Recht

Unfallschaden plus Unfallschaden

| Autor: Joachim Otting

Rechtsanwalt Joachim Otting informiert über die aktuelle Rechtsprechung.
Rechtsanwalt Joachim Otting informiert über die aktuelle Rechtsprechung. (Bild: Otting)

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Es ereignet sich ein Unfall mit Schaden am Fahrzeug. Nun kommt im räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit dem Unfall ein weiteres Ereignis hinzu, wodurch ein weiterer Schaden am bereits beschädigten Objekt entsteht. Im schlechtesten Fall, sind die Schäden überlappend, und so rutscht der Betroffene in die Position, die Schadenanteile auseinanderdividieren zu müssen. Muss er das wirklich, oder kann er auch den weiteren Schaden dem Erstschädiger zurechnen? In diesem Fall läge der Schwarze Peter bei diesem.

LG Stuttgart: Der Fall eines Bergeschadens

Ein Urteil des LG Stuttgart vom 29.3.2018 – 16 O 461/17 zeigt, dass sich der Geschädigte nicht auf die Diskussionen mit den zwei Schädigern einlassen muss.

Das verunfallte Fahrzeug wurde von einem Abschleppunternehmer geborgen. Dabei entstand am Fahrzeug ein weiterer und zweifelsfrei dem Bergevorgang zuzuordnender Schaden. Der Geschädigte wollte auch diesen Schadenanteil beim Erstschädiger durchsetzen. Die naheliegende Überlegung: Der Bergeschaden wäre ohne den Unfall nicht entstanden. Noch unmittelbarer und zeitnaher als der Abschleppvorgang kann ein weiterer Vorgang bezogen auf den Erstunfall kaum sein. Der Haftpflichtversicherer des Erstschädigers wollte damit jedoch nichts zu tun haben. Zu Unrecht, denn der innere Zusammenhang zur Unfallverursachung durch den Schädiger ist völlig offensichtlich. Das hat das LG Stuttgart genauso gesehen. Der Zusammenhang ist durch das Hinzutreten des weiteren Beteiligten nicht unterbrochen.

So sieht es auch der BGH: Der Erstschädiger hat den Geschädigten in die Gefahrenlage gebracht, die sich mit dem Zweitschaden realisiert. So hat der BGH dem Unfallverursacher sogar zugerechnet, dass dem Geschädigten in der Unübersichtlichkeit der Situation ein unbekannt gebliebener Dritter Gegenstände aus dem Fahrzeug entwendet hat.

Mit einer Nebenbemerkung sagt das LG Stuttgart, die Zurechnung würde selbst dann noch gelten, wenn ein Schaden bei der Verbringung zum Lackierer entstehe. Auch das deckt sich mit der BGH-Rechtsprechung, wonach Werkstattfehler dem Schädiger zuzurechnen sind.

Der Zweitschädiger haftet jedoch dem Erstschädiger. Das alles entlastet aber nicht den Zweitschädiger. Denn der Erstschädiger kann im Innenverhältnis zum Zweitschädiger Regress nehmen. Der große Vorteil für den Geschädigten ist dabei: Abgrenzungsprobleme müssen die Schädiger unter sich ausmachen. Da ist der Geschädigte fein raus. ■

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