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Haftpflichtschaden Wenn die Versicherung den Gutachter schickt

| Autor / Redakteur: Rechtsanwalt Joachim Otting / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Beim Haftpflichtschaden darf sich der Geschädigte den Schadengutachter aussuchen. Mancher Geschädigte lässt sich darauf ein, dass der Versicherer einen Gutachter entsendet. Das kann gut gehen, muss es aber nicht.

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Rechtsanwalt Joachim Otting (www.rechtundraeder.de) informiert Sie in seinen Beiträgen über die aktuelle Rechtsprechung.
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(Bild: VBM-Archiv)

Den Versicherungsgutachter zu akzeptieren, kann gut gehen – muss es aber nicht. Wenn der Geschädigte letztlich an der Richtigkeit des Versicherungsgutachtens zweifelt, hat er Möglichkeiten, das Gutachten überprüfen zu lassen. Die Rechtsprechung ist in einem solchen Fall eindeutig: Wenn das vom Versicherer initiierte Gutachten fehlerhaft ist, erlaubt die Rechtsprechung dem Geschädigten, einen neutralen Experten einzuschalten. Dazu sagt das LG Saarbrücken mit Urteil vom 22.2.2013 – 13 S 175/12:

„Die ... erstattete daraufhin ein Schadensgutachten, bei dem wesentliche Schadenpositionen nicht berücksichtigt wurden, wie der gerichtliche Sachverständige in seinem Gutachten überzeugend dargelegt hat. Der tatsächliche Reparaturaufwand (842,48 EUR netto) liegt zudem mit rund 40 % deutlich über dem von der ... ermittelten Schaden (602,37 EUR netto). Das Gutachten der ... war danach offensichtlich fehlerhaft. Ein offensichtlich fehlerhaftes Gutachten stellt aber keine geeignete Grundlage für eine Wiederherstellung dar, sodass ein verständiger und wirtschaftlich denkender Mensch an Stelle des Klägers von der Notwendigkeit eines neuen, eigenen Schadensgutachtens ausgehen durfte. Dies gilt insbesondere, weil dem Kläger hier wegen der Fehlerhaftigkeit des Gutachtens der ... keine eigenen Rechte gegen die ... zustanden. … Der Kläger hätte daher – anders als bei der Einholung eines eigenen Gutachtens – keine Mängelrechte im Sinne des § 634 BGB gegen die ... mit Erfolg geltend machen können.“

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