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Datenraum Mobilität Prüforganisationen fordern Zugang zu Fahrzeugdaten

Autor: Dr. Holger Schweitzer

In einem gemeinsamen Positionspapier fordern die Prüforganisationen TÜV, Dekra, GTÜ, KÜS und VÜK direkten Zugang zu relevanten Daten aus Fahrzeugen. Sie appellieren damit an den Gesetzgeber, beim „Datenraum Mobilität“ die Fahrzeugprüfung mit zu berücksichtigen.

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Ob mit dem HU-Adapter oder künftig auch Over-the-Air: Die Prüforganisationen sehen den Zugang zu sicherheits- und umweltrelevanten Fahrzeudaten als unerlässlich an.
Ob mit dem HU-Adapter oder künftig auch Over-the-Air: Die Prüforganisationen sehen den Zugang zu sicherheits- und umweltrelevanten Fahrzeudaten als unerlässlich an.
(Bild: KÜS)

Prüforganisationen müssen direkten Zugang zu sicherheits- und umweltrelevanten Daten aus Fahrzeugen haben, um elektronische und vernetzte Bauteile prüfen zu können. Das verlangen TÜV, Dekra, GTÜ, KÜS und VÜK in einem gemeinschaftlichen veröffentlichen Positionspapier im Vorfeld zum Autogipfel, der in dieser Woche stattfand. Nur so könnten die Sachverständigenorganisationen ihrem hoheitlichen Prüfauftrag auch in Zukunft gerecht werden, heißt es in der Mitteilung.

Beim in Berlin stattfindenden Autogipfel will die Bundesregierung die Fahrzeughersteller davon überzeugen, einer gemeinsamen Datenplattform beizutreten. „Die Themen Verkehrssicherheit und Umweltschutz kommen bei der Diskussion um die Schaffung eines ‚Datenraums Mobilität‘ viel zu kurz“, machen die Prüforganisationen hierzu in ihrem gemeinsamen Statement deutlich. So müsse die Fahrzeugprüfung auf der Grundlage von Datenanalysen und Software-Checks neu definiert werden, erklären die Unternehmen. Dies sei insbesondere aufgrund der zunehmenden Digitalisierung der Fahrzeugtechnik, dem Trend zur Elektromobilität sowie der steigenden Anforderungen an die Umweltverträglichkeit unerlässlich.

Software muss ein Autoleben lang sicher sein

Die Prüforganisationen weisen beispielsweise darauf hin, dass die Sicherheit moderner Autos immer mehr von digital gesteuerten Systemen wie Spurhalte-, Notbrems- oder Abstandsassistenten abhängt. Dafür müsse gewährleistet sein, dass diese Systeme über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs zuverlässig funktionieren.

Gleiches gilt den Unternehmen zufolge bei der Umweltverträglichkeit. Auch hier bestimme Software beispielsweise dadurch, wie sie die Abgasbehandlung regelt, wie umweltverträglich ein Auto ist. Nicht zuletzt würden die Kfz-Hersteller ihre Autos regelmäßig mit Software-Updates versehen, die Funktionen verbessern oder ändern – mit möglichen Auswirkungen auf die Sicherheit oder Umwelteigenschaften eines Fahrzeugs, so die Prüforganisationen.

Trust-Center sollen Zugang gewährleisten

Als mögliches Konzept für einen diskriminierungsfreien Zugang zu den für sie relevanten Daten schlagen die Prüforganisationen ein sogenanntes Trust-Center vor. Darüber sei im staatlichen Auftrag zu regeln, wer zu welchen Zwecken auf bestimmte Fahrzeugdaten zugreifen dürfe. So müsse für hoheitliche Aufgaben wie die Fahrzeugüberwachung, die Aufklärung schwerer Straftaten oder die Ermittlung von Unfallursachen der Datenzugang gesetzlich zugesichert werden.

Darüber hinaus soll das Trust-Center-Konzept das notwendige Vertrauen in einen freiwilligen Datenaustausch zwischen Fahrzeugherstellern, Verkehrsunternehmen, Mobilitäts- und Logistikdienstleistern und weiteren Akteuren fördern. In ihrem Positionspapier erklären sich die Prüforganisationen dazu bereit, am Aufbau eines „Datenraums Mobilität“ mitzuwirken und ihre Expertise in Sicherheitsfragen einzubringen.

Die Forderungen der Prüforganisationen im Detail:

  • 1. Rechtlichen Rahmen für den Zugriff auf Fahrzeugdaten schaffen: Es wird gefordert, dass die Gesetzgeber in Berlin und Brüssel gesetzlich regeln, welche Akteure unter welchen Voraussetzungen auf welche Fahrzeugdaten zugreifen dürfen. Im Mittelpunkt steht der Halter bzw. Nutzer des Fahrzeugs als Dateneigner.
  • 2. Zugang für hoheitliche Aufgaben sicherstellen: Für die hoheitliche Aufgabe der Fahrzeugüberwachung über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs sehen die Prüforganisationen einen diskriminierungsfreien Zugang zu den relevanten Originaldaten der Fahrzeuge als erforderlich, auch Over-the-Air. Das müsse die Grundlage für die Entwicklung neuer Bewertungs- und Prüfmethoden von automatisierten und vernetzten Fahrzeugen bilden.
  • 3. Cybersecurity und Datenschutz beim Datenzugang sicherstellen: Die Einhaltung höchster Cybersecurity-Anforderungen sowie des Datenschutzes nach DSGVO sollen nach Ansicht der Prüforganisationen nach internationalen Standards zertifiziert werden.
  • 4. Trust-Center für den Zugang zu Fahrzeugdaten umsetzen: Für den Zugang zu den Fahrzeugdaten wird eine Trust-Center-Lösung gefordert. Das Trust-Center soll als vertrauenswürdige Instanz im staatlichen Auftrag den sicheren Zugriff auf die Fahrzeugdaten regeln – im Interesse der beteiligten Akteure und der Halter bzw. Nutzer der Fahrzeuge.

(ID:47002622)

Über den Autor

Dr. Holger Schweitzer

Dr. Holger Schweitzer

Redakteur, Ressort Technik, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG