Automotive Onlineforum Dem Regress keine Chance

Derzeit nehmen Versicherer immer häufiger Werkstätten in Regress. Sie behaupten, dass die Werkstatt falsch oder zu umfangreich repariert hat, und berufen sich dabei auf Prüfberichte. Werkstätten müssen das nicht hinnehmen. Dies ging aus dem ersten Automotive Online-Forum der Kanzlei ETL Voigt hervor.

Firmen zum Thema

Immer häufiger versuchen Versicherungen Werkstätten wegen angeblich falscher oder fehlerhafter reparatur in Regress zu nehmen.
Immer häufiger versuchen Versicherungen Werkstätten wegen angeblich falscher oder fehlerhafter reparatur in Regress zu nehmen.
(Bild: Wenz)

Regressprozesse ließen sich nicht vermeiden, erklärte heute Jörg H. Rüberg, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht und Leiter der ETL Kanzlei Voigt Niederlassungen Dortmund und Münster, während des ersten Kanzlei Voigt Automotive Online-Forums. Aber die Werkstatt kann dafür sorgen, dass der Regressanspruch der Versicherung ins Leere läuft, machte der Fachanwalt in seinem Vortrag deutlich.

Bekanntlich dürfen Versicherer die Reparaturrechnung gegenüber dem Geschädigten nicht anhand von Prüfberichten kürzen. Seit etwa zwei Jahren würden Versicherer aber vermehrt gerichtlich gegen Reparaturbetriebe vorgehen, um die im Prüfbericht ausgewiesenen Kürzungsbeträge durch die Hintertür von den Werkstätten zurückzuverlangen. Dies dürften die Versicherer tun, führte Rüberg aus. Hierfür würden sie sich die vermeintlichen Ansprüche vom Geschädigten abtreten lassen.

Aus der Rechtsprechung gehe hervor, dass der Geschädigte verpflichtet sei, mögliche Ansprüche gegen die Werkstatt wegen einer falschen oder fehlerhaften Reparatur, an die Versicherung abzutreten. Diese Abtretung sei unabhängig davon, ob solche Ansprüche überhaupt bestehen, das heißt, der Geschädigte unterschreibt im Prinzip eine Blankoabtretung.

Die Versicherung würde sich mit den Regressansprüchen an die Werkstatt wenden und sich dabei auf die Prüfberichte ihres Dienstleisters berufen. „Werkstätten werden aufgefordert, die Beträge zurück zu überweisen. Damit befinden wir uns dann nicht mehr im Haftpflichtrecht, sondern es handelt sich um eine sogenannte ungerechtfertigte Bereicherung und ums Werkvertragsrecht“, erklärte Rüberg.

Um einem Regressanspruch erfolgreich abwehren zu können, sollte die Reparatur streng nach dem Sachverständigengutachten durchgeführt werden. Das gelte auch, wenn der Reparaturumfang erweitert werden müsse. Auch das müsse ins Gutachten aufgenommen werden.

Keinesfalls sollte eine Werkstatt im Haftpflichtfall mit Kostenvoranschlägen arbeiten. „Damit steht sie beim Prozess auf verlorenem Posten. Denn es gibt dann keinen unabhängigen Dritten, wie den Sachverständigen, der im Vorfeld den Reparaturweg festgelegt hat, dem die Werkstatt gefolgt ist“, erläuterte Rüberg. Aus dem vom Geschädigten unterschriebenen Werkstattauftrag müsse klar hervorgehen, dass das Sachverständigengutachten die Grundlage der Reparatur sei. Dies sei eine gute Voraussetzung, eventuelle Regressansprüche abzuwehren.

Weitere Themen des Onlineforums waren die Kundentypisierung und das Quotenvorrecht. Die umfangreiche Berichterstattung zum Onlineforum der Kanzlei Voigt finden Sie in der Ausgabe 4 / 2021 der »Fahrzeug+Karosserie«.

(ID:47126781)

Über den Autor

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«