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LEVC Vom Londoner Taxi zum Elektrovan

| Autor: Andreas Grimm

„London Taxi“ hat sich schon länger aus alten Traditionen gelöst. Das Produkt selbst, das Taxi-Fahrzeug mit seinen sechs Fahrgastplätzen, blieb – wenn auch elektrisch. Nun steigt der Hersteller, der inzwischen LEVC heißt, ins Nutzfahrzeuggeschäft ein. Auch in Deutschland.

Der Van von London Taxi, genannt VN 5, soll Anfang 2021 auch in Deutschland erhältlich sein.
Der Van von London Taxi, genannt VN 5, soll Anfang 2021 auch in Deutschland erhältlich sein.
(Bild: LEVC)

Der zum Geely-Konzern gehörende Elektroautobauer LEVC nimmt einen elektrisch angetriebenen E-Transporter ins Programm. Das Modell namens VN5 ist ab sofort bestellbar und soll bis Jahresende zunächst als Rechtslenker auf den Markt kommen. Ab März 2021 werden dann die Linkslenker-Modelle ausgeliefert. Die Technik ist dabei bereits bewährt: der VN5 basiert auf der Plattform des auch in Deutschland vertriebenen Modells TX, der modernen Version des London Taxi mit seinen sechs Fahrgastplätzen in einer geräumigen Fahrgastzelle. Der Preis für den Lieferwagen liegt umgerechnet bei rund 52.000 Euro.

Im VN5 wird aus dem Passagierraum nun ein Laderaum, der über eine seitliche Schiebetür und asymmetrisch geteilte Hecktüren zugänglich ist. Die Zuladung beträgt 5,5 Kubikmeter bei einer maximalen Nutzlast von 830 Kilogramm. Von der Fläche her soll der Laderaum zwei Euro-Paletten aufnehmen können. Die reine Elektroreichweite beträgt 93 Kilometer, mit Range-Extender sind es laut LEVC 484 Kilometer.

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Der für den Stadtverkehr gedachte Transporter wird von einem 110 kW/150 PS starken E-Motor angetrieben, der von einer 31 kWh großen Batterie mit Strom versorgt wird. Wenn der Vorrat nach knapp 93 Kilometern (WLTP) erschöpft ist, springt ein Dreizylinder-Turbobenziner ein und lädt die Batterie während der Fahrt nach. An der Steckdose soll sich die Batterie mit bis zu 50 kW in 30 Minuten laden lassen – „nicht länger, als das Be- und Entladen im Depot dauert“, wirbt der Hersteller.

In Deutschland ist derzeit ein Vertriebsnetz am Entstehen. Dem Vernehmen nach sind hierzulande rund 20 Händler angedacht. Mit dem Autohaus Markötter in Bielefeld ging der erste Vertriebspartner vor wenigen Tagen offiziell an den Start. Weitere vier Händler sind derzeit als Servicepartner aktiv. Sie kommen in der Regel aus der Volvo-Organisation – wie die London Electric Vehicle Company (LEVC) gehört der schwedische Autobauer zum Geely-Konzern.

Das Portfolio der LEVC bestand bisher nur aus der modernen Auflage des „Black Cab“ mit teilelektrischem Antrieb. Um zu expandieren, arbeitete das zum chinesischen Geely-Konzern gehörende Unternehmen an einer weiteren Baureihe: dem elektrifizierten Lieferwagen. Die Einführung hatte sich zunächst allerdings verzögert. „VN“ steht übrigens für Van (auf Deutsch „Lieferwagen“) und für die Zahl des Ladevolumens von gut 5 Kubikmetern.

„Unser neuer VN5 steht für unsere Transformation von einer ikonischen britischen Taxi-Marke zu einem führenden Hersteller von elektrischen Nutzfahrzeugen“, hatte Firmenchef Joerg Hofmann, der zuvor Top-Manager bei Audi war, bereits Anfang des Jahres erklärt. „Nach unserem Erfolg mit dem TX im Taxi-Markt soll nun der VN5 die grüne Logistik revolutionieren.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte LEVC etwa 3.800 Einheiten weltweit verkauft. Zahlen für Deutschland nannte der Hersteller nicht. Hierzulande sind fünf LEVC-Partner aktiv, der Verkauf läuft aber wohl bislang nur über die Zentrale in Frankfurt. In der Heimat Großbritannien sollen es bis Jahresende 50 Partner werden.

Elektrovan in drei Varianten

LEVC stellt für den VN5 attraktive Betriebskosten in Aussicht. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Transporter mit Dieseltechnik soll zudem eine „signifikante“ Kraftstoffeinsparung möglich sein. Eine Batteriefüllung sei in einem günstigen Elektrofahrzeugtarif für weniger als 2 Euro zu haben. Das Fahrzeug sei außerdem durch die leichte Aluminium-Konstruktion resistent gegen Rost und Dellen. Sorgen wegen der Batterie-Lebensdauer tritt LEVC mit einer entsprechenden Garantie entgegen: Sie gilt für fünf Jahre oder 240.000 Kilometern für das Fahrzeug selbst und für acht Jahre/240.000 Kilometer für die Batterie.

Der VN5 ist in drei Varianten verfügbar: Business, City und Ultima. Alle VN5-Modelle sind serienmäßig mit einer autonomen Notbremsfunktion (AEB), Front- und Seitenairbags für Fahrer und Passagiere, Tempomat, einem 9-Zoll-Touchscreen, einer Zweizonen-Klimaautomatik sowie einem 50 kW DC-Schnellladesystem und einer 11 kW AC-Lademöglichkeit ausgestattet. In der City-Variante wird die Ausstattung um eine beheizte Frontscheibe, eine Einparkhilfe vorne und hinten, Vorhang-Airbags und einen Spurwechselwarner ergänzt, während die Spitzenausstattung der Ultima-Variante eine Rückfahrkamera, Luxussitze, eine Metallic-Lackierung sowie eine 22 kW AC-Lademöglichkeit umfasst.

Mit sechs verfügbaren Optionspaketen können Kunden die Fahrzeuge auf ihre individuellen Präferenzen zuschneiden. So umfasst das Komfortpaket beispielsweise bessere Sitze für Fahrer und Passagiere, Satellitennavigation, ein Staufach unter dem Sitz und eine beheizte Frontscheibe. Den Innenraum im Fahrerbereich teilt der VN5 grundsätzlich mit dem TX. Die Einstellungen werden über einen großen, zentral positionierten Touchscreen-Bildschirm mit intuitiv zu bedienender Schnittstelle gesteuert. Staumöglichkeiten in Türen, Handschuhfach und Mittelkonsole erleichtern die Ordnung.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«