ZKF „Wir haben uns digitalisiert“

Die Pandemie des Jahres 2020 habe der Branche viel abverlangt, so ZKF-Präsident Peter Börner. Und das neue Jahr 2021 startet gleich mit der Herausforderung eines strengen Lockdowns. Doch der ZKF-Präsident sieht auch Aspekte und Gründe, zuversichtlich in das neue Jahr zu starten.

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ZKF-Präsident Peter Börner erwartet zwar keine schnelle Marktverbesserung, schaut aber zuversichtlich in die Zukunft der Branche.
ZKF-Präsident Peter Börner erwartet zwar keine schnelle Marktverbesserung, schaut aber zuversichtlich in die Zukunft der Branche.
(Bild: Peter Börner)

Redaktion: Was waren aus Verbandssicht die größten Herausforderungen für die Branche im Jahr 2020?

Peter Börner: Für das herstellende Gewerbe war ganz sicherlich die Material- und Fahrgestellbeschaffung die große Herausforderung. Der Lockdown im Frühjahr 2020 hat die Bänder der Industrie stillstehen lassen, wodurch die Aufbauhersteller keine Waren bekommen haben. Durch den Vorlauf waren aber Lieferzeiten vereinbart, die dann nicht eingehalten werden konnten. Hinzu kamen zurückhaltende Auftraggeber, welche die Entwicklung teilweise noch immer abwarten und weniger Aufträge positionieren. Ähnlich lief es im reparierenden Gewerbe.

Aber auch Kurzarbeit, Förderhilfen, Hygienemaßnahmen, Kundenkontakte und seitenweise andere Themen, die zur Bewältigung der Aufgaben erforderlich waren, haben die Betriebe gefordert. Bei der reinen Unfallreparatur können wir recht gut anhand der Ersatzteilbestellungen den Jahresverlauf der Auftragssituation in den Werkstätten nachvollziehen: Da fehlten in den zwei Wochen rund um Ostern 2020 gut 80 Prozent der Aufträge. Über das Jahr hat sich das dann bei einem Minus von etwa 15 Prozent gegenüber dem Auftragsvolumen des Vorjahres eingependelt.

Wie hat der Verband die Mitgliedsbetriebe in der Pandemie unterstützt?

Peter Börner: Schon seit der ersten Woche des Lockdowns im März 2020 hat der ZKF ein „Feuerwerk“ an Informationen, Maßnahmen und Hilfestellungen abgeliefert. Die wirklich lange zweiseitige Auflistung der Unterstützungen findet sich im Jahresmagazin des Verbands wieder. Ich bin jedesmal selbst überrascht, was hier alles geliefert und angepasst wurde. Das ist eine herausragende Leistung, dank der umfassenden Vernetzung des ZKF und der handelnden Kompetenzen, die in der Handwerksorganisation ihresgleichen sucht.

Darüber hinaus haben wir Messen, Lehrgänge und Schulungen auf digital umgestellt, das Thema Kurzarbeitergeld umfassend bearbeitet sowie Themen wie rechtliche Folgen bei Leistungsausfällen, Stundungen von Beiträgen, Erlass und Stundung von Gewerbesteuer, KfW-Programme, Zuschüsse und vieles mehr sofort aufgegriffen und bearbeitet. Das soll aber nicht der Corona-Effekt gewesen sein, das soll unser Anspruch für die Zukunft bleiben.

Wie schätzt der Verband das Jahr 2021 ein – gibt es positive Signale?

Peter Börner: Vorerst sehen wir noch keine Erholung auf dem Markt. Ein ausgebliebener Unfallschaden wird nicht nachgeholt. Wir hoffen aber, dass eine ausgebliebene Nutzfahrzeugbeschaffung bald nachgeholt wird. Sollten im Februar die Beschränkungen gelockert werden und der Verkehr sich langsam wieder auf Normalniveau bewegen, dann können wir bei einer gleichzeitig wirkenden Impfstrategie gegen Jahresmitte mit einer Erholung rechnen. Das ganze Jahr 2021 wird aber nach unseren Einschätzungen trotz sich andeutender Erholung für ein Minus von 15 bis 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019 sorgen.

Positive Signale für die Branche wären jetzt: sichere Planung für die Stundensätze, Ausgleich für nicht erbrachtes und vereinbartes Auftragsvolumen, Sicherheit bei den Margen der Ersatzteile sowie Zugeständnisse bei den erforderlichen Arbeiten und Kosten. Dann könnten die Betriebe in Personal und Ausstattung investieren, was dringend notwendig wäre. Noch bleiben diese Signale aus. Zusammen mit den Partnerverbänden arbeiten wir aber ernsthaft an Lösungen zu diesen Themen.

Welche Gefahren bestehen für 2021, und wie können die Betriebe sich darauf einstellen?

Peter Börner: Die größte Gefahr ist, dass Gesellschaft und Medizin die Pandemie nicht in den Griff bekommen und die Betriebe weiterhin auf sehr niedrigem Niveau arbeiten müssen. Dann sind Personalentscheidungen und Einsparoptionen gefragt, die sich wiederum nachhaltig auf die Zukunft der Betriebe auswirken würden. Soweit darf es nicht kommen. Wenn es zwischen Auftraggeber und Werkstatt bis März 2020 „wir“ geheißen hat, dann muss es auch 2021 „wir“ heißen. Dafür werden „wir“ uns einsetzen. Den Betrieben sei aber der Ratschlag erlaubt, sich nicht gänzlich auf die Schadenlenkung und wenige Auftraggeber zu konzentrieren. Das ist noch nie gut gegangen. Unser Beruf und unsere Tätigkeiten sind so vielfältig, dass sich neben den bleibenden Kernaufgaben andere Aufgabengebiete erschließen können, bei denen der Stundensatz keine so bedeutende Rolle spielt.

Gab es auch positive Ereignisse in der Pandemie? Und welche Signale gehen dadurch in die Branche?

Peter Börner: Auch wir in einem sicherlich konservativen Handwerk digitalisieren uns – getrieben von den Herausforderungen der Pandemie. Lehrgänge und Schulungen, soweit das möglich ist, aber auch Arbeitsprozesse und der Kundenkontakt werden hinterfragt und zur Debatte der Digitalisierung gestellt. Das ist gut und bringt uns ein Stück weiter. Digitalisierung macht aber nur Sinn, wenn sie Potenziale birgt. Oft muss aber der Handwerksbetrieb digitale Lösungen von seinem Auftraggeber akzeptieren, die nicht zu Erleichterungen in seinem Betrieb, sondern vornehmlich beim Auftraggeber führen. Das muss geändert werden – und hier haben wir für die Betriebe in den nächsten Jahren viel vor.

Was sind Ihre persönlichen Erwartungen an das Jahr 2021?

Peter Börner: Ich erwarte eine baldige, aber langsame Erholung des Marktes. Allerdings wird sie voraussichtlich nicht mehr zu dem Verkehrs- und Unfallaufkommen im Jahr 2019 führen. Durch Videokonferenzen, sich verändernde Märkte und Verhaltensmuster, Technik im Fahrzeug und die strukturellen Veränderungen im Erstzulassungsverhalten wird sich die Auftragsstruktur in den Betrieben wandeln. Ich hoffe sehr, dass dies im Gleichklang mit den sinkenden Ausbildungszahlen einhergeht und immer genügend Handwerker für die Reparatur der Unfälle und Herstellung der Aufbauten bereitstehen. Gewinner bleiben die Onlinemärkte und Dienstleister der Digitalisierung. Wir finden aber unseren Weg. Die Mobilität wird bleiben – allerdings ein bisschen anders als bisher.

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Über den Autor

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Chefredakteur, Redaktion »Fahrzeug+Karosserie«