Automobiles Zukunftsforum Nutzfahrzeug-Symposium startet den Branchentreff

Von Konrad Wenz

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Heute war der Startschuss zum Automobilen Zukunftsforum auf dem Dekra Lausitzring. Den Auftakt gestaltete die Nutzfahrzeugfraktion des ZKF mit hochinteressanten Vorträgen rund um den Fahrzeugbau.

Heute startete das Automobile Zukunftsforum mit dem Nutzfahrzeugsymposium.
Heute startete das Automobile Zukunftsforum mit dem Nutzfahrzeugsymposium.
(Bild: Jürgen Klasing )

Zeiten wie diese hat die Fahrzeugbaubranche noch nie erlebt: Lieferkettenunterbrechung, Lagerhaltungskosten, Preissteigerungen, Pandemie und Krieg, nannte ZKF-Vizepräsident Claus Evels als Treiber für die kritische Entwicklung der Branche. Zwar seien die Auftragsbücher vieler Fahrzeugbaubetriebe voll, aber die Betriebe könnten die bestellten Fahrzeuge nicht ausliefern und seien teilweise trotz des hohen Auftragsbestands gezwungen, in die Kurzarbeit zu gehen oder in ihr zu bleiben.

Evels appellierte an die teilnehmenden Betriebe zum Start des Nutzfahrzeug Symposiums des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) auf dem Lausitzring: „Nutzt eure Möglichkeiten, um besser durch die Krise zu kommen.“ Er empfiehlt der Branche beispielsweise sich mit den AGB`s zu beschäftigen. Der ZKF habe in die Muster-AGB des Verbands eine Preisangleichungsklausel eingearbeitet, die die derzeitigen Probleme der Branche berücksichtigt. Darüber hinaus sollten sich die Betriebe auch nicht scheuen, Anzahlungsrechnungen auszustellen. „Wenn es nicht anders geht, muss der Kunde die steigenden Kosten mittragen“, führte Evels aus.

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Im ZKF stelle man sich zunehmend die Frage, ob die Fahrzeugbaubetriebe noch als solche gelten, oder ob man sie schon als Bank bezeichnen könne. Diese Frage sei darauf zurückzuführen, dass die Betriebe häufig benötigtes Material für ihre Aufbauen schon seit Monaten lagern würden, weil die entsprechenden Fahrgestelle der Fahrzeughersteller nicht kommen. Kein Hersteller würde derzeit verbindliche Lieferzeiten nennen. Evels appellierte auch an die Fahrzeughersteller: „Überprüft eure Fertigungsmöglichkeiten – es geht um die Zufriedenheit unseres gemeinsamen Kunden.“

Rudger Dautel, Geschäftsführer der Dautel GmbH, bestätigte die die Ausführungen von Evels. Der Hersteller von Ladebordwänden und Kippmulden beschrieb das Risiko der steigenden Kosten bei hohem Auftragsbestand. Sein Unternehmen nehme heute Aufträge an, für die eine Lieferzeit von 12 Monaten gelte. Preise würde Dautel für das Jahr 2023 nennen und auch versuchen, diese wirklich zu halten. „Wir reden mit unseren Kunden über Preisanpassungen, wenn sich die Lieferung der Fahrgestelle signifikant verändert“, führte Dautel aus. Signifikant seien deutlich mehr als vier bis fünf Wochen. Und das bei einer durchschnittlichen Teuerungsrate bei Dautel für Stahl, Aluminium usw. von 1,5 Prozent pro Monat.

Die Kalkulation habe sich gegenüber dem Jahr 2021 deutlich verändert, berichtete der Geschäftsführer. „Wir rechnen mit einer 25-prozentigen Preiserhöhung. Für die Fahrzeugbaubetriebe bedeutet das, dass sie in einem Korridor von 25 bis 35 Prozent mehr kalkulieren müssen“, sagte Dautel. Die angegebenen Werte bezeichnete Dautel als Best Case.

Die schwierige Situation bezüglich des Materials war auch Thema einer Podiumsdiskussion, an der neben Evels auch der ZKF-Geschäftsführer Nutzfahrzeuge, Dierk Conrad, sowie Thomas Schneider von Aluteam und Mario Männlein von Iveco teilnahmen. Schneider führte gleich zu Beginn aus, dass es derzeit keine Möglichkeit gebe, Preise langfristig festzulegen. Er beschrieb, dass sein Unternehmen vor einigen Tagen die Nachricht erhalten habe, dass sich die Lieferung von Plywood-Platten ab dem 1.7.2022 um fünf Prozent verteuere. Das mache deutlich, wie schwierig derzeit eine Kalkulation sei. Solch kurzfristigen Preisanpassungen müsse sein Unternehmen wahrscheinlich selbst schlucken. „Die Branche ist ziemlich gebeutelt“, sagte Schneider, Preiserhöhungen müssten an die Kunden weitergegeben werden. Mario Männlein wollte indes nicht über die Preisentwicklung bei Iveco reden, gab aber einen Denkanstoß: „Kauft sich jemand einen teuren Sportwagen, so reden wir über rund eine Tonne Stahl, und die Herstellerpreise werden akzeptiert. Beim Nutzfahrzeug reden wir über sieben bis acht Tonnen Stahl. Das muss sich zwangsläufig auf die Preise auswirken.

Weitere Vorträge gab es zu den Themen Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen, Umrüstung auf Wasserstoffantrieb, CO2-Zertifizierung von Anhängern, Vertragsprobleme für Aufbauhersteller und den Generationswechsel in Unternehmen. Beachten Sie hierzu die ausführliche Berichterstattung in der Ausgabe 7/2022 der Fahrzeug+Karosserie.

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