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IFL Zusätzlicher Aufwand durch Kürzungen

| Redakteur: Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

In der von der Interessengemeinschaft Fahrzeugtechnik und Lackierung e. v. (IFL) herausgegebenen Liste „frei wählbare Arbeitspositionen“ gibt es auch eine Position für den Aufwand, der durch ungerechtfertigte Rechnungskürzungen verursacht wird.

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Betriebe sollten den Aufwand, der durch ungerechtfertigte Rechnungskürzungen entsteht, den Versicherungen in Rechnung stellen, sagt die IFL.
Betriebe sollten den Aufwand, der durch ungerechtfertigte Rechnungskürzungen entsteht, den Versicherungen in Rechnung stellen, sagt die IFL.
(Bild: Wenz)

Laut der Interessengemeinschaft Fahrzeugtechnig und Lackierung (IFL) macht das unveränderte Kürzungsverhalten der Versicherer und deren Prüfdienstleister es erforderlich, die für die Reparaturfachbetriebe dadurch anfallenden Aufwendungen zusätzlich in Rechnung zu stellen.

Um den Betrieben rechtliche Sicherheit bei Anwendung der IFL-Position 69 zu geben, hat die IFL das Thema mit Rechtsanwalt Matthias Nickel (Fachanwalt für Verkehrsrecht) erörtert und nachfolgende Informationen zusammengestellt (siehe hierzu auch »F+K« Ausgabe 9/2019):

Kommt es in einem Haftpflichtschaden zu einer Rechnungskürzung und führt der Betrieb langwierige Diskussionen mit dem Versicherer oder Prüfdienstleister wegen der einen oder anderen Reparaturkostenposition, so kann dieser Mehraufwand unter bestimmten Voraussetzungen dem Versicherer berechnet werden.

Voraussetzung der Berechnung des Mehraufwandes gemäß IFL-Position Nr. 69 ist:

  • erstens, dass es sich um eine unberechtigte Rechnungskürzung handelt,
  • zweitens, dass der Kunde den Reparaturbetrieb förmlich beauftragt hat, die Notwendigkeit der beanstandeten Reparaturpositionen gegenüber dem Versicherer nachzuweisen
  • und drittens, dass der Versicherer frühzeitig auf die möglichen weiteren Kosten hingewiesen wurde.

Auf der Hand liegt, dass ein Mehraufwand vom Betrieb nur dann abgerechnet werden kann, wenn die Reparaturpositionen im Prüfbericht zu Unrecht beanstandet werden. War die Rechnung unzutreffend, dann kann der Betrieb keinen Mehraufwand abrechnen. Erforderlich ist, dass der Kunde den Reparaturbetrieb beauftragt, sich mit dem Versicherer über den technischen Hintergrund der beanstandeten Reparaturkostenpositionen auseinandersetzt.

Dies ist vor allen Dingen deshalb wichtig, weil der Reparaturbetrieb dem Kunden zwar die Rechnung erläutern muss, diese Nebenpflicht aus dem Werkvertrag aber nicht so weit geht, dass sich der Reparaturbetrieb mit einem Dritten (Prüfdienstleister oder Versicherer) über die einzelnen, beanstandeten Positionen aus der Rechnung auseinanderzusetzen hätte.

Diskutiert der Betrieb mit dem Versicherer/Prüfdienstleister, so nimmt er vielmehr die Interessen seines Kunden wahr, der als Geschädigter in einem Haftpflichtfall die Erforderlichkeit der abgerechneten Reparaturpositionen beweisen muss und dabei auf die fachliche Hilfe des Betriebes angewiesen ist.

Die Vereinbarung mit dem Kunden sollte spätestens bei Fertigstellung der Reparatur getroffen werden. Wir können hier folgenden Formulierungsvorschlag unterbreiten:

Herr/Frau … beauftragt hiermit die Firma … im Falle einer Beanstandung der

Reparaturrechnung durch den eintrittspflichtigen Versicherer diesem die

Notwendigkeit der beanstandeten Reparaturpositionen nachzuweisen. Als Vergütung

wird die Pauschale gemäß IFL-Position Nr. 69 vereinbart.

Ort … Datum …

Unterschrift Kunde, Unterschrift Betrieb

Die Vereinbarung muss dem Versicherer spätestens mit der Abrechnung über die weiteren Kosten vorgelegt werden.

Im Schadenersatzrecht ist anerkannt, dass Mehrkosten nur dann mit Erfolg realisiert werden können, wenn der Zahlungspflichtige frühzeitig darauf hingewiesen wird, dass er durch sein Verhalten den Anfall von Mehrkosten beeinflussen kann. Nach § 254 Abs. 2 BGB muss der Versicherer darauf hingewiesen werden. Der Hinweis muss spätestens erfolgen, wenn die Reparaturrechnung an den Versicherer geschickt wird. Die Formulierung im Anschreiben an den Versicherer könnte wie folgt lauten:

„Wir weisen darauf hin, dass uns unser Kunde im Falle einer Rechnungskürzung beauftragt hat, die technische Notwendigkeit möglicher beanstandeter Positionen gegenüber dem eintrittspflichtigen Versicherer zu belegen. Dadurch fallen zusätzliche Kosten an, die wir gemäß der Ihnen bekannten IFL-Liste, Position Nr. 69, pauschal mit 45,82 Euro netto (Stand 2019) abrechnen werden.“

Wichtig ist, dass die Pauschale nach der IFL-Position 69 nur dann abgerechnet werden kann, wenn eine vertragliche Vereinbarung mit dem Kunden getroffen wurde und der Versicherer frühzeitig, d.h. spätestens bei Überlassung der Rechnung, darauf hingewiesen wurde.

FAZIT:

Vereinbaren Sie mit dem Kunden bzw. Auftraggeber die oben genannten Schritte und Vorgehensweisen und dokumentieren Sie diese schon im Auftragsumfang. Damit sichern Sie sich von Vornherein gegen nachfolgend zu erwartende nicht berechenbare Aufwendungen ab.

Verzichten Sie nicht auf die Kalkulation und Berechnung von tatsächlich erforderlichen und durchgeführten Arbeitsaufwendungen und Materialien für fachgerechte und vollständige Unfallschadenreparaturen-/Lackierungen. Überprüfen Sie im Kaskofall gemeinsam mit dem Kunden die AKBs auf evtl. Ausschlüsse. In jedem Fall entscheidet der Karosserie- oder Lackierfachmann bzw. der Sachverständige über den Reparaturverlauf. Überprüfen Sie die tagesaktuellen Fahrzeug-Herstellerinformationen. Nutzen Sie die Informationen auf er Internetseite: www.ifl-ev.de

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