Unfallreparatur Niemals ohne Werkstattauftrag

Autor / Redakteur: Matthias Nickel / Birgit Rüdel

Beauftragt ein Geschädigter in einem Haftpflichtfall einen Reparaturbetrieb, so schließt er einen Werkvertrag mit diesem ab. In der Praxis wird häufig darauf verzichtet, den Vertragsinhalt genau festzuhalten. Doch kommt es zum Streit, zeigt sich, wie wichtig es ist, einen schriftlichen Auftrag zu vereinbaren.

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(Bild: Wenz)

Ein Amtsgericht hatte vor Kurzem über die Klage eines ZKF-Mitgliedsbetriebs gegen einen Kunden zu entscheiden, nachdem der Versicherer den Schaden nur zum Teil reguliert hatte. Die Klage wurde weitgehend abgewiesen.

Der Kunde hatte einen Verkehrsunfall erlitten und machte beim Haftpflichtversicherer des Unfallgegners seine Ansprüche geltend. Der Versicherer empfahl dem Geschädigten, den Schaden in einer seiner Partnerwerkstätten reparieren zu lassen und wies auf die Vorteile hin (zertifizierter Reparaturbetrieb, kostenloser Hol- und Bringservice, Fahrzeugreinigung, kostenloses Leihfahrzeug). Der Kunde ließ sich überzeugen und übersandte Fotos vom Schaden per E-Mail an den Reparaturbetrieb. Die Werkstatt erstellte einen Kostenvoranschlag und reichte diesen beim Versicherer ein. Nach technischer Reparaturfreigabe durch den Versicherer wurde die Reparatur durchgeführt. Davor unterzeichnete der Kunde lediglich eine Abtretungserklärung sowie einen handschriftlich ausgefüllten Lackierauftrag, dem weder die anfallenden Ersatzteile und Arbeitsstunden noch der Werklohn zu entnehmen war.

Der Betrieb führte die Reparatur zur Zufriedenheit des Kunden durch. Später erhob der Versicherer einen Haftungseinwand in Höhe von 50 Prozent, weil er davon ausging, dass beide Unfallbeteiligten den Unfall verschuldet hatten. Der Versicherer zahlte aufgrund der Abtretung exakt 50 Prozent der Reparaturkosten an den Reparaturbetrieb. Die offenen weiteren 50 Prozent klagte die Werkstatt gegen den Kunden ein.

Falsches Urteil

Im Prozess bestritt der Kunde, überhaupt einen Werkstattauftrag erteilt zu haben, dies habe die Versicherung getan. Weiterhin reklamierte der Kunde, mit der Reparatur des Unfallschadens sei ein Vorschaden beseitigt worden. Dies habe er aber nicht beauftragt.

Das Gericht ging in seinem Urteil zwar davon aus, dass der Kunde den Auftrag erteilt hat, meinte aber, dass dieser sich nur konkret auf die Beseitigung des Unfallschadens und nicht auf etwaige Vorschäden bezogen habe. Die Werkstatt habe prüfen müssen, ob der Schaden auf den Unfall zurückzuführen sei oder nicht. Nachdem sie einen Vorschaden mitrepariert habe, was nicht beauftragt gewesen sei, könne sie dafür auch keinen Werklohn geltend machen. Die Klage hatte daher nur zu einem Teil Erfolg.

Das Urteil des Amtsgerichts ist falsch und wurde mittels der Berufung angefochten. Im Berufungsverfahren steht eine Entscheidung noch aus. Die Entscheidung zeigt aber, wie wichtig es ist, vor der Durchführung einer Reparatur den Auftrag konkret festzuhalten. Dies stellt technisch für die Betriebe kaum ein größeres Problem dar, da in der Regel zuvor ein Kostenvoranschlag erstellt wird, der sowohl die durchzuführenden Arbeiten als auch die entsprechenden Preise beinhaltet. Es kann den Werkstätten nur dringend empfohlen werden, sich vom Kunden einen solch detaillierten Reparaturauftrag unterzeichnen zu lassen. Dann bleiben böse Überraschungen ausgeschlossen. Wenn der Kunde konkret die Reparaturmaßnahme beauftragt hat, dann wird man über den Inhalt des Auftrages nicht ernstlich diskutieren können. Wird hingegen nur die „Schadeninstandsetzung“ beauftragt, so kann man sich sehr wohl über den Inhalt des Auftrages streiten. Beweis­pflichtig ist der Werkunternehmer, also der Reparaturbetrieb.

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