Schadengutachten Pflichten des Geschädigten

Autor / Redakteur: Rechtsanwalt Joachim Otting / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Die Rechtsprechung ist eindeutig: Der Geschädigte darf sich auf den Inhalt des Schadengutachtens verlassen und der Werkstatt den Auftrag erteilen, so zu reparieren, wie der Sachverständige es vorgesehen hat.

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Rechtsanwalt Joachim Otting informiert über die aktuelle Rechtsprechung.
Rechtsanwalt Joachim Otting informiert über die aktuelle Rechtsprechung.
(Bild: Otting)

Der umfassende Schutz des Geschädigten durch das Gutachten („Ich war’s nicht, der Gutachter war es …“) hat drei Voraussetzungen, die der Geschädigte erfüllen muss:

  • Auswahl eines seriösen Schadengutachters
  • Ehrliche Informationen an den Schadengutachter
  • Plausibilitätskontrolle

Das Auswahlverschulden: Beauftragt der Geschädigte eine der überregionalen Gutachterorganisationen oder wendet er sich an lokal etablierte Gutachterbüros, wird der Vorwurf des „Auswahlverschuldens“ nicht zu begründen sein.

Wenn sich hingegen ein Werkstatt­inhaber oder -mitarbeiter der Reparaturfirma in die Rolle eines „Schadengutachters“ versetzt, ist er kein „neutraler“ Sachverständiger. Das kann auch der Geschädigte erkennen. Weder muss der Versicherer die Kosten dafür erstatten, noch bietet dieses Gutachten Schutz.

Umstritten ist die Kombination, dass der Werkstattmitarbeiter Bilder vom beschädigten Fahrzeug in eine Zentrale schickt und dort ein Schadengutachten erstellt wird. Das AG Dachau (Urteil vom 30.1.2013 – 3 C 1146/10) hat ein solches Gutachten verworfen. Ein Auge sehe mehr als eine Kamera. Ohr und Nase könnten auch relevante Informationen geben.

Die Informationspflicht: Nicht alles kann ein Schadengutachter sehen. Eine Kilometerstandmanipulation (Stichwort Wiederbeschaffungswert, Reparaturwürdigkeit) kann der Schadengutachter ebenso wenig erkennen wie einen gut reparierten Vorschaden oder einen vom aktuellen Schadenereignis überdeckten Altschaden.

Der Geschädigte muss solche ihm bekannten Umstände unaufgefordert dem Schadengutachter mitteilen. Denn anderenfalls ist das Gutachten fehlerhaft, und diese Fehlerhaftigkeit hat der Geschädigte zu verantworten. Er bekommt dann zu Recht keinen Vertrauensschutz. Der Versicherer muss die Kosten für das Gutachten nicht erstatten. Dass der Geschädigte den Gutachter dann selbst bezahlen muss, ist die logische Folge.

Plausibilitätskontrolle: Eine Kontrolle des Gutachtens kann ja nur laienhaft erfolgen. Allenfalls ganz offensichtliche Fehler („Rückleuchten beim Frontschaden“) können im Einzelfall zu seinen Lasten gehen. Die üblichen Reklamationen der Versicherer (Beilackierung oder nicht etc.) sind für ihn nicht beurteilbar. ■

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