Digitale Schadenerkennung TÜV Rheinland und Control Expert kooperieren für automatisierte Schadengutachten

Redakteur: Dr. Holger Schweitzer

TÜV Rheinland und Control Expert bündeln ihr Know-how, um das Erfassen und Bewerten von Unfallschäden per künstlicher Intelligenz (KI) zu automatisieren. Bereits im kommenden Jahr soll eine erste Anwendung auf den Markt kommen.

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Automatisch Unfallschäden von normalen Gebrauchsspuren unterscheiden: Bereits im kommenden Jahr wollen TÜV Rheinland und Control Expert dies mit marktreifen KI-unterstützten Anwendungen möglich machen.
Automatisch Unfallschäden von normalen Gebrauchsspuren unterscheiden: Bereits im kommenden Jahr wollen TÜV Rheinland und Control Expert dies mit marktreifen KI-unterstützten Anwendungen möglich machen.
(Bild: »F+K«/ Rosenow)

Um dem Ziel näher zu kommen, Unfallschäden digital erkennen, klassifizieren und bewerten zu können, wollen der TÜV Rheinland und Control Expert künftig verstärkt zusammenarbeiten. Wie beide Unternehmen diese Woche verkündeten, soll bei der anvisierten Technologiepartnerschaft das Entwickeln von marktreifen mobilen Anwendungen auf Basis von sogenannter künstlicher Intelligenz (KI) eine zentrale Rolle einnehmen. Die Ziele sind ambitioniert: Bereits im kommenden Jahr wollen die Sachverständigenorganisation und der Prüfdienstleiter die erste KI-basierte Anwendung für die mobile Schadenbewertung auf den Markt bringen.

Damit wolle man das bestehende Geschäft der Schaden- und Wertgutachten mit rund 300 Sachverständigen beim TÜV Rheinland und weiteren 400 Partnern in der TÜV Rheinland FSP künftig durch neu Dienstleistungen ergänzen und ausbauen, so die Kooperationspartner. Die Partnerschaft sei auf mehrere Jahre ausgelegt.

Dr. Matthias Schubert (re.), Executive Vice President Mobility TÜV Rheinland, und Dr. Andreas Witte, Geschäftsführer Control Expert, wollen künftig gemeinsam die Entwicklung von KI-Anwendungen für automatisierte Schadengutachten vorantreiben.
Dr. Matthias Schubert (re.), Executive Vice President Mobility TÜV Rheinland, und Dr. Andreas Witte, Geschäftsführer Control Expert, wollen künftig gemeinsam die Entwicklung von KI-Anwendungen für automatisierte Schadengutachten vorantreiben.
(Bild: TÜV Rheinland)

Erste Anwendung soll Schäden von Gebrauchsspuren unterscheiden

In einem ersten Schritt sollen Methoden für das digitale Erkennen von Schäden entwickelt werden. Dabei soll ein Verfahren entstehen, das Schäden von herkömmlichen Gebrauchsspuren an Fahrzeugen, wie sie in Mietwagen-, Leasing- oder Carsharing-Flotten vorkommen, unterscheiden kann. Hier kommt es den Unternehmen zufolge auf eine zuverlässige Bilderkennung in Kombination mit einer neutralen und fairen Bewertung der Schäden an.

Als Entwicklungsansatz setzt der TÜV Rheinland dabei auf die von Control Expert bereits verwendete KI-basierte Bilderkennung. „Wir forschen seit mehr als zehn Jahren erfolgreich daran, wie mit Hilfe der automatischen Bilderkennung beispielsweise auf einem Foto der Grad von Schädigungen erkennbar wird und sich bewerten lässt“, berichtet Dr. Andreas Witte, Geschäftsführer von Control Expert. Die Forschungsergebnisse des Unternehmens würden bereits bei zahlreichen Kunden in der Praxis angewendet.

KI als Entlastung für Sachverständige

Dieses Know-how wollen die Entwicklungspartner nun mit den Erfahrungen und dem Datenbestand des TÜV Rheinland verbinden, um bisherige KI-Anwendungen weiterzuentwickeln. Wie die Sachverständigenorganisation erklärt, habe dies jedoch keinen Einfluss auf die tägliche Arbeit der Sachverständigen. Vielmehr solle die Automatisierung die Sachverständigen von routinemäßigen Aufgaben entlasten, soweit dies verlässlich möglich sei, betont Dr. Matthias Schubert, der als Executive Vice President Mobility für das weltweite Mobilitätsgeschäft beim TÜV Rheinland verantwortlich ist.

Schubert ergänzt: „Der Faktor Mensch und seine Erfahrungen bleiben auf absehbare Zeit zentral bei der Begutachtung und Bewertung.“ Die Gutachter der Sachverständigenorganisation würden bereits heute bei ihrer Arbeit mobile Endgeräte und Systeme für umfassende Datenbestände und Datenbanken sowie Apps nutzen. Ein Weg, den man konsequent weiter beschreiten wolle, so der TÜV-Rheinland-Experte. Diese Strategie wird auch im verstärkten Ausbau von Produkten für das digitale Schadenmanagement deutlich.

Ausweitung auf die Unfallbegutachtung

Sollte sich der erste Entwicklungsschritt bewähren, kann man sich laut TÜV Rheinland vorstellen, die Technik auf andere Bereiche auszuweiten, wie etwa die Unfallbegutachtung. „Die künftige Schadenbewertung erfolgt zunehmend über stationäre und über mobile Anwendungen mit Hilfe automatisierter Lösungen, die sich der digitalen Bilderkennung bedienen“, erklärt Schubert.

Ein Beispiel dafür sei die von der Sachverständigenorganisation eingesetzte Scantechnologie. Das Ziel sei, diese in marktreifen und verlässlich einsetzbaren Anwendungen mit künstlicher Intelligenz einzubinden, um bei Schaden- und Wertgutachten künftig eine technologisch führende Rolle einzunehmen und weiter zu wachsen, so Schubert.

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