaffen, das Fahrzeug hatte sie laut Kaufvertrag unfallfrei gekauft. Gerichte, bis hin zum BGH, bestätigten den Einwand der Versicherung, das heißt, die Kundin ging leer aus.
  • 2.) In einem weiteren Fallbeispiel ging es um ein Fahrzeug aus einem Fuhrpark. Fuhrparkbetreiber würden Unfallschäden regelmäßig beziehungsweise ausschließlich fiktiv abrechnen. Erstehe eine Werkstatt bzw. ein Kunde ein solches Fahrzeug, müsse beim erneuten Unfallschaden der Nachweis der sach- und fachgerechten Reparatur erbracht werden.

Heid machte darauf aufmerksam, dass in Bezug auf die HIS-Datei „Waffengleichheit“ bestehe, das heißt, auch der Fahrzeugeigentümer bzw. Halter kann Auskunft über gespeicherte Daten verlangen. Darüber hinaus habe der Gesetzgeber einen Löschungsanspruch verankert, wenn die Reparatur des Schadens nachgewiesen werden kann. Der professionelle Anwalt würde nicht nur den Anspruch des Kunden durchsetzen, sondern auch dafür sorgen, dass falsche Einträge aus der HIS-Datei – und gegebenenfalls beim Prüfdienstleister – gelöscht würden. Die HIS-Löschung bedeute nämlich nicht, dass auch beim eventuellen Prüfdienstleister des Versicherers die Daten gelöscht würden. In diesem Fall könne beim erneuten Unfall der Vorschaden als nicht nachgewiesen repariert über den Prüfbericht wieder in den Vorgang einfließen. Heid riet, vor dem Ankauf eines solchen Fahrzeugs immer eine Auskunft aus der HIS-Datei abzurufen.

Ein weiterer Vortrag des Onlineforums behandelte die richtige Abrechnung von Unfallersatzwagen. Wir werden gesondert darüber berichten.

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Über den Autor

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Chefredakteur, Redaktion »Fahrzeug+Karosserie«