Recht

Reparatur wie vom Gutachter vorgesehen

| Autor: Rechtsanwalt Joachim Otting

Rechtsanwalt Joachim Otting (www.rechtundraeder.de) informiert Sie in seinen Beiträgen über die aktuelle Rechtsprechung.
Rechtsanwalt Joachim Otting (www.rechtundraeder.de) informiert Sie in seinen Beiträgen über die aktuelle Rechtsprechung. (Bild: VBM-Archiv)

Die Grundlage: Der Geschädigte darf jenseits der Bagatellgrenze, die zwischen 750 und 1.000 Euro brutto angesiedelt ist, ein Gutachten zum Weg der Schadenbeseitigung einholen. Der Sinn des Gutachtens liegt darin, dem Geschädigten das fehlende technische Wissen zu ersetzen. Wenn er also ein Gutachten einholen darf, um nicht unwissend dem Versicherer gegenüberzustehen, muss er sich auch auf das Schadengutachten verlassen dürfen.

Nun auch Oberladesgerichte

Der Geschädigte darf also der Werkstatt den Auftrag erteilen, gemäß Gutachten zu reparieren. Selbst wenn der Versicherer die Ausführungen des Gutachters für falsch hält, ändert das nichts. Diese Rechtsprechung ist nun auch von einigen Oberlandesgerichten bestätigt worden, wobei das alles auf einer grundlegenden Entscheidung des BGH vom 29.10.1974 - VI ZR 42/73 basiert.

OLG Nürnberg, Dresden und Celle

Das OLG Nürnberg hat mit Urteil vom 14.12.2016 - 12 U 166/16 entschieden: Die Reparatur auf der Grundlage des Schadengutachtens führt dazu, dass der Schädiger keine Einwendungen gegen einzelne Positionen aus der Rechnung erheben kann.

Das OLG Dresden formuliert im Urteil vom 10.05.2017 - 7 U 180/17 wörtlich:

„Hierbei darf der Geschädigte regelmäßig auf die Richtigkeit eines von ihm eingeholten Sachverständigengutachtens vertrauen, soweit nicht ein vor Reparaturbeginn vorgelegtes Gegengutachten hieran ernsthafte Zweifel erweckt.“

Im Beschluss des OLG Celle vom 15.06.2017 - 14 U 37/17 heißt es:

„Der Unfallgeschädigte darf sowohl auf die Sachkunde des Gutachters vertrauen als auch darauf, dass die Werkstatt nicht betrügerisch Werkleistungen in Rechnung stellt, die gar nicht erbracht wurden. Die Möglichkeit, das Gutachten aus eigener Kenntnis zu überprüfen oder die Durchführung der Reparaturen zu kontrollieren, hat der Geschädigte nur in besonderen Fällen“.

Reparatur laut Gutachten schützt Geschädigten

Erste Urteile, dass Prüfberichte keine Gegengutachten in diesem Sinne sind, liegen bereits vor. So sagt das Urteil vom AG Ebersberg vom 16.10.2017 - 9 C 593/17 wörtlich:

„Ein Prüfbericht, der noch dazu ohne jegliche Besichtigung des beschädigten Fahrzeugs erstellt wird, ist nicht geeignet, die durch das Schadengutachten festgestellte Reparaturnotwendigkeit in Zweifel zu ziehen.“

Schadengutachten sichern also den Geschädigten und die reparierende Werkstatt.

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