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Digitalisierung Automatisierte Gutachten

| Autor / Redakteur: Rechtsanwalt Matthias Nickel / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Unter Ausnutzung von Bilderkennung und künstlicher Intelligenz können jetzt angeblich Schäden auch vollautomatisch erfasst und die Reparaturkosten kalkuliert werden. Ein Gutachten ohne einen Sachverständigen? Es stellt sich die Frage, ob dies rechtlich zulässig ist.

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Ein Gutachten aufgrund von Fotos ist aus rechtlicher Sicht im Kaskofall möglich, im Haftpflichtfall aber eher kritisch.
Ein Gutachten aufgrund von Fotos ist aus rechtlicher Sicht im Kaskofall möglich, im Haftpflichtfall aber eher kritisch.
(Bild: Wenz)

Seit Jahren wird versucht, den Schadenabwicklungsprozess zu automatisieren, um ihn zu beschleunigen und Kosten zu sparen. Gemäß der Pressemitteilung eines Dienstleisters ist es durch Bilderkennung möglich, Schäden automatisiert zu bearbeiten. Anhand tausender Bilder hätten es die Computer gelernt, die Schäden selbst zu erkennen und die Reparaturkosten zu kalkulieren. Gehört der Sachverständige, der ein Fahrzeug in Augenschein nimmt, damit der Vergangenheit an? Wie ist die Rechtslage?

Beim Haftpflichtschaden ist der Geschädigte nach § 249 BGB dazu verpflichtet, die Höhe seiner Reparaturaufwendungen gegenüber dem Versicherer zu belegen. Um diesen Nachweis zu erhalten, legt der Geschädigte meist ein Gutachten vor. Die dafür entstehenden Kosten kann er vom Versicherer ersetzt verlangen. Der Geschädigte hat dabei im Haftpflichtfall die freie Wahl, ob er sich auf einen Gutachter, den der Versicherer vorschlägt, verlässt oder ob er den Gutachter seiner Wahl beauftragt.

Wenn der Geschädigte in einem Haftpflichtfall daher den Sachverständigen seines Vertrauens beauftragen will, so wird dieses Gutachten Grundlage der Schadenermittlung sein. Im Kaskofall sieht die Rechtslage etwas anders aus. Korrespondierend mit der Bestimmung in § 85 Abs. 2 VVG regeln die AKB, dass Sachverständigenkosten im Kaskofall nur dann zu regulieren sind, wenn der Versicherer das Gutachten in Auftrag gegeben hat oder der Beauftragung zugestimmt hat. In Kaskofällen kann also der Versicherer durchaus den Schaden auch automatisiert begutachten lassen.

Gerichte sind skeptisch

Wenn der Versicherungsnehmer im Kaskofall jedoch mit der Schadenermittlung durch das „automatisierte Gutachten“ nicht einverstanden ist, so kann er dagegen vorgehen. Letzten Endes würde dann also ein Gericht eine Entscheidung treffen und sich dabei ganz gewiss auf einen externen Gutachter berufen wollen. Dass sich ein Gericht zu einer Beweisaufnahme auf ein solches automatisiertes Gutachten verlässt, kann ausgeschlossen werden. Anders als im Bereich der außergerichtlichen Gutachten (so genannte Privatgutachten) gibt es für die Erhebung durch Sachverständigenbeweis in der Zivilprozessordnung genaue Regelungen.

Die Regelungen nach § 402 ff. lassen es nicht zu, auf eine automatisierte Überprüfung abzustellen, sodass es im gerichtlichen Verfahren immer den Sachverständigen geben wird, der persönlich tätig wird und das Gutachten erstellt.

Vor einigen Jahren waren einige Anbieter aufgetreten, die so genannte Tele-Gutachten erstellten. Dabei wurde der Schaden gefilmt oder fotografiert, und ein Sachverständiger, der nicht vor Ort war, hat daraufhin das Gutachten erstellt. Die Gerichte waren bereits seinerzeit solchen Gutachten gegenüber äußerst skeptisch eingestellt. Insoweit ist zu verweisen auf die Entscheidungen des Amtsgerichts Freudenstadt (4 C 607/11) und des Amtsgerichts Dachau (3 C 1146/10). Die Gerichte stellten klar, dass eine persönliche Begutachtung durch einen Sachverständigen unumgänglich ist, um verdeckte Vorschäden erkennen zu können.

Kontakt: Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht, Matthias Nickel, Mayen, www.rae-mayen

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