Würzburger Karosserie- und Schadenstage Der Weg zum Handwerk 4.0

Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Jochen Kleemann und Thomas Leuchten, PPG Deutschland Sales & Services GmbH, erläuterten gemeinsam mit dem K&L-Unternehmer Detlev Thedens, wie sich ein bestehender Betrieb zukunftsorientiert umgestalten lässt.

Firmen zum Thema

(Bild: Rainer Wengel)

Seit rund drei Jahren befasst sich der Hildener Lacklieferant PPG damit, ob sich industrielle Prozesse auch für handwerkliche Strukturen eignen. Jochen Kleemann, National Sales Director Automotive Refinish Germany bei der PPG Deutschland Sales & Services GmbH, ist überzeugt: „Sie tun es.“ Dabei ginge es darum, die Arbeitsplätze nach industriellen Standards zu gestalten, um dadurch die Produktivität, die Qualität und letztlich auch die Rentabilität zu erhöhen.

„Wir dürfen es nicht dem Zufall überlassen, ob wir künftig noch aktiv für den Kunden arbeiten, oder ob unsere Betriebe für ihn noch attraktiv sind“, führte Kleemann aus. Er zeigte anhand der fünf Megatrends Digitalisierung, Kapazitätsplanung, Wertschöpfung, qualifizierte Fachkräfte und Produktionskosten auf, wie Betriebsinhaber Potenziale in ihren Unternehmen heben können. So bringe die Optimierung der Betriebsabläufe eine Produktivitätssteigerung von 10 bis 20 Prozent, die Lagerbestände könnten um bis zu 70 Prozent heruntergefahren werden und durchdachte Laufwege würden pro Mitarbeiter bis zu 100 Stunden pro Jahr verbesserten Zeitaufwand bringen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 21 Bildern

Um das zu erreichen, bediene man sich bei PPG gerne der Ansätze aus dem Lean Management. Thomas Leuchten, Technical Manager DACH bei PPG, erklärte, was sich dahinter verbirgt: „Hierbei geht es um die verschiedenen Arten der Verschwendung – auch Waste oder Abfall genannt. Das ist alles im Prozess, was keine Wertschöpfung bringt." Leuchten verdeutlichte dies unter anderem an einem Laufdiagramm eines Mitarbeiters in der Lackiervorbereitung. Die Summe der zurückgelegten Wege ergab etwa 3,7 Kilometer, wofür der Mitarbeiter pro Tag etwa eine Stunde braucht, also 220 Stunden im Jahr, nur um irgendwelche Materialien zu beschaffen. Die Optimierung der Abläufe habe diesen Zeitaufwand um rund 52 Prozent, also 114 Stunden, reduziert.

Die beiden PPG-Manager zeigten die Verbesserungsvorschläge nicht nur in der Theorie. Vielmehr ermöglichten sie den Teilnehmern der Würzburger Karosserie- und Schadenstage per Video-Übertragung einen Blick in den K&L-Betrieb von Detlev Thedens in Düsseldorf. Dieses Unternehmen wurde im vergangenen Jahr nach den oben genannten Gesichtspunkten konzeptionell komplett neu aufgestellt. Die Teilnehmer konnten sich so ein Bild davon machen, welches Potenzial durch den ganzheitlichen Blick auf ein Unternehmen freigesetzt werden kann. Mehr zum Thema Lean Management und optimale Abläufe lesen Sie in der kommenden Ausgabe des Kfz-Schadenmanagers im Mai 2017.

Die Würzburger Karosserie- und Schadenstage veranstalten die Fachzeitschriften »Fahrzeug+Karosserie«, »Kfz-Schadenmanager« und Kfz-Betrieb mit Unterstützung der Sponsoren Adelta.Finanz, Automechanika, Carbon, DAT, Dekra und Nexa Autocolor. In diesem Jahr besuchten rund 760 Teilnehmer die Veranstaltung. Insgesamt waren 70 Aussteller im Vogel Convention Center vertreten. Die nächsten Würzburger Karosserie- und Schadenstage finden am 13./14. April 2018 statt.

(ID:44639384)