ZKF/CIVD Meilenstein für die Caravaningbranche

Der Startschuss für dritte Fachrichtung im Ausbildungsberuf „Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in“ ist gefallen. Gestern unterzeichneten ZKF und CIVD eine entsprechende Absichtserklärung.

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Stilechte Vertragsunterschrift im Wohnmobil mit ZKF-HGF Thomas Aukamm (l.) und CIVD-Geschäftsführer Daniel Onggowinarso (r.)
Stilechte Vertragsunterschrift im Wohnmobil mit ZKF-HGF Thomas Aukamm (l.) und CIVD-Geschäftsführer Daniel Onggowinarso (r.)
(Bild: ZKF)

Der erste wichtige Schritt für eine neue Fachrichtung ist vollzogen: Der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) und der Caravaning Industrie Verband (CIVD) werden eine dritte Fachrichtung im Ausbildungsberuf „Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in“ erarbeiten (»F+K« berichtete). Dies dokumentierten beide Verbände in Bad Nauheim im ZKF-Mitgliedsbetrieb Karosseriebau Heinz in einer gemeinsamen Absichtserklärung. Die neue Fachrichtung trägt den Namen „Caravan- und Reisemobiltechnik“ und stellt einen Meilenstein für die Caravaningbranche dar: Sie bekommt im Ausbildungsberuf „Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in“ ihre eigene Fachrichtung, die den wachsenden Anforderungen und dem gestiegenen Bedarf nach qualifiziertem Personal in der Branche gerecht wird.

Startschuss für die Zusammenarbeit (v. l.): Tim Rüttgers (Referent Technik und Umwelt im CIVD), Daniel Onggowinarso (CIVD-Geschäftsführer), Thomas Aukamm (ZKF-Hauptgeschäftsführer), Robert Ziegler (Referatsleiter Berufsbildung und Nachwuchsförderung im ZKF).
Startschuss für die Zusammenarbeit (v. l.): Tim Rüttgers (Referent Technik und Umwelt im CIVD), Daniel Onggowinarso (CIVD-Geschäftsführer), Thomas Aukamm (ZKF-Hauptgeschäftsführer), Robert Ziegler (Referatsleiter Berufsbildung und Nachwuchsförderung im ZKF).
(Bild: ZKF)

Die Urlaubsform Caravaning liegt seit Jahren stark im Trend. 2021 wurden erstmals mehr als 100.000 Reisemobile und Caravans in Deutschland neu zugelassen. Insgesamt führt das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg 1,3 Millionen zugelassene Freizeitfahrzeuge in seinem Register. Durch den rasanten Anstieg von rund 30 Prozent in den vergangenen fünf Jahren ist auch der Bedarf an Fachkräften in der Caravan- und in der Karosserie- und Fahrzeugbaubranche gestiegen. Sowohl in der Produktion als auch in den Werkstätten der Handels- und Handwerksunternehmen fehlt es an qualifiziertem Personal.

Dieser Herausforderung wollen ZKF und CIVD mit einem neugeordneten Ausbildungsberuf und einer neuen Fachrichtung begegnen. Die beiden Verbände erklärten in Friedberg schriftlich ihre Absicht, eine dritte Fachrichtung im Ausbildungsberuf „Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in“ zu schaffen, die den Namen „Caravan- und Reisemobiltechnik“ tragen soll. Die Caravaningbranche bekommt damit den ersten, eigens auf sie zugeschnittenen Ausbildungsberuf.

Fachrichtung speziell auf Freizeitfahrzeuge ausgelegt

ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm und CIVD-Geschäftsführer Daniel Onggowinarso wiesen darauf hin, dass zeitnah eine gemeinsame Ausbildungsverordnung erarbeitet wird, die auf einer doppelten Rechtsgrundlage basiert. Die Betriebe der beiden Verbände haben somit die Möglichkeit, sowohl in der handwerklichen als auch in der industriellen Ausbildung tätig zu werden. CIVD-Geschäftsführer Daniel Onggowinarso hebt die gute Zusammenarbeit der beiden Verbände im Rahmen der Berufsbildung hervor und sieht in der dritten Fachrichtung eine Bereicherung und große Chancen für beide Branchen: „Die Schaffung einer eigenen Fachrichtung trägt dem Wachstum und der Veränderung der Caravaningbranche Rechnung. Nicht nur die Technik der Fahrzeuge wird immer komplexer, auch unsere Kunden werden anspruchsvoller hinsichtlich Service und Wartezeiten auf Werkstatttermine. Entsprechend steigt der Bedarf an Caravaningfachkräften. Wir gehen davon aus, dass pro Jahr rund 300 Auszubildende bei den Herstellern und und Händlern benötigt werden“.

Die Neuordnung im Ausbildungsberuf „Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in“ mit der neuen Fachrichtung soll den besonderen Anforderungen an Fachkräfte in der Caravaningbranche gerecht werden. Anders als im Pkw- oder Lkw-Bereich braucht es zur Produktion, Reparatur und Wartung eines Wohnmobils oder Wohnwagens beispielsweise auch Kenntnisse im Bereich Sanitäranlagen und Flüssiggas. Außerdem kommen im Wohnaufbau von Freizeitfahrzeugen Materialien wie Holz und GfK zum Einsatz, mit deren Umgang der klassische Kfz-Mechaniker eher ungeübt ist. „Die neue Fachrichtung ‚Caravan- und Reisemobiltechnik‘ leistet einen wichtigen Beitrag dazu, die Caravaningbranche fit für die Zukunft zu machen“ so CIVD-Chef Onggowinarso.

Konstruktive Zusammenarbeit von ZKF und CIVD

ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm zeigte sich überzeugt, dass „wir uns in Zukunft gemeinsam noch besser aufstellen und für junge Menschen dadurch attraktiver werden“. Die Bewältigung neuer Herausforderungen werde nur gelingen, wenn Verbände zusammenarbeiten, Synergien erkennen und nutzen. Neue technische Entwicklungen, wie die zunehmende Digitalisierung der Fahrzeuge und sich stark verändernde Mobilitätskonzepte, sorgen dafür, dass sich auch das Berufsbild noch stärker verändern werde. Hinzu komme ein dauerhafter allgegenwärtiger Fachkräftemangel. „Diese dramatischen Veränderungen lassen sich besser gemeinsam bewältigen in Form einer gemeinsamen Fachrichtung des Ausbildungsberufes“, so Aukamm.

Um diese Zusammenarbeit künftig noch weiter auszubauen, wird ein reger Wissensaustausch zwischen den beiden Verbänden angestrebt. Dokumentiert wird dies durch die Unterzeichnung eines Letter of Intent der beiden Verbände über die gemeinsame Entwicklung dieses neuen Berufsbildes.

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Über den Autor

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Chefredakteur, Redaktion »Fahrzeug+Karosserie«