Der US-Iran-Krieg hat energietechnisch weitreichende Auswirkungen – nicht nur auf Kraft- und Heizstoffe. Auch bei Schmierstoffen, allen voran Motorölen, spitzt sich die Lage immer weiter zu. Dabei steigen nicht nur Preise, sondern es kommt bereits zu Lieferengpässen.
Aufgrund des USA-Iran-Kriegs geht es aktuell mit der Lieferfähigkeit von (hochwertigen) Motorölen bergab, während die Preise steigen. Vor diesem Hintergrund hat die Werkstattkette ATU eine Preisgarantie ausgesprochen.
(Foto: A.T.U)
„Auf dem Highway ist die Hölle los“ lautet der deutsche Titel einer alten, bekannten US-Actionkomödie, die dort am 19. Juni 1981 in die Kinos kam. In Anlehnung an diesen Titel dürfte es elf Tage und 45 Jahre später hierzulande heißen „An der Tankstelle ist die Hölle los“. Schließlich läuft dann der sogenannte Tankrabatt aus, den die Bundesregierung als Reaktion auf die stark gestiegenen Kraftstoffpreise für zwei Monate beschlossen hatte. Doch nicht nur Kraftstoffpreise waren als Reaktion auf den US-Iran-Krieg in bislang unbekannte Höhen geschnellt. Nein, auch andere Ölprodukte sind von der Straßensperrung rund um Hormus betroffen.
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Produkte wie z. B. Motorenöle. Und so gibt es allen voran bei der Herstellung hochwertiger Öle seitdem ein Problem. Und das hört auf den Namen „Grundöle“. Sie sind die Basis jeden Motoröls – hinzu kommen die bekannten Additive. Eingeteilt werden Grundöle in fünf Gruppen (römisch: I, II, III und IV, V). Am weitesten verbreitet sind mittlerweile Gruppe-III-Öle, die „Premium“-Gruppe unter den Petroleum-Grundölen. Schuld an besagtem Problem für die Herstellung hochwertiger Motoröle hat die Tatsache, dass mehr als 70 Prozent der europäischen Gruppe-III-Grundölimporte aus der Golfregion stammen. Und da dem so ist, stiegen seit Kriegsbeginn deren Preise auf dem sogenannten Spotmarkt auf bis 2.500 US-Dollar pro Tonne – das ist mehr als doppelt so viel wie zu Kriegsbeginn. Mittlerweile sprechen Experten sogar davon, dass dieser Markt für Grundöle faktisch leer gefegt ist bzw. kaum noch existiert.
Shell-Öle bereits knapp
Doch die Sperrung der Meerenge ist nur das eine Teil des aktuellen Problems, das inzwischen nicht nur zu spürbaren Preissteigerungen, sondern auch zu Lieferschwierigkeiten führt. Denn im Zuge der Kämpfe hatte der Iran den Pearl-GTL-Komplex in Katar bombardiert und eine von zwei Produktionslinien zerstört. Die Anlage betreibt Qatar Energy (Anteil 70 Prozent) zusammen mit Shell (30 Prozent). Die entsprechenden Reparaturen sollen etwa ein Jahr dauern. Und genau diesen Ausfall bekommen mittlerweile auch schon (deutsche) Schmierstoffhändler und Werkstätten zu spüren. Denn vor dem Hintergrund des Wegfalls von ca. 2,5 Millionen Liter Grundöl pro Tag (!) hat Shell bereits die Lieferung von Motorölen in den Aftermarket zugunsten seiner OE-Verträge reduziert. „Für uns haben die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden oberste Priorität. Wir stehen in kontinuierlichem Austausch mit unseren Geschäftspartnern und setzen alles daran, die Marktversorgung weiterhin aufrechtzuerhalten“, teilt eine Shell-Presssprecherin auf Anfrage mit.
„Der Druck auf dem Markt ist sehr groß und die Versorgungslage inzwischen angespannt. Die mit unseren Lieferanten für 2026 vereinbarten Rahmenverträge sind ein großer Vorteil. Gleichwohl führt die Lage am Weltmarkt dazu, dass wir trotz der bestehenden Vereinbarungen lediglich im Rhythmus von zwei bis vier Wochen die Zusage für die vorab disponierten Mengen erhalten. Ungeachtet der Rahmenverträge sind auch wir von massiven Kostensteigerungen betroffen. Und so kamen wir nicht umhin, diese an unsere Kunden bereits weiterzugeben“, gibt Salvatore Coniglio, Geschäftsführer bei Lqiui Moly, unumwunden zu.
Wer nun denkt „Na dann sollen die Ölhersteller halt auf ein anderes Grundöl ausweichen, schließlich gibt’s ja mehrere davon“, denkt zwar nachvollziehbar, aber „falsch“. Die Möglichkeit für Ölhersteller, auf ein anderes Grundöl auszuweichen, gibt es so gut wie nicht, denn besonders Öle, die über eine Herstellerfreigabe verfügen – das sind inzwischen verdammt viele –, unterliegen aufwendigen Freigabeprozessen. Und die kann man nicht „mal eben“ anstoßen, schließlich kosten solche Herstellerfreigaben a) jede Menge Zeit und b) jede Menge Geld. Gleiches gilt im Fall Werkstatt. Denn vorbei sind bei den meisten Fahrzeugen die Zeiten, in denen man unterschiedliche Ölsorten/-Qualitäten in ein und denselben Motor schütten durfte. Mit anderen Worten: Es gibt für diese Motoren keine (legalen/offiziellen) Alternativen.
Besser mal bevorraten!
In Konsequenz beginnt der Teilegroßhandel bereits damit, bestimmte Öle zu horten und sich mit größeren Mengen, so möglich, zu bevorraten. Die Ableitung daraus fürs Kfz-Gewerbe: „Werkstätten pauschal einen Ratschlag zu erteilen, ist nicht möglich. Einerseits sind die Lagerflächen in den Betrieben zu unterschiedlich. Anderseits agieren wir nicht im Direktvertrieb, sondern verkaufen an den Großhandel. Dort gestaltet sich die Warenverfügbarkeit von Händler zu Händler unterschiedlich“, so Salvatore Coniglio. Öle, die über ein breites Einsatzspektrum verfügten, eröffneten den Werkstätten etwas größere Handlungsspielräume wie z. B. das Top Tec 4200 5W-30 New Generation, das sich unter anderem für BMW, Fiat, Mercedes-Benz, Opel, Porsche und Volkswagen eignet.
Stand: 08.12.2025
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Und die Motoren, die nach keiner dezidierten Ölfreigabe verlangen bzw. deren Halter diese ignoriert? „Die haben doch kein Problem“, wird manch einer denken. Doch auch hier heißt es „Falsch gedacht!“ Zwar kann die Grundöl-Gruppe II einen Teil der Nachfrage auffangen, wenn Grundöle der Gruppe III knapp sind – allerdings nur, soweit dies technisch, spezifikationsseitig und freigaberechtlich zulässig ist. In der aktuellen Lage ist diese Ausweichmöglichkeit jedoch begrenzt, weiß Edwin Leber, Geschäftsführer Uniti Bundesverband Energie-Mittelstand e. V., auf »kfz-betrieb«-Anfrage zu berichten. Schuld daran hat ebenfalls der Krieg in der Golf-Region. Denn viele Ölraffinerien haben die Flexibilität, aus dem Rohprodukt Vakuumgasöl sowohl Dieselkraftstoff als auch Grundöle der Gruppe II zu produzieren. Je nachdem, wo die höchsten Margen zu erzielen sind, wird die Produktion dementsprechend gesteuert. Und nachdem gerade vor allem Diesel auf dem Weltmarkt heißt begehrt ist, heißt das was? Ganz genau: Die Raffinerien produzieren mehr Diesel auf Kosten von Grundölen.
Mit anderen Worten: Auch die Verfügbarkeit von Gruppe-II-Grundölen dürfte bald unter Druck geraten. „Das Problem ist: Andere Rohstoffe, wie PAO (Gruppe-IV-Öle), sind etwas teurer und für neue Zusammensetzungen braucht es zudem ebenfalls neue bzw. zusätzliche Herstellerfreigaben. Dafür müssten neue aufwendige, zeitintensive Tests mit entsprechenden Kosten durchgeführt werden“, bringt es Edwin Leber auf den Punkt. Auf Deutsch: Auch diese Alternative ist keine. Von daher werden die Preise auch für Motoröle erst mal nur die eine Richtung gehen: nach oben – leider.