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Unfallreparatur Wertverbesserungsabzug auf Lackierkosten

Autor / Redakteur: Rechtsanwalt Joachim Otting / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Dass ein Auto eine Wertverbesserung erfahren hat, weil nach einem Unfall beispielsweise der Kotflügel neu lackiert wurde, ist wohl ziemlich weit hergeholt. Dennoch versucht dies derzeit ein Baden-Württemberger Versicherer.

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(Foto: Wenz)

Ein Stuttgarter Versicherer fällt aktuell mit folgendem Abrechnungsschreiben auf: „Die Lackierung des Fahrzeugs unterliegt dem allgemeinen Verschleiß. Somit erfolgt durch die unfallbedingte Neulackierung eine Wertverbesserung, wodurch sich der Abzug ergibt.“ In einem hier vorliegenden Fallbeispiel war das betroffene Fahrzeug knapp zwei Jahre alt. Eine Wertverbesserung ist ein Fall des Vorteilsausgleichs, ebenso wie der Neu-für-alt-Abzug. Beides setzt voraus, dass dem Geschädigten ein wirtschaftlich verwertbarer Vorteil entsteht. Nur theoretische Vorteile genügen dabei nicht. Wenn jemand das Fahrzeug zum Verkauf anbietet und 100 Euro mehr verlangt, weil immerhin der Kotflügel unfallbedingt neu lackiert sei, geht der Schuss sicher nach hinten los: Nanu, ein Unfallfahrzeug? Das muss ja ohnehin offenbart werden, und dass deshalb jemand einen höheren Preis bezahlt, ist wenig wahrscheinlich. Im Gegenteil. Wie vor diesem Hintergrund eine Wertverbesserung begründet werden soll, ist unerfindlich.

Neu für alt

Anders kann es sein, wenn nachweislich Vorbeschädigungen (Steinschlag bis aufs Blech oder massive korrosionsgefährdende Schrammen) vorgelegen haben. Das bedarf aber eines detaillierten Vortrags. Pauschale Behauptungen reichen nicht. Betrachtet man das Ganze unter dem Neu-für-alt-Aspekt, lautet die Faustregel: „Ein Neu-für-alt-Abzug ist dann berechtigt, wenn der Geschädigte durch die Unfallschadenreparatur eine spürbare und zeitnahe eigene Investition in das Fahrzeug erspart.“ Mit dieser Formel erreicht man in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung, dass nur theoretische Vorteile, die sich im Portemonnaie des Geschädigten nicht auswirken, aussortiert werden. Das muss so sein, weil der Neu-für-alt-Abzug nicht am Objekt, sondern in der Geldbörse des Geschädigten vorgenommen wird. Der darf nur solches Geld entnommen werden, das durch die Schadenbehebung dort hineingespült wurde. Ein Beispiel aus der Rechtsprechung: Der Ersatz eines leicht angeschrammten Stoßfängers durch einen neuen begründet keine Wertverbesserung, sagt das AG Darmstadt mit Urteil vom 10.6.2015 – 308 C 52/14. Das Gericht sagt dazu: „Eine Stoßstange ist auch kein Verschleißteil, das sich bei jeder Fahrt abnutzt. […] Aufwendungen für zukünftige Instandhaltungen erspart die Klägerin dadurch nicht, es ist auch nicht zu erkennen, dass sich die Wertverbesserung anderweitig im Vermögen der Klägerin niederschlägt und das Fahrzeug durch die neue Stoßstange im Wert steigt.“

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