Ersatzteilgeschäft Sind Margenverluste ein Dauerzustand?

Autor Dr. Holger Schweitzer

Das Jahresende 2020 brachte für viele Karosserie- und Lackierfachbetriebe eine böse Überraschung: gekürzte Teilemargen für Volkswagen-Ersatzteile. Wie es dazu kam und wie die Branche darauf reagiert? Darüber diskutierte F+K am Donnerstag mit Branchenexperten bei Clubhouse.

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Reduzierte Margen auf VW-Ersatzteile bringen viele Betriebe wirtschaftlich in Bedrängnis. Teilelieferanten, Versicherer und Schadensteuerer sind nun gefragt, den Werkstätten zu helfen.
Reduzierte Margen auf VW-Ersatzteile bringen viele Betriebe wirtschaftlich in Bedrängnis. Teilelieferanten, Versicherer und Schadensteuerer sind nun gefragt, den Werkstätten zu helfen.
(Bild: Wenz/»Fahrzeug+Karosserie«)

Es waren keine guten Nachrichten für die K&L-Branche zum Jahresausklang 2020. Offensichtlich ohne große Vorwarnung konfrontierte Volkswagen Ende Dezember die für OEM-Ersatzteilverkauf verantwortlichen Nora-Zentren mit geänderten Bonusmargen für den Teileverkauf. Diese wiederum reagierten, indem sie die Rabatteinstufungen für Ersatzteile bei den Werkstätten änderten. Am meisten traf dies die für das instandsetzende Gewerbe wichtige Teilegruppe 8. Wie der Zentralverband für Karosserie- und Fahrzeugtechnik informierte brachen hier die Margen im Schnitt um 2,4 Prozent ein. Umsätze, die den Betrieben durch die Auswirkungen der Pandemie und den kontinuierlich wachsenden Kostendruck vor allem im gesteuerten Unfallgeschäft fehlen. Das kann drastische Auswirkungen auf ihre wirtschaftliche Situation haben.

Folglich kamen die Beschwerden der Betriebe prompt und heftig – und auch Verbände wie die der Schadensteuerer und Versicherer, die im Geflecht der Teileversorgung ihrer Betriebe eine wichtige Rolle spielen, schalteten sich schnell ein. Doch worin liegt die eigentliche Ursache für die gekürzten Teilemargen? Und kann das Teilemargenrad überhaupt wieder zurückgedreht werden? Darüber diskutierte F+K-Chefredakteur Konrad Wenz am Donnerstag mit Maik Pohling, Geschäftsführer des größten Nora-Zentrums in Deutschland in Wolfsburg, Peter Börner, ZKF-Präsident und Vorstandsmitglied der Eurogarant Auto Service AG, Thomas Geck, Leiter Schaden-Prozessmanagement HUK Coburg sowie Claus Brettner, Geschäftsführer des Karosserie- und Lackierfachbetriebs Peters GmbH in Hamburg.

„Keine signifikanten Rabattänderungen“

Ausgangspunkt der Diskussionsrunde bildete eine Stellungnahme von Volkswagen, die das Unternehmen auf Anfrage von »Fahrzeug+Karosserie« zu den Hintergründen der geänderten Rabattmargen gab. Dem Autobauer zufolge habe es keine „signifikanten Rabattänderungen gegenüber dem Handel“ gegeben. Was genau für einen Konzern wie Volkswagen „nicht signifikant“ in diesem Kontext bedeutet und was Ende letzten Jahres aus Sicht eines Nora-Zentrums geschah, schilderte Maik Pohling. Wie der Geschäftsführer erklärte, habe Volkswagen Ende 2020 die Bonusmargen für die Nora-Zentren geändert. Ähnlich wie die Betriebe seien auch die Nora-Zentren sehr kurzfristig darüber informiert worden. Damit seien sie gezwungen gewesen, erstmals seit über zehn Jahren die Rabattmargen für Ersatzteile zu ändern. Pohling betonte, dass er aufgrund der Brisanz der Maßnahme die Betriebe davon möglichst transparent und unmittelbar in Kenntnis setzte.

Eine Einschätzung, die Peter Börner teilte. Er bezeichnete die Änderungen seitens VW als keineswegs „marginal“, sondern vielmehr dramatisch. Immerhin machten die Ersatzteile 50 Prozent der Umsätze in den Betrieben aus. Deshalb können nach der Einschätzung des ZKF-Präsidenten die niedrigeren Rabatteinstufungen für viele Betriebe existenzgefährdend werden. Um den akuten Auswirkungen entgegenzuwirken, habe deshalb die Eurogarant Autoservice AG ein Hilfspaket für die Mitgliedsbetriebe geschnürt, das ihnen bis Ende 2021 dabei helfen soll, entstehende Verluste auszugleichen.

Noch zurückhaltend äußerte sich Thomas Geck. Der HUK-Experte signalisierte aber, dass die Coburger Versicherung den direkten Kontakt zu dem Autobauer suche. Man wolle auf die Auswirkungen der Konzernentscheidung aufmerksam machen. Welche konkreten Maßnahmen die HUK ergreifen könnte, um den Betrieben zu helfen, ließ Geck jedoch offen – dafür sei es noch zu früh.

Gezielter Eingriff in den Markt

Dass dem Wolfsburger Konzern die Tragweite der Margenkürzung möglicherweise nicht bewusst gewesen sein könnte, schloss Peter Börner aus. Für den ZKF-Präsidenten ist dieser Schritt eine eindeutige strategische Entscheidung und erst der Beginn einer weiterreichenden Entwicklung. Ein möglicher Beweggrund könne sein, das Unfallschadengeschäft weg von den freien Werkstätten, hin zum eigenen Unternehmen zu bringen.

Auf die Frage, ob der Fahrzeughersteller damit auch die Schadensteuerung und damit das Geschäftsmodell der Versicherer gefährdet, konterte Geck: Dafür seien die Werkstattbindungsverträge im Markt zu etabliert und würden es einem Hersteller schwer machen, wettbewerbsfähig aufzutreten. Vielmehr gelte es, dem Vorhaben des Fahrzeugherstellers durch eigene Konzepte entgegenzuwirken. Allerdings sei dies eine herausfordernde Aufgabe, da bei den Ersatzteilen der Verzicht auf Qualität keine Option sei. Dem Bezug von Teilen aus dem freien Markt erteilte er eine klare Absage.

Eine Ansicht, die alle Diskussionsteilnehmer teilten. Claus Brettner sagte, dass für ihn Teile aus dem freien Markt keine Alternative seien. Schließlich müsste am Ende der reparierende Betrieb für die Qualität der geleisteten Arbeit und verwendeten Produkte haften. Deshalb gehe für ihn kein Weg an Originalteilen vorbei.

UPE-Aufschlag als möglicher Ausgleich?

Davon ausgehend, dass Volkswagen das Teilemargenrad wohl eher nicht vollständig zurückdrehen wird, sprachen die Experten darüber, welche Optionen der Branche blieben. Peter Börner sieht etwa in UPE-Aufschlägen einen wichtigen Hebel, der genutzt werden könnte, um die Margenverluste auszugleichen. Ein Ansatz, den Brettner zumindest im gesteuerten Unfallgeschäft als nicht möglich erachtet, da es vertraglich nicht machbar sei. Letztlich sei es deshalb an den Schadensteuerern und Versicherungen Lösungen zu erarbeiten. Denn es sei ja in deren Interesse, dass die Betriebe überleben. Dem schloss sich Thomas Geck an. Ihm zufolge müsse ein stimmiges Gesamtkonzept geschaffen werden, ohne die UPE-Aufschläge zu erhöhen. Wie genau das aussehen kann, müsse man nun ausarbeiten.

Einigkeit herrschte in der Gesprächsrunde darüber, dass man den von Volkswagen unternommenen Eingriff auf die Teilemargen nicht ohne Widerstand hinnehmen sollte. Peter Börner begrüßte dabei die Initiative der HUK-Coburg, das Gespräch mit den Wolfsburgern zu suchen, äußerte sich allerdings gleichzeitig eher skeptisch, dass sich die Rabatteinstufungen wieder auf das Vorjahresniveau zurückbringen lassen.

Mehr zum Thema Ersatzteilmargen und was es für die K&L-Betriebe bedeutet, erfahren Sie in der Ausgabe 2021/3 »Fahrzeug+Karosserie«

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